Archiv für die Kategorie „Motorradgeschichten“

Maitour (Kapitel 29)

„Das hat man nun davon. Da ist man hilfsbereit und kümmert sich um Sachen, mit denen man eigentlich nichts zu tun hat. Und was ist am Schluss? Da ist man der Doofe“, nörgelte Dietmar und schob mir eine Flasche rüber.
„Mmmhhh, stimmt. …Prost! … Trinken wir auf die Schweine. Auf alle Schweine dieser Welt.“ Das fiel mir so spontan ein. Dietmar sah mich kurz nachdenklich an, hob dann aber seine Flasche. Kurz anstoßen, dann wieder schweigen.
„Wo bleiben denn der schäbige Rest?“, wollte ein Sauerländer von uns wissen.

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Maitour (Kapitel 28)

Da der Weg versperrt war, mussten die Futterkübel zum Stall ge-
tragen werden. Wastl und Franz übernahmen diesen Job. Die
Mutter beobachtete währenddessen, wie immer übelgelaunt und
misstrauisch, die herumalbernden Sauerländer. Der Heinz hatte
sich ihrem Gespann genähert und stellte neugierig und heim-
tückisch, zahlreiche technische Fragen. Das Zugfahrzeug besaß
einen fünfzig Kubikzentimeter Sachs-Motor. Der Klassiker, das
teutonische Urgestein unter den Mofa- und Mopedmotoren. Wenn
man den nicht frisiert, lebt der länger als der Fahrer. Diesen Beitrag weiterlesen »

Als Theo am Timmelsjoch den Teufel totfuhr

Er schrie immer noch. Sein Geplärre, war durch den gesamten Raum zu hören. Theo sah mich mit
ausdruckslosem Gesicht an und löffelte ungerührt seine Suppe weiter. Sabine und Manfred schienen
ein wenig peinlich berührt, schwiegen aber.
Es war der Tourguide, der sich hier so echauffierte.
„Was regt der sich denn so auf?“, wollte ich wissen.
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Maitour (Kapitel 27)

Hans-Jürgen war mittlerweile zur Höchstform aufgelaufen. Äußerst
selbstsicher und dominant; wie es eben so seine Art war, hatte er
das Heft des Handelns an sich gerissen. Das in dieser Situation
etwas zögerliche Verhalten unseres Gastgeberpaares, deutete er
wohl instinktsicher als Führungsschwäche.
Mit lauter Stimme und eindeutigen Gesten sortierte er die noch
verbliebenen Teilnehmer.
„Was ist denn mit euch?“, fragte er Charly und mich.
Charly sah mich kurz an und suchte danach sofort den Blick-
kontakt mit Dietmar. Der starrte fast angeekelt auf die Gruppe, die
sich inzwischen unter dem Kommando von Hans-Jürgen abfahr-
bereit machte. Es war ein bunt gemischter Haufen. Die Nordlichter
fuhren die unterschiedlichsten Modelle. Ausschließlich Japaner.
Dann waren da noch die Harleys, Jerome, Frank mit seiner
Wanderbaustelle und natürlich unser Luftwaffen-Werner mitsamt
seiner Christine. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 26)

Hiltrud setzte sich zu uns. Rein organisatorisch fehlte uns nun
auch noch ein Guide. Chris war beleidigt abgezogen und würde
wohl auch nicht wiederkommen.
Axel hingegen, war auf dem Weg in gefährliches Gebiet.
Wenn ich sie richtig verstanden hatte, auch noch ohne gültigen
TÜV-Aufkleber. Der war schon etwas länger überfällig.
Ein Jahr etwa.
Nicht ganz ohne Grund, wie sie erklärte. Frank nickte verständnis-
voll. Wenn sich einer mit diesen quengeligen TÜV-Typen aus-
kannte, dann ja wohl Frank.
„Was ist denn eigentlich mit seinem Führerschein?“, wollte Hans-
Jürgen wissen. Der hatte wohl etwas aufgeschnappt. Hiltrud winkte
entnervt ab.
„Im Sommer…!“, seufzte sie.
Wie … im Sommer? Gibt er ihn dann ab, oder bekommt er ihn
dann wieder zurück?“, bohrte Hans-Jürgen weiter.
Keine Antwort … ist auch eine Antwort.
„Vielleicht sollten wir ihnen ein Stück entgegenfahren“, schlug
Klemens vor.
„Am besten nur Leute mit TÜV und Führerschein“, ergänzte Rolf.
„Sicherheitshalber vielleicht auch nur die, die alle Teile eingetragen
haben“, murmelte der Zahnarzt und dachte dabei wahrscheinlich
an sein komisches Hinterrad. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 25)

Unser Guide kramte nun auch sein Handy hervor und wählte völlig
entnervt verschiedene Nummern. Es hatte aber den Anschein, als
ob sich niemand mit ihm unterhalten wollte.
Klemens nahm mich unauffällig zur Seite.
„Hör mal, der Typ tickt doch auch nicht ganz richtig. Hast du dem
mal in die Pupillen gesehen?“
Eine interessante Frage. Aber wenn ich selbst noch etwas gerötete
Bindehäute habe, vermeide ich es tunlichst meinem Gegenüber in
die Augen zu sehen. Wie sieht das denn aus?
Ich muss zugeben, ich habe keine Ahnung von diesen zahlreichen
inzwischen auf dem Markt befindlichen illegalen Substanzen. In
dieser Beziehung bin ich ein Vertreter der Alten Schule. Falls ich
mir das Licht ausknipsen will … naja .. ausknipsen klingt vielleicht
ein bisschen hart. Also, wenn ich mal das Licht etwas dimmen will,
dann mache ich das nach alter Väter Sitte. Mit dem sicheren Ge-
fühl im dann meist benebelten Hinterkopf … das bundesweit
gültige Reinheitsgebot nicht missachtet zu haben. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 24)

