Archiv für die Kategorie „Motorradgeschichten“

Maitour (Kapitel 20)

Stichwort Abschleppöse! Melanie hatte ein Bauchnabel-Piercing.
Das war mir bisher gar nicht aufgefallen. Dieses andere Piercing
hatte bei mir wohl eine Art Tunnelblick erzeugt. Obwohl Tun-
nelblick in diesem Zusammenhang nun doch etwas sehr zweideu-
tig klingen mag. Melanie hatte sich herausgeputzt. Mit Lederhose
und knapp sitzendem Oberteil. Geschnürt und ein bisschen bauch-
frei. Lockere Mähne, dezent geschminkt … da wird den Dykes das
Wasser … ich meine natürlich die Augen. Feuchte Augen … wer-
den sie bekommen. Klemens bekam scheinbar auch feuchte Au-
gen. Er setzte seine Kamera kurz ab und massierte seine Augen
mit Daumen und Zeigefinger.
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Maitour (Kapitel 19)

Die Dykes waren zu viert. Also war eine von den Vieren … keine
Dyke. Bevor ich allerdings mit der Begutachtung beginnen konnte,
pötterten zwei Harleys auf den Hof. Sportster!
Dieses Hartz 4-Modell von Harley. Also nicht die 1200er Variante,
sondern diese 883 oder wie die Dinger heißen. Die kauft derZahn-
walt seiner Ehefrau. Nur so … damit die Ruhe gibt.
Die Dinger kann man mit einem ordentlichen Vespa-Roller auf die
Plätze verweisen. Aber … es steht Harley drauf. Immerhin!
Auch wenn man nicht darauf steht. Man kann darauf sitzen. Auf ei-
nem fahrbaren Toilettenstuhl kann man allerdings auch sitzen.
Die Füße auf die vorverlegten Fußrasten und dann drücken. Auf ei-
nem Toilettenstuhl macht das allerdings mehr Sinn als auf diesen
Büchsen. Das Ergebnis dürfte allerdings ähnlich sein.
„Das sind Sportster…nicht wahr?“, freute sich Jerome und sah
mich fragend an.
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Maitour (Kapitel 18)

„Ihr seid aber früh?“, wunderte sich Hiltrud und sah mich fragend
an. Ein wenig kam ich mir vor, wie ein ungeduldiges Kind, das den
alten Onkel dabei überrascht wie er sich als Weihnachtsmann ver-
kleidet. Hiltrud und Axel waren damit beschäftigt, den Festsaal um-
zudekorieren. Der Wastl war auch wieder da. Er schleppte dicke
Bohlen durch die Gegend. Ein neugieriger Blick in den Festsaal
zeigte mir den Grund. Sie hatten dort so etwas ähnliches wie eine
Bühne aufgebaut. Einige Kanthölzer lagen auf dem Boden und
darüber eben diese dicken Bohlen. Der Wastl wuchtete gerade
wieder eine dieser Bohlen herum.
„Können wir irgendwie helfen?“, fragte Rolf.
„Habt ihr Ahnung von Elektrik?“, wollte Axel wissen.
„Naja, da kenne ich mich ein bisschen aus“, untertrieb Rolf. Er war
immerhin Elektrotechniker. Rolf kann mit Strom so ziemlich alles
anstellen, was ein Mensch mit Strom eben so anstellen kann.
Dann war da ja auch noch Charly. Der kann so ziemlich alles mit
Strom anstellen, was sonst kein Mensch damit anstellen kann.
So betrachtet, eine etwas gewagte Frage.
„Was liegt denn an?“, wollte Charly dann auch wissen und rieb sich
voller Vorfreude die schwieligen Hände.
„Starkstrom … liegt an“, erklärte Axel und zeigte auf einen geöffne-
ten Verteilerkasten an der Hauswand. Die beiden Stromexperten
nahmen den alten Kasten genauer in Augenschein.
„Tja …?“, meinte Charly und kratzte sich am Kopf. „Hier ist aber
wohl mal der Blitz eingeschlagen. Das sieht ja aus … in der Kiste.
Da werden wir wohl mal …!“

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Maitour (Kapitel 17)

