Archiv für die Kategorie „Allgemein“

Eigentlich wollte ich es nicht machen, aber …

es gehört scheinbar zum guten Ton. Diese guten Weihnachts- und Neujahrswünsche, als da wären: Gesundheit, Glück usw. Das wünsche ich natürlich allen Besuchern dieser Seite. Was könnte ich euch sonst noch Gutes wünschen? Naja, sucht euch was aus. Das wünsche ich euch dann ebenfalls. Wird schon klappen. Wenn nicht? Auch nicht schlimm … irgendwie geht’s immer weiter. Das war -bisher jedenfalls- immer so, warum sollte es also im nächsten Jahr anders sein?
Also, Augen zu und durch. Ich drücke euch jedenfalls die Daumen.

Amazon macht nun auch keine Probleme mehr

Es schien zuerst so, als ob es Probleme gäbe. Es gibt aber keine. Alles in bester Ordnung. Die Bestellfunktion über Amazon funktioniert nun fehlerfrei.
Falls es aber doch (man weiß ja nie) irgendwo haken sollte: Bitte eine kurze Mail an:

kuhjote@gmx.de

Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder können etwas länger dauern.

Der schlechteste Buchshop der Welt ist nun endgültig dicht

Der legendäre Kuhjote-Buchshop (legendär wegen seiner unglaublichen Bedienerfreundlichkeit :-( ) hat nun endgültig seine Funktionsfähigkeit eingebüßt. Nichts geht mehr …!
Was aber noch geht, das ist Amazon. Das ist auch gut so, denn es gibt noch einen kleinen Restbestand an Büchern. Also, wer denn unbedingt noch ein Hardcopy-Exemplar von “Eine Woche im Bikerhotel” haben möchte: Amazon hat noch welche bzw. ich habe noch welche und verschicke sie nach Bestellung über Amazon. Geht leider nicht anders, im Umgang mit diesem ganzen Webseiten -und Internetzeug bin ich völlig unbegabt.

So … nun einfach -oben rechts-auf das Buch klicken und schon seid ihr bei Amazon. Wunder der Technik … ich könnte das nicht. Das war deshalb auch der/die Admin dieser Seite. Danke Ute :-)

Annähernd endlose “Kreative Pause”

Es tut sich nichts mehr auf dieser Seite. Warum nicht ?
Möglicherweise befindet sich der Autor in einer Sinnkrise. Oder aber er hat einfach keine Lust mehr, sich mit Motorradgeschichten zu beschäftigen. Irgendwelche Gründe wird er schon haben.
Hat ER auch. ER hat herausgefunden, dass es eigentlich Unfug ist, unfertige Episoden und Geschichten zu posten. Das hat ER jetzt einfach mal so ganz alleine herausgefunden. Das macht nämlich sonst kein geistig halbwegs gesunder Mensch. Unfertiges und unkorrigiertes Zeug veröffentlichen, einfach so. Das dazu.
Jetzt zum Thema “Worum geht’s denn überhaupt?” … inhaltlich betrachtet. Kurz und gut: Die Welt will Krimis. Warum auch immer- Krimis sind gefragt. Deshalb habe ich mich nun längere Zeit mit einem Krimi herumgeschlagen. Das Ergebnis: Es klappt nicht. Krimis liegen mir einfach nicht. Detektive, Kommissare … gibt’s doch alles schon. Ein Anti-Krimi kam mir dann in den Sinn, funktionierte aber auch nicht.
Jetzt steh’ ich wieder hier, ohne Krimi. So wie’s aussieht … tja, weiß ich jetzt auch nicht so genau. Der Herbst ist bereits da, der Winter kommt auch noch. Irgendwas wird mir schon einfallen.
Notfalls irgendwas mit Motorradfahrern, nur um im Rhythmus zu bleiben.

Bikerhotel II (Kapitel 6)