Bei den Sauerländern herrschte Uneinigkeit. Deren Leitwolf war
noch nicht ansprechbar. Und wie das dann gewöhnlich so ist,
wenn das Alphatier nicht in Form ist … dann drängeln sich die
Nachrücker vor.
Der Heinz bot wirklich einen jämmerlichen Anblick. Charly ver-
suchte, ihn zu einer verwertbaren Aussage zu bewegen. Auch er
entsprach noch nicht in Gänze den Maßstäben, die man ganz all-
gemein an einen autonomen Teilnehmer am öffentlichen Straßen-
verkehr anlegt. Aber das traf ganz grundsätzlich auf viele Teil-
nehmer dieser Maitour zu. Auch ohne, dass sie sich vorher noch
fahrlässig und vorsätzlich und unter Zuhilfenahme alkoholischer
Substanzen, vorübergehend selbst enthirnt hatten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Maitour (Kapitel 23)

Irgendwann in der Nacht, versuchte der Heinz dann auch seine
Matratze zu finden. Vergeblich … alle Matratzen, die er in die
engere Wahl zog, waren schon belegt. Die unvermeidlichen Dis-
kussionen mit den Kollegen verliefen dann auch weitgehend er-
gebnislos. Die Dialoge waren auch eher … schlicht. Im Wesent-
lichen bestanden sie aus wütenden Grunzlauten. Der Heinz taperte
planlos umher und zerrte an den schlafenden Kollegen herum.
So ähnlich muss es an den Höhlenfeuern unserer Urahnen zu-
gegangen sein. Diese Maitouren haben wirklich etwas Ur-
wüchsiges. Zurück zur Natur … in jeder Hinsicht.
Nach einer gefühlten Stunde … gab er dann endlich die Suche auf.
Er warf seinen geschundenen Organismus auf die nächstbeste
freie Matratze und schnarchte gnadenlos davon. Dummerweise
befand sich diese Liegestätte unmittelbar neben meiner.
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Maitour (Kapitel 22)

Hiltrud, als die Mutter der Veranstaltung, hatte dann doch ein Ein-
sehen mit ihren derart ungewollt präsentierten Gästen. Sie ver-
scheuchte die erbärmlichen Spanner und befahl dem Wastl die
ausgehobene Stalltür wieder einzuhängen.
Rolf und ich versuchten dann noch, die um ihren eigenwilligen
Lustgewinn gebrachten Schwestern ein wenig zu besänftigen.
Vergeblich, die Damen bemächtigten sich ihrer Kleidungsstücke
und verschwanden wortlos.
„Wie …? Kein Abschiedsküsschen?“, rief Rolf noch hinterher.
„Sieht nicht so aus. Das war dann ja wohl eher …“, begann ich.
„Hau mir bloß ab, mit dem blöden Fesselkram. Das ist doch total
für’n Arsch. Wer denkt sich denn bloß so ’nen Mist aus.
Jetzt sag ‚ mal ehrlich. Was bringt das denn?“, empörte er sich.
Hiltrud sah uns an und schüttelte entsetzt den Kopf. Dann rannte
sie schnell hinter den Schwestern her.
„Ist doch wahr. Normalerweise … ruckzuck die Waldfee. Abfüllen,
einlochen, abhauen. So läuft das. Un‘ nich ‚ so ’n blödes Theater
… Sadomaso … so ’n Scheiß … oder etwa nich‘?“
Rolf regte sich wahrscheinlich auch deshalb so auf, weil ihm
gerade bewusst wurde, welch neugierige Fragen wir nun beim
nächsten Frühstück beantworten müssen … höchstwahrscheinlich.
„Hätte ja auch klappen können … ich meine rein theoretisch“, ver-
suchte ich die ganze Sache etwas zu beruhigen.
„Na klar. Super … rein theoretisch. Rein praktisch haben wir jetzt
die Arschkarte. Nu‘ stehen wir da wie die Deppen.“
„Was machst du mich so an? Das war doch nicht meine Idee. Wer
wollte hier denn unbedingt den großen Master of Desaster geben?
Ich doch nicht. Jetzt heul‘ bloß nicht ‚rum hier!“
Wir beschlossen dann, den Rest vom Schützenfest doch noch mal
etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht ging ja noch
was. Rein technisch gesehen waren wir ja noch voll funktions-
tüchtig. Psychologisch zwar leicht angeschlagen, aber trotzdem …
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Maitour (Kapitel 21)

Die Schwestern unterhielten sich angeregt mit Hiltrud. Die warf ge-
legentlich einen kurzen fragenden Blick zu uns herüber, schien
aber gleichzeitig auch irgendwie erzieherisch auf die beiden ein-
wirken zu wollen. Nach kurzer Zeit löste sie sich und arbeitete sich
langsam und unauffällig zu uns vor.
„Na, Jungs. Alles klar bei euch..?“
„Bis jetzt schon. Kommt darauf an …“, erklärte Rolf gelassen.
„Hört mal zu. Ich weiß ja nicht was ihr so vorhabt, aber ich kenne
die beiden schon ziemlich lange. Die sind ziemlich hart drauf.
Passt bloß auf. Vor allem die Conny … wenn die ein bisschen zu
viel getrunken hat …. dann … !?“
Hiltrud sah mich warnend, fast mütterlich besorgt an.
Nun …, es ist ja nicht etwa so, dass ich ernst gemeinte Warnungen
grundsätzlich überhöre. Aber mal ehrlich … was um alles in der
Welt kann denn hier schon passieren? Ich meine, wovor sollten wir
hier Angst haben?
Vampire? Diesen Beitrag weiterlesen »