„Die haben hier ein ordentliches Bier“, erklärte uns einer der
Sauerländer. Seinem glasigen Blick nach zu urteilen, hatte er
bereits sämtliche Sorten durchgetestet.
„Kein Bier vor vier!“, meinte Rolf nur. Wo er recht hat …!
Immer langsam, auch wenn wir hier in Bayern waren, wo der
Gerstensaft nach Aussage eines ehemaligen führenden Landes-
politikers zu den Grundnahrungsmitteln zählt … trotzdem sollte
man vielleicht eine gewisse Zurückhaltung an den Tag legen.
Dietmar schien zu schwächeln.
„Eins geht doch“, versuchte er es. Charly atmete tief durch.
„Natürlich. Bei dir gehen auch zwei. Den Führerschein können sie
dir ja nicht mehr abnehmen“, erklärte Rolf gelassen.
Ich hatte wirklich keine Lust auf diese Diskussion. Wenn man
erstmal anfängt über Grundsatzfragen zu diskutieren … speziell
mit Dietmar, dann artet das fast immer aus. Andererseits, wenn
man den frei herumlaufen lässt … dann darf man sich hinterher
auch nicht wundern, wenn mal wieder das völlige Chaos ausbricht.
„Kommt überhaupt nicht in die Tüte. Wir fahren jetzt weiter. Bier
gibt es nachher noch genug.“ Klemens sprach ein Machtwort.
Dietmar bohrte sich mit dem Mittelfinger andeutungsweise in der
Nase herum. Zwecklos, es war völlig zwecklos. So … durfte man
Dietmar schon mal gar nicht kommen. Charly atmete wieder tief
durch.

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Maitour (Kapitel 16)

Klemens übernahm natürlich sofort wieder die Führung. Gemäß
dem vorliegenden Plan hätten wir eigentlich in die andere Richtung
fahren müssen. Aber wir hatten uns dafür entschieden, die Anzahl
der Treppenstufen am Rathaus von Oberkatzenbuckel oder so
ähnlich, lediglich zu schätzen. Der Hunger trieb uns direkt zum
festgelegten Mittagstreffpunkt. Irgendwo zwischen Unter-und
Oberhinkelfeld sollte der sein. Die genauen Ortsnamen sind mir
entfallen, aber die spielen auch keine Rolle. Die kann sich ohnehin
kein Mensch merken. Natürlich kamen wir zuerst durch Ober-
hinkelfeld. Rein optisch machte es wahrscheinlich keinen Unter-
schied. Lediglich die berühmte Feststellung: Wenn wir von der
falschen Seite kommen, dann müssen wir auch in die falsche
Richtung abbiegen! … diese immer wieder gerne genommene und
völlig logische Annahme trieb Klemens vorwärts und uns hinterher. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 15)

Klemens versuchte nun, die Konfiguration seines Navis zu ver-
ändern. Während er sich mit Handbuch und spitzen Fingern durch
die zahlreichen Menüpunkte arbeitete, inspizierte Rolf seinen
lädierten Untersatz. Selbst Charly, sonst ein bekennender
Harleyhasser, leistet ihm dabei mitfühlend Gesellschaft.
„Die Lampe nageln wir nachher wieder dran … und das komische
Ding hier …!“, brummelte er und wackelte mit dem Fuß an einem
der nun verschobenen Trittbretter herum,“ das komische Teil
schweiß’ ich dir mal richtig ordentlich fest. Ist doch alles nur halber
Kram.“ Charly kniete sich hin und wackelte mit beängstigendem
Einsatz an den verchromten Anbauteilen herum.
„Haste mal gesehen, was da für Typen am Fließband stehen?“,
fragte Dietmar wichtig. Rolf sah ihn an und kniff die Lippen zu-
sammen. Dietmar kniete sich nun ebenfalls hin und wackelte an
dem verletzten Elefanten herum. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 14)