Die durchfeuchtete Wiese wies trotz vorausschauender Planung
bereits deutliche Gebrauchsspuren auf. Die am meisten
frequentierten Laufwege hatte man klugerweise mit ausgedienten
Holzpaletten und Bohlen befestigt. Das vorhandene Baumaterial
reichte aber vermutlich nur für die Außenanlagen. Innerhalb des
Hauptzeltes präsentierte sich der natürliche Untergrund in seiner
ursprünglichen Form. Das war nun nicht weiter schlimm, weil
niemand der Anwesenden auf Pfennigabsätzen unterwegs war.
Fast niemand … abgesehen von einigen, doch eher leichter be-
kleideten Damen. Die trugen so etwas ähnliches wie Kimonos und
trieben sich im hinteren Teil des Zeltes herum. Dort, neben einer
improvisierten Bühne, für deren Bau man ebenfalls ausgediente
Holzpaletten verwendet hatte, befand sich ein -Zelt im Zelt- um es
anschaulich zu beschreiben. Dieses Inhouse-Zelt schien Heimat
und Rückzugsgebiet dieser Damen zu sein. Was die dort trieben
blieb mir zwar zunächst unklar, erforderte aber ganz eindeutig eine
genauere Exploration.
Zunächst aber stand die ganz gewöhnliche Bedürfnisbefriedigung
im Vordergrund. Das Catering, mehr noch, der komplette Event-
Service, die gesamte Veranstaltungsorganisation lag in den be-
währten Händen des örtlichen Motorradklubs. Es gab sogar
Fingerfood, nicht etwa, dass die Hellbiker versnobt wären, es lag
eher daran, dass die bewährten Hände das Besteck vergessen
hatten. Zum Glück gab es aber nicht nur Pappteller, auch an ge-
eignete Trinkgefäße hatten sie gedacht.
Bier aus diesen wabbeligen Plastikbechern, wie das hasse!
Die Erfahrung der letzten Jahre aber zeigte, dass Glasgefäße eine
nicht unbeträchtliche Verletzungsgefahr in sich bargen. Völlig un-
abhängig vom sonstigen Inhalt. Diese generelle Verletzungsgefahr
war überhaupt ein wichtiges Thema. Um diese allgegenwärtige
Bedrohung zu minimieren, hatten die Hellbiker auf eine erprobte
Taktik zurückgegriffen. Diese Taktik hieß Keule. Man könnte hier
sogar schon fast von einer Strategie sprechen.
Keule ist so etwas ähnliches wie … eine Einmannarmee.
Hauptberuflich ist Keule der “Sergeant of Arms“ der Hellbiker.
Die dafür unbedingt notwendige Qualifikation hatte er sich bei
mehreren unfreiwilligen Aufenthalten in einschlägigen, staatlichen
Einrichtungen erworben. Learning by doing … ist dort ein gängiges
Ausbildungskonzept. Eher etwas weniger Theorie, dafür eine mehr
praxisbezogenere Ausrichtung.
Man darf aber nun nicht glauben, dass Keule ein unfreundlicher
oder gar grober Zeitgenosse ist. Weit gefehlt. Er ist eine “Seele
von Mensch“, wie es so schön heißt. Er hilft alten Omas über die
Straße, streichelt Katzen und Kinder, er fährt sogar zur jährlichen
Motorradweihe. So ein Mensch kann nicht wirklich schlecht sein.
Nun gut, das äußere Erscheinungsbild täuscht ein wenig darüber
hinweg. Sein weitgehend haarloser und fast quadratisch an-
mutender Schädel, sein gedrungener Körperbau, die mit eher
laienhaften Tattoos bedeckten, baumstammdicken Unterarme,
selbst sein etwas verkniffen wirkendes Dauerlächeln, alles nur
Äußerlichkeiten. Im Inneren ist er ein guter Mensch.
Dies behauptet jedenfalls seine Frau. Wenn die es nicht weiß, wer
denn sonst? Ich mag ihn jedenfalls. Er redet nicht viel, er packt
einfach zu wenn es die Situation erfordert.
Diese Situation schien gerade mal wieder eingetreten zu sein,
wenn ich die Gestik des Bosses richtig deutete. Ein bärtiger und
mental deutlich verlangsamter Besucher blockierte die Essensaus-
gabe. Nein, es war nicht Charly, es war irgendein Kuttenträger, der
hier mit schwerer Zunge und in einer unverständlichen Sprache
seinen Unmut bekundete. Ob er sich nun über die Größe der
Portion beklagte, oder über den Geschmack, oder über was auch
sonst, die entscheidende Tatsache war, dass er sich beklagte.
Der Boss hatte es gekocht, er hatte es portioniert und ausgegeben.
Damit war klar: Der Bärtige beging einen ungeheuerlichen Frevel.
Keule waltete seines Amtes. Routiniert, unaufgeregt und effizient.
Man hätte es natürlich auch ausdiskutieren können, möglicher-
weise müssen die Hellbiker auch noch rein konzeptionell ein wenig
an ihrem Beschwerdemanagement feilen, wenn man es aber nur
einmal rein vom Standpunkt der Effektivität aus betrachtet, waren
sie zumindest in diesem Punkt auf dem richtigen Weg.
Dieser Kunde beschwert sich sicherlich nie wieder … mehr kann
man nicht erreichen.
„Und … wie sieht’s aus hier? Viel zu tun?“, fragte ihn Charly. Der
sieht das auch eher pragmatisch. Charly war mal Ordner im Lever-
kusener Fußballstadion, damals, als er sich noch für den Verein
engagiert hat. Mittlerweile hat er eine Jahreskarte.
„Naaa, geht so. Is‘ ruhig…“, entgegnete Keule und exerzierte mit
uns die hier übliche, spezielle Handgriffbegrüßungstechnik durch.
Um der hier ebenfalls üblichen, sehr hohen Nachfrage nach
alkoholischen Getränken gerecht zu werden, hatten die Caterer
noch eine zweite Ausschankstation eingerichtet. Unmittelbar vor
dem Eingang des Hauptzeltes hatten sie einen Bierwagen platziert.
Dort drängelten sich ebenfalls zahlreiche Besucher der Ver-
anstaltung. Die Oberaufsicht über diesen Bierwagen hatte man
Keules Gemahlin anvertraut. Ein weiser Entschluss.
Der Umgang mit schwierigen, teilweise sogar etwas rabiaten
Persönlichkeiten, bereitet ihr naturgemäß wenig Probleme. Das lag
möglicherweise daran, dass sie auch im wahren Leben ihre beruf-
liche Erfüllung hinter der Theke eines einschlägigen Lokals ge-
funden hatte. Zu einem anderen, sicherlich ebenso großen Teil, lag
es eben genau daran, dass sie schon seit vielen Jahren, Tisch und
sehr wahrscheinlich auch Bett, mit Keule teilen durfte.
Böse Zungen behaupten sogar: Musste!
Nur, damit wir (Keule eingeschlossen) uns hier jetzt nicht falsch verstehen:
Sie ist keinesfalls unattraktiv. Überhaupt nicht!
Ich meine … gut, das ist natürlich auch Geschmacksache, ich
möchte es einmal so formulieren: “Sexiest Woman alive“ … dazu
reicht es sicherlich nicht mehr, früher vielleicht, aber das muss
dann schon sehr viel früher gewesen sein. Ausgeschlossen ist es
aber nicht.
Ihre Kollegin auf dem Bierwagen hatte da eindeutig bessere
Chancen. An der hatte ich mir allerdings schon im Vorjahr die
Zähne ausgebissen. Zugegeben, es war nicht unbedingt die
optimale Gelegenheit, aber ich fasste spontan den Entschluss,
einen erneuten Anlauf zu riskieren.
„Hey, damit hätte ich aber wirklich nicht gerechnet. Du … hier!?“
Eine offene Frage, irgendeine Antwort kann man da erwarten.
„Ja … !“, kam eher knapp zurück. Immerhin, sie spricht noch mit
mir. Dummerweise hatte ich ihren Namen vergessen, das passiert
mir öfters, ich kann mir einfach keine Namen merken.
„Da kommst ja gerade rechtzeitig, gleich geht’s wieder los …“!“
Mein verständnisloser Gesichtsausdruck veranlasste sie wohl zu
einer ergänzenden Bemerkung.
„Die große Tittenshow …!“, erklärte sie, während sie gleichzeitig
mit einem alten Handtuch auf der schmalen Theke des Bierwagens
herumwischte. Ich muss wohl eher begeistert als verständnislos
auf ihre halb geöffnete Bluse gestarrt haben, was sie dann auch
sofort zu einer weiteren Erklärung veranlasste.
„Naaa … drinnen, im Zelt. Striptease …!“
Ach so, jetzt war der Groschen gefallen. Wie zur Bestätigung, er-
tönte in diesem Moment auch die Stimme des … Conférenciers,
wenn man ihn so nennen darf. Der kündigte in einfachen und des-
halb auch vielleicht eindeutigen Worten, die Hauptattraktion des
Abends an.
„Geile Weiber … traut euch ruhig näher ran. Hier, nur für euch!“
Übertriebene Zurückhaltung abzumahnen wäre vielleicht nicht un-
bedingt nötig gewesen, die spontan einsetzende Drängelei be-
stätigte diese Vermutung dann auch.
Mit einem kurzen,entschuldigenden Lächeln verabschiedete ich
mich dann von der Bierwagenschönheit und versuchte wie alle
anderen auch, irgendwie in die Nähe der Holzbühne zu gelangen.