Wer allerdings nicht an uns vorüberging, das war Udo. Er
blubberte schon wieder, aber wahrscheinlich eher immer noch,
ununterbrochen und mit monotoner Stimme seine Halbmonologe
vor sich hin. Klemens blickte nur kurz hoch, schnappte sich sein
Navi und seine Kamera und verschwand wortlos. Rolf nickte ihm
aufmunternd zu und verschwand dann ebenfalls. Ich versuchte
dann auch, mich unauffällig davonzustehlen. Udo ließ sich aber
nicht so schnell abschütteln.
Mit dem schnatternden Udo im Schlepptau begab ich mich zu
meiner Gelben. Ich fummelte ein wenig herum, bückte mich, stand
wieder auf und umkreiste dann mein Motorrad. Udo folgte mir wie
ein Schatten. Gelegentlich nickend nahm ich die Sitzbank ab und
begann damit, mein Bordwerkzeug zu inspizieren. Das war wohl
ein Fehler. Udo ist ein ausgesprochener Hobbyschrauber.
In meiner Not griff ich zu meinem Handy, um die Mailbox abzu-
hören. Das schien tatsächlich zu funktionieren. Udo verstummte
kurz und beschäftigte sich interessiert mit meiner Werkzeugrolle.
Ich entfernte mich angestrengt lauschend und mit langsamen
Schritten. Udo folgte mir diesmal nicht. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 13)

Die Nacht verlief so, wie alle Nächte bei den Maitouren so ver-
laufen. Die eine Hälfte der Teilnehmer versucht zu schlafen, und
die andere Hälfte versucht dann etwas später, es der ersten Hälfte
gleichzutun. Naturgemäß ein wenig angeschlagen … und nicht
unbedingt allzu rücksichtsvoll.
Diese nahezu unsichtbaren Zeltschnüre sind nun mal teuflische
Stolperfallen. Der Erfinder einer phosphoreszierenden Zeltschnur
wird ein Vermögen machen … in einer hoffentlich nicht allzu fernen
Zukunft. Bis dahin werde ich auf diversen Heuböden nächtigen.
Die Heubodenmannschaft war dann auch irgendwann vollzählig
versammelt. Es müssen Hunderte gewesen sein. Wenn man jetzt
nur mal von der Geräuschentwicklung ausgeht. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 12)

Da stehen dann immer alle herum und erzählen sich gegenseitig
belangloses Zeug. Das hat natürlich den großen Vorteil, dass jeder
mitreden kann. Man kann gemütlich von einer Gruppe zur
nächsten schlendern … und ohne vorher den Inhalt des jeweiligen
Gesprächs zu kennen … dann völlig unbedarft einen eigenen Bei-
trag beisteuern.
Völlig wurstegal … es hört sowieso niemand zu.
Der inoffizielle Weltmeister in dieser Disziplin war nach wie vor
unser Dietmar. Bei dem hat das seit jeher Methode. Dem fällt auch
zu allen Themen sofort ein Witz ein. Stubenrein sind seine Witze
selten. Das macht aber nichts. Wenn es darum geht, gute Laune
zu produzieren … führt kein Weg an Dietmar vorbei. Der würde
sogar vor einer weinenden Trauergemeinde auf dem Friedhof nicht
zurückschrecken.
Nur mit Hans-Jürgen tut er sich immer etwas schwer. Der hat
allerdings auch einen etwas eigenwilligen Humor. Was der zum
Beispiel überhaupt nicht lustig findet, sind sämtliche Be-merkungen,
die irgendwie dazu geeignet sind, seine Person in einem falschen
Licht erscheinen zu lassen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 11)

Es dauerte nicht lange und wir konnten den Einmarsch der
Gladiatoren bewundern. Die Harleyfraktion wusste scheinbar ganz
genau, was von ihr erwartet wurde. Rolf führte die Parade an.
Hans-Jürgen mit Sozia und der Zahnarzt nebst Frau folgten ihm
nach. Frank und seine Natascha waren sich ebenfalls nicht zu
schade, und versuchten angestrengt den Eindruck zu erwecken
auch ein wichtiger Teil des Karnevalszuges zu sein.
Nur Werner und seine schimpansisch hinter ihm hockende nacht-
blinde Christine … klinkten sich sofort aus und parkten ihre Honda
vor dem Scheunentor.
Rolf, der die räumlichen Gegebenheiten ja bereits kannte, führte
die eindrucksvoll knatternde Heavy Metall-Truppe in einem großen
Kreis über den Hof. Diesen Beitrag weiterlesen »