Dietmar und Charly hatten sich sogar Sitzplätze erobert. Eine
kaum zu überschätzende Leistung, wenn man sich die direkte
Konkurrenz näher ansah. Da waren dann doch schon einige Ge-
stalten dabei, denen man nicht nur nicht im Dunklen … denen
möchte man eigentlich auch nicht im Hellen begegnen.
Natürlich, da ist auch immer viel Show im Spiel. Selbstverständlich,
gar keine Frage. Die sind gar nicht so, die tun nur so. Der Typ vor
mir, der tat dann auch einfach mal so. Vielmehr, er trat dann ein-
fach mal so … seinem Vordermann vors Bein. Warum?
Ich weiß es nicht. Vielleicht aus Spaß, vielleicht aus anderen
Gründen. Warum auch immer, der Getretene jedenfalls tat dann
auch nur mal so, als ob er sich umdrehen … und dann … eigent-
lich habe ich auch immer gedacht, die täten nur so. Tun sie auch.
Der Holztisch, es war einer von diesen Bierzelttischen, der kippte
dann einfach um. So ganz einfach auch wieder nicht, der kippte
mitsamt der dazugehörigen Holzbank um. Wie schon erwähnt, die
Sitzplätze waren begehrt. Dementsprechend kippten die, dort in
erwartungsvoller Vorfreude hockenden Besucher ebenfalls … es
wurde dann doch ein wenig unübersichtlich. Da ich nicht unmittel-
bar betroffen war, beteiligte ich mich auch nicht an der dann
folgenden nonverbalen Diskussion. Keule hingegen, obwohl er
auch nicht unmittelbar betroffen war, diskutierte leidenschaftlich
mit. Man kann jetzt auch nicht sagen, dass er eindeutig Partei er-
griff, er griff natürlich schon … aber ziemlich ausgewogen. Seine
Argumente überzeugten die Diskutanten dann relativ schnell, man
konnte aber auch wirklich nicht behaupten, dass er sich irgendwie
missverständlich oder gar unnötig kompliziert ausdrückte. Ein
klassisch geschulter Sozialpädagoge hätte sicherlich mehr Zeit
benötigt.
„Blöder Pisskopf …!“, fluchte Charly und wischte sich die letzten
Bierreste von der etwas feucht gewordenen Hose. Sein unmittel-
barer Nachbar fühlte sich offenbar angesprochen, was auch
durchaus verständlich war, es handelte sich nämlich um dessen
Bier, auf Charlys Hose. Man kann es sich denken, das entsprach
nicht unbedingt seinem Selbstbild. Ganz im Gegenteil, es wider-
sprach ihm sogar deutlich erkennbar. Der Typ trug nämlich keinen
blöden Pisskopf auf seiner Kutte, sondern einen, zwar ebenfalls
blöden, aber gleichzeitig auch ziemlich böse aussehenden Toten-
kopf. Mit zwei gekreuzten Knochen sogar!
„Meinst‘ mich..!?“, fragte der dann auch prompt nach. Ich blickte
mich unauffällig um und musste dabei leider feststellen, dass eine
ganze Menge Leute im unmittelbaren Umfeld ebenfalls Totenköpfe
mit gekreuzten Knochen auf ihren Kutten trugen. Charly schien das
fahrlässigerweise, obwohl oder gerade weil die etwas kompakte
Beurteilung seines Nebenmannes mit großer Wahrscheinlickeit
zutreffend war, nicht ausreichend berücksichtigt zu haben.
„Quatsch, er meint den Typen da … diesen … den da!“, versuchte
ich eine erneute Diskussion zu vermeiden und deutete dann un-
genau in eine zufällige Richtung.
„Das is einer von uns“, behauptete der mutmaßliche Pisskopf und
erhob sich. Ich vermute mal, dass er sicherlich nicht die Absicht
hatte mir seinen Sitzplatz anzubieten.
„Ach was, ich meine den daneben“, versuchte ich es erneut.
Der Typ sah mich merkwürdig an, setzte sich dann aber schnell
wieder hin. Entweder hatte er es eingesehen, oder aber es hat
daran gelegen, dass Keule neugierig näher gekommen war um die
Lage zu sondieren. Ich drehte zunächst einmal meine BMW-Kappe
herum, das Enblem nach hinten. Vielleicht …? Hätte ja sein
können.
Keule gab mir ein Zeichen, ich folgte ihm zur Theke.
„Passts a bisschen auf, mit die Death-Heads … die san ein biss-
chen …“, erklärte er nuschelnd und versetzte mir neckisch einen
kleinen Leberhaken. Ansatzlos und total freundschaftlich.
„Pffhhh … ist mir …auch schon aufgefallen“, ächzte ich mühsam
und versuchte krampfhaft Haltung zu bewahren. Keule zwinkerte
mir zu und nickte kurz. In der Tat, er verfügte über diese seltene
Fähigkeit -diese Fähigkeit, sich auch ohne viele Worte erschöpfend mitzuteilen.

Burlesque-Musik ertönte aus den Boxen neben der Holztribüne.
Einige bezopfte Gestalten sprangen dort herum und versuchten
anscheinend, eine Art -Lightshow- zu improvisieren.
Andächtiges Schweigen erfüllte das Zelt. Nur vom Eingang her
-draußen vom Bierwagen kommend- drangen störende Geräusche
herein. Die Lichtkünstler hatten mit ihren Scheinwerfern inzwischen
eine auffällig gekleidete Dame in ein unnatürlich helles Licht ge-
taucht. Die trug eine weiß-blonde Perücke, einen roten Kimono,
Netzstrümpfe und hochhackige Schuhe.
„Wie Doris Day im Swingerclub“, flüsterte ich Rolf zu, der neben
mir aufgetaucht war und schweigend das Schauspiel betrachtete.
„Nataaaliiiiiiihhhh …!“, kreischte plötzlich -mit einer sich mehrfach über-
schlagenden Stimme- ein unsichtbarer Showmaster und drehte
gleichzeitig die merkwürdige Musik bis zum Anschlag auf.
Nataaaliiiiiihhh kletterte mehr oder weniger elegant auf die im-
provisierte Palettentribüne und drehte sich dort im Kreis.
Eine Mischung aus aufziehbarer Porzellan-Ballerina und be-
trunkener Flamenco-Tänzerin. Den Gürtel ihres Kimonos fummelte
sie währenddessen ab und fuchtelte damit herum.
Punktgenau, exakt auf die Musik abgestimmt, erstarrte sie plötzlich
und warf ihren Kimono ab, choreografisch perfekt.
Ein anerkennendes Raunen ging durch das Zelt.
„Sagenhaft..“, flüsterte Theo ergriffen und drängelte sich mit er-
hobener Kamera durch die Menge nach vorne. Rolf zischte leise.
Jetzt mal abgesehen von der weiß-blonden Perücke … was da im
Scheinwerferlicht stand … das war aber nun wirklich … ganz un-
voreingenommen und ehrlich … mir fehlen die Worte.
Die Musik wechselte, genau in diesem Rhythmus bewegte sie sich
jetzt auch, deutlich eleganter als vorher. Sie beugte sich herunter
und mit einer fließenden Bewegung entledigte sie sich ihrer
Perücke. Eine dunkle Mähne kam zum Vorschein. Perfekt …!
Völlig unbewusst war ich inzwischen in die Nähe der Bühne ge-
langt. Fasziniert, kein bisschen anders als alle anderen Zuschauer
auch, starrte ich auf die Erscheinung. Aus der Nähe konnte man
dann erkennen, dass sich ein kleiner Anflug von Orangenhaut
-aber wirklich nur ein Hauch- auf den sonst makellosen, prächtigen
Oberschenkeln abzeichnete. Der ganze Rest war nahezu fehler-
frei.
Natalie, so nannte sie sich wohl, hatte inzwischen das Oberteil ent-
fernt -also diesen BH- was darunter zum Vorschein kam … konnte
unmöglich echt sein. Echt oder nicht echt, es war grandios. Kaum
hatte sich die Menge von ihrer Überraschung erholt, präsentierte
sie auch schon ihr Unterteil. Ich fand, dass sie ein ordentliches
Tempo vorlegte, war deshalb aber keinesfalls enttäuscht. Einer der
bezopften Helfer hatte inzwischen einen Stuhl auf die Bühne ge-
schleppt. In einer ganz normalen Stripshow wäre es das nun ge-
wesen. Die Künstlerin hätte schnell ihre Utensilien zusammen-
gerafft und wäre von der Bühne verschwunden. Der Stuhl ließ aber
vermuten, dass es hier wohl anders war. Natalie legte jetzt erst
richtig los. Mir fiel auf, dass die anwesenden Damen -auch wenn
sie einen durchaus abgeklärten Eindruck machten- einen schein-
bar kritischen Meinungsaustausch untereinander führten. Natalie
präsentierte den interessierten männlichen Zuschauern in-
zwischen Teile ihrer Anatomie, die, zumindest in den handelsüb-
lichen Stripshows, den neugierigen Blicken der Zuschauer weithin
verborgen bleiben. Es schien ihr aber sichtlich Spaß zu machen.
Theo, ausgestattet mit einem Zoom-Objektiv, aber auch andere
Fotofreunde, schienen durch ihre intensiven Bemühungen, die
Freude der Künstlerin bei ihrer Arbeit noch zu steigern. Inzwischen
konnten sich einige der begeisterten Zuschauer nicht mehr
zurückhalten, sie versuchten die Tribüne zu erklimmen, ich ver-
mute, um der Künstlerin zur Hand zu gehen.
Keule, unterstützt durch einige Bekannte der Darstellerin, musste
diese Zuschauer dann wieder auf den Boden der Tatsachen
zurückholen. Was ihnen, auch ohne viele Worte zu machen, ganz
problemlos zwar nicht, aber trotzdem gelang.
Angesichts der ausufernden Begeisterung der Zuschauer musste
die Künstlerin dann ihre Vorführung abbrechen. Die Bühnen-
konstruktion war dem Andrang einfach nicht mehr gewachsen und
geriet sichtbar ins Wanken. Fluchtartig, wenn auch völlig hüllenlos,
dank ihrer hochhackigen Schuhe aber trotzdem elegant, entfernte
sich Natalie dann. Nachdem sie in ihrem Privatzelt verschwunden
war ebbte die allgemeine Begeisterung langsam wieder ab.
Getrieben vom Beifall seiner Freunde -vermutlich aber auch vom Alkohol
und wohl in größeren Mengen freigesetzten Hormonen- versuchte ein
relativ unattraktiver Tätowierter die Show eigenmächtig fortzu-
setzen. Eigenmächtig trifft es durchaus, die anwesenden Damen
klatschten jedenfalls begeistert. Einige pfiffen sogar auf den
Fingern. Abgesehen von dem demonstrativ aber ungeschickt
präsentierten –sagen wir mal: Gemächt- bot der Bursche einen
eher bemitleidenswerten Anblick. Keule musste wieder eingreifen.
Um seiner Aufforderung den entsprechenden Nachdruck zu ver-
leihen, nutzte er die dargebotenen Körperteile des Unglücklichen
als -Griffstück- würde ich sagen. Das männliche Publikum
stöhnte solidarisch auf, die anwesenden Damen buhten. Keule zog
den Stripper an seinem improvisierten Griffstück zügig von der
Bühne. Weitere Bühnenkandidaten traten danach nicht mehr in
Erscheinung.
„War nicht schlecht, oder?“, sagte Rolf.
„Echt? Den fand ich aber überhaupt nicht … die Maus war aber
ganz gut“, erwiderte ich und sah ihn überrascht an. Rolf strafte
mich durch Schweigen.

Bikerhotel II (Kapitel 5 )

Zuverlässig oder nicht, Bernie hatte das Kommando. Wenn in
zwanzig Minuten Abfahrt war, dann war das eben so. Was soll
man da lange herumdiskutieren. Wenn ein ICE der Bundesbahn,
um 11.20 Uhr an Gleis 3 abfährt, dann fährt er da ab. Wenn der
Ferienflieger der Air Berlin um 01.50 Uhr startet, dann ist das eben
so, da diskutiert auch keiner herum. Der Shuttlebus fährt in
zwanzig Minuten ab … Ende der Diskussion.
Dietmar sah das überhaupt nicht ein, Charly auch nicht.
Ich marschierte auf mein Zimmer und zog andere Klamotten an.
Leichter Bieranzug, Jeans und Pullover. Gegen Feuchtigkeit aller
Art noch meine alte Jeansjacke, dazu Stiefel und eine BMW-
Kappe…fertig. Pünktlich erschien ich vor dem Eingang, Rolf war
schon da. Er hatte sich wieder die Narrenkappe übergestülpt.
Wobei man jetzt darüber diskutieren könnte, ob eine BMW-Kappe
so viel besser … aber ich hatte keine andere. Theo tauchte auch
auf, er sah aus wie ein ganz normaler Alpentourist. Sogar seine
Kamera hatte er dabei. So ein Ding mit großem Objektiv, wie es
eben auch die richtigen Touristen haben, nicht so ein kleines Ding
mit viel zu viel Megapixeln, nein, so ein großes Ding mit noch mehr
Megapixeln. Ich habe auch eine Kamera, so eine kleine, die hat
natürlich auch Megapixel, etwas weniger als eines dieser neueren
Handys zwar, aber mir reicht’s. Ich fotografiere sowieso nie.
Rolf schon. Aber nicht mit einer Kamera, Rolf hat ein iPhone.
Damit kann man alles machen, sagt er. Ich wüsste allerdings nicht,
was ich damit machen könnte, was ich ohne das Ding nicht
machen kann. Sagen wir mal so: Mich interessiert das Wetter in
Südkorea nur ganz minimal, die neuesten Bundesliga-Ergebnisse
und der Tech-Dax … überhaupt nicht. Es ist natürlich schön, wenn
man eine Übersicht über die aktuellen Preise der nächstgelegenen
Elektronikmärkte hat. Alles wunderbar … es interessiert mich aber
nicht. MMS, SMS … irgendwann kommt dann natürlich auch UPS,
nur um den ganzen Müll abzuliefern, den man sich per Touch-
screen-Fingerdruck bestellt hat. Online … per Konsumhandy.
Ich werde es nie verstehen, mir fehlt da einfach eines dieser Apps
im Vorderhirn. Dietmar fehlen auch ein paar Apps im Denkorgan,
Charly sowieso, aber der hat auch eine völlig andere Basis-
hardware. Charly funktioniert noch analog.
„Wo isser denn nu‘, der Bus?“, fragte er empört und starrte traurig
auf sein leeres Bierglas. Er und Dietmar hatten es vorgezogen;
anstatt sich ausgehfein zu machen, eine mir zwar unbekannte,
aber sicherlich völlig unbedenkliche Biermenge zu konsumieren.
Unbedenklich in sofern, weil sie nur eine knappe halbe Stunde
dafür nutzen konnten. In diesem Zeitraum, schafft selbst Charly
höchstens … na ja, aber mehr auch nicht.
„Bisschen vorglühen?“, wollte Theo wissen.

Theo ist Whisky-Trinker. Whisky ohne E vor dem Y. Darauf legt er
größten Wert. Auf das fehlende E. Ohne, ist es nämlich Scotch.
Nicht diese Supermarktplörre natürlich, sondern Single-Malt. Da
gibt es eine treue Fan-Gemeinde, habe ich lernen dürfen. Die
treffen sich an den verschiedensten Orten und testen die zahl-
reichen Sorten dieses hochgeistigen Gebräues. Da geht’s dann um
zahlreiche Nuancen und geschmackliche Feinheiten. Na gut,
warum nicht. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass nach einer
gewissen Zeit, die geschmacklichen Details ein wenig ver-
schwimmen. Wenn ich zehn Whiskysorten verinnerlicht hätte,
könnte man mir danach auch ein Gläschen Domestos kredenzen,
diesen berühmten torfigen Abgang, würde ich dann trotzdem, oder
gerade deshalb, immer noch nicht eindeutig klassifizieren können.
Es wird wohl ähnlich wie bei den Weinproben an der Mosel ab-
laufen, da hege ich aber immer den Verdacht, dass da nur die
Etiketten ausgetauscht werden. Der Inhalt wird wahrscheinlich aus
großen Edelstahlbottichen abgepumpt, ähnlich wie auf dem
Oktoberfest. Dort fahren die Tanklaster sogar ungetarnt hinter den
Zelten auf. Bei Bier ist das allerdings auch nicht ganz so schlimm.

„Vorglühen? Hast du etwa eines deiner Fläschchen, voll des guten
Malzgetränks dabei?“, wollte ich von Theo wissen.
„Womöglich mehr als dreißig Jahre alt? Handgeschüttelt und ge-
rührt?“, fragte Rolf neugierig nach.
„Fünffach destilliert, verdünnt mit gefiltertem Regenwasser vom
Nordatlantik, von schwieligen schottischen Hochlandziegenfüßen
durch die torfigen Hochmoore getrampelt…?“, ergänzte ich.
„Rück mal raus, den Fusel!“, forderte Dietmar.
Theo wandte sich schweigend ab. Jeder weitere Kommentar war
hier überflüssig. Die Feinheiten der keltischen Trinkkultur er-
schließen sich eben nicht jedermann auf Anhieb, dazu braucht es
schon mehr, mehr als nur das profane Streben nach Trunkenheit.
Das hat er so nicht gesagt, aber ich glaube, dass er es zumindest
gedacht hat. Das, oder etwas in dieser Art … vermutlich.
Vielleicht wollte er aber auch einfach nur seinen Whisky nicht mit
Banausen teilen. Es hupte an der Einfahrt, unser Bus kam.

Der Fahrer sprang hoch motiviert aus dem Gefährt. Fast dienst-
eifrig rannte er um seinen Shuttlevan herum und zerrte die seitliche
Schiebetür auf, er klappte die Sitzlehne des mittleren Sitzes nach
vorne und sah uns dann auffordernd an. Inzwischen hatte sich ein
gutes Dutzend Personen vor dem Eingang eingefunden. So wie es
aussah, wollten die alle mitfahren.
„Wie viel passen denn da rein?“, fragte Dietmar misstrauisch.
„Wir passen auf alle Fälle rein, der Rest kann ja zu Fuß gehen“,
bestimmte Charly und enterte den Beifahrersitz. Offenbar wollte
aber niemand zu Fuß gehen, die potenziellen Passagiere
drängelten plötzlich alle gleichzeitig an der Schiebetür herum.
Bescheidenheit ist eine Zier …oder … wer anderen den Vortritt
lässt, kann anschließend sehen wie er hier wegkommt.
„Frauen und Kinder zuerst“, rief Dietmar und schob sich seitlich
durch die Gruppe. Einige sahen sich daraufhin suchend um und
verpassten somit ihre Chance.
„Ich muss neben ihm sitzen, der kennt sich hier nicht aus“,
brummte Theo und schob einen fülligen, älteren Herrn zur Seite.
Der fauchte empört und versperrte dann den Nachdrängenden den
Weg.
„Darf ich mal eben?“, fragte ich freundlich und tauchte unter den
ausgestreckten Armen des empörten Oldtimers durch.
„Halt, jetzt ist’s aber gut. Ich warte hier schon länger“, ereiferte der
sich. Eine lautstarke Diskussion entwickelte sich.
„Wo habt ihr denn eure Platzkarten? Hier, ich hab‘ die Nummer
Fünfzehn. Alle, die höhere Nummern haben, fahren mit dem
nächsten Taxi“, schrie Rolf und hielt dem verblüfften Blockade-
rentner an der Schiebetür einen zerknitterten Zettel vor die Nase,
„Na, was is‘ ? Hurtig rein in die Kiste oder willst du hier Wurzeln
schlagen? Nu‘ mach mal! Oder hast du etwa keinen Fahrschein?“
Der Mann hatte wohl keinen Fahrschein und machte einen schuld-
bewussten Schritt zur Seite.
„Komm, mach zu die Tür, wir können los!“ , brüllte Charly dem
Fahrer zu. Der schob auch sofort mit einem kräftigen Ruck die
Schiebetür in Schloss und rannte danach wieder um sein Auto.
„Komm, gib Gas! Die anderen Typen da, die müssen sich erst
noch einen Fahrschein holen. Bis dahin bist du wieder zurück“,
freute sich Rolf und klopfte auf die Kopfstütze des Fahrers.
Der schüttelte grinsend den Kopf und fuhr los. Draußen be-
herrschten erkennbar Unsicherheit und Ratlosigkeit die Szene.
Bernie war aufgetaucht und wurde sofort von den Zurück-
gebliebenen bedrängt. Vermutlich wollten sie Fahrscheine.
„Zwei hätten aber noch reingepasst“, bemerkte der Fahrer.
„Ja, kann sein, aber der Rest nicht“, stellte Dietmar fest.
So konnte man es natürlich auch sehen. Dem Fahrer war es
scheinbar gleichgültig, er war eben nur der Fahrer. Er war
allerdings auch der richtige Mann für diesen verantwortungsvollen
Job. Leidenschaftlich jagte er den Van über die feuchte, dunkle
Landstraße. So leidenschaftlich, wie man eben einen gut besetzten
Van über eine kurvige Strecke jagen kann. Bis zu diesem Abend
war ich zwar der Meinung, dass diese Fahrzeugklasse eher zu den
behäbigeren, zu den weniger sportlichen Fortbewegungsmitteln
gezählt werden kann, diese Einschätzung musste ich aber
revidieren. Auch alle anderen Fahrgäste schienen ein wenig über-
rascht, mehr noch, sie waren regelrecht stumm vor Begeisterung.
Nur Dietmar konnte seine Gefühle nicht länger verbergen.
„Leck mich doch am … boah … ach du … booaaahhh!“
Ich fand, dass diese Kommentierung zwar ein wenig un-
differenziert, aber durchaus angemessen war. Den Fahrer beein-
druckte diese Kundgebung überhaupt nicht. Die nächste Boden-
welle übersprang er mit dem selben Elan, wie die vorhergehende.
„…mmmppffhhh…!“, stöhnte Rolf neben mir. Dietmar gab einen
ähnlich klingenden Laut von sich. Der Fahrer griff zu seinem
Handy und schaltete die Innenbeleuchtung ein. Theo murmelte vor
sich hin, er schien ein Gebet zu sprechen. Ich starrte konzentriert
durch die Frontscheibe. Charly, der als Beifahrer die beste Sicht
hatte, beugte sich ganz weit nach vorn und klammerte sich am
Haltegriff über dem Handschuhfach fest. Die Plastikkonstruktion
gab knackende Geräusche von sich. Während sich der Van in
einer langgezogenen Kurve, weit … sehr weit sogar, auf eine Seite
neigte, versuchte der Fahrer offenbar eine SMS einzutippen.
„Isses noch weit?“, fragte Theo vorsichtig. Niemand antwortete.
„Lenk‘ ihn nicht ab, der muss sich konzentrieren“, stöhnte Rolf.
Ich schloss die Augen und versuchte gleichmäßig zu atmen.
Plötzlich wurde es dunkel und ein durchdringendes Geräusch er-
füllte den Innenraum. Ich erstarrte und öffnete vorsichtig ein Auge.
Der Fahrer hatte aber lediglich die Innenbeleuchtung wieder aus-
und dafür den CD-Player eingeschaltet.
„Motörhead ….!“, kreischte der Fahrer und hüpfte im Rhythmus der
wummernden Bässe auf seinem Fahrersitz herum.
„Au ja …!“ schrie Rolf, „ mach mal ein bisschen lauter!“ Es klang
aber eher verzweifelt als begeistert. Der Fahrer kam dem Wunsch
sofort nach. Direkt hinter meinem Kopf war ein Lautsprecher ein-
gebaut. Eigentlich hab‘ ich ja nichts gegen “Heavy metal“ …
Auch Minuten können endlos lange dauern. Jede erbärmliche
Sekunde mindestens vier Basshiebe in die Ohren. Egal, wenn der
Wahnsinnige hinter dem Lenkrad das braucht, dann soll er es
haben, das, oder was auch immer er sonst noch braucht.
„Diese Scheißdrogen …!“, brüllte mir Rolf ins Ohr.
Das war natürlich nur eine Vermutung, könnte aber möglicher-
weise … muss aber nicht. Ich glaube nicht, wir waren doch in Tirol.
Außerdem waren wir am Ziel. Alleine für diese Fahrt hatten wir
uns das hauseigene Survivor-T-Shirt verdient … fand ich.

Es war dunkel und es war ein wenig feucht. Das hatte ich aber
schon erwähnt. Das Bikerfest fand zu einem Teil in einem riesigen
Zelt, und zum einem anderen Teil, auf der, dieses Zelt um-
gebenden Wiese statt. Auf der Wiese campierten auch die zahl-
reichen Besucher. Das heißt, sie hatten dort ihrerseits Zelte auf-
gebaut. Deutlich kleinere natürlich. Wie es sich für ein Bikerfest
gehört, hatten sie natürlich auch ihre Bikes mitgebracht.
Mitgebracht heißt, sie hatten die Dinger dabei. Wie auch immer sie
damit dorthin gekommen waren. Es war gänzlich ausgeschlossen,
dass einige der dort abgestellten Gefährte auf den eigenen Rädern
dorthin gelangt sein konnten. Die seit den Tagen des verblichenen
Isaak Newton geltenden Gesetze der Physik sprachen dagegen.
Alle geltenden Gesetze sprachen dagegen.
Einige der Konstruktionen, die dort aufgereiht waren, würden jeden
TÜV-Ingenieur in die nächstgelegene Apotheke treiben, wenn nicht
sogar in den vorgezogenen Burnout.
Womit wir beim Stichwort dieses frühen Abends wären. Die Ver-
anstalter hatten zwar Kosten und Mühen gescheut, aber erstaun-
licherweise trotzdem eine Vorrichtung gebastelt, die angeblich da-
zu geeignet war, die Hinterreifen motorisierter Zweiräder zu ver-
nichten. Lassen wir mal die Sinnfrage außen vor. Dann bleibt aber
trotzdem noch die weit wichtigere Frage: Wer ist der Nächste?
Die Antwort: Unser Fahrer! Ich kann jetzt nicht behaupten, dass
mich das in irgendeiner Weise überrascht hätte. Überrascht hätte
mich nur, wenn er den Shuttlevan genommen hätte. Hat er aber
nicht. Er hat eine Triumph genommen. Genommen hat er sie
eigentlich auch nicht, man hat sie ihm gegeben.
Man … nicht der Eigentümer, der Besitzer hat sie ihm gegeben.
Wie sich dann aber zum Leidwesen des Hauptakteurs heraus-
stellte, waren Besitzer und Eigentümer zwei verschiedene
Personen. Diesem Eigentümer hatten wir dann auch ursächlich zu
verdanken, dass der Shuttlevan an diesem Abend noch einen
neuen Fahrer bekam.
Um es kurz zu machen, unser Fahrer schnappte sich also diese
Speed-Triple, bugsierte das Ding auf die improvisierte Reifenver-
nichtungsrampe … und nachdem er dann so richtig … eigentlich
aber noch bevor er so richtig … da haut es ihn samt der schönen
Triumph von der Rampe. Einfach so. Ob es nun am Fahrer ge-
legen hat, oder an der Rampe … man weiß es nicht.
Der Eigentümer konnte es auch nicht wissen. Der kam nämlich
gerade zurück, woher auch immer. Es schien ihn aber auch nicht
zu interessieren. Den Fahrer haute es jedenfalls direkt wieder auf
die Wiese. Nach einigen Minuten war eindeutig klar, mit seinem
zugeschwollenen Auge konnte er den Shuttlevan nicht mehr
fahren. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Unsere Überlebens-
chancen bei der Rückfahrt waren auf alle Fälle gestiegen, ver-
mutete ich zunächst vorsichtig. Es gab zwar noch mehr derartige
Kandidaten, man konnte aber wenigstens hoffen.

Bikerhotel II (Kapitel 4)

Wenn ich jetzt behaupten würde, ich wäre locker, entspannt und
voller guter Laune gewesen …dann wäre das gelogen. Das mit der
guten Laune stimmte, aber nach 650 Kilometern auf der Autobahn
ist man meistens nicht mehr ganz so locker und entspannt. Ich
jedenfalls nicht. Rolf hingegen, erschien mir durchaus locker und
entspannt. Stolz und aufrecht knatterte er voraus. Wir hielten uns
einigermaßen an die, auf den Schildern vorgegebenen Ge-
schwindigkeitslimits. In den Ortschaften sowieso, das ist Ehren-
sache. Ich hätte die Strecke im Schlaf fahren können. Theo mit
Sicherheit nicht, der war zum ersten Mal hier.
Andererseits…Straße ist Straße.
Theo fährt gerne zügig, das hatte ich ja bereits erwähnt. Es kam
mir so vor, als ob er auf den nun letzten 50 Kilometern, den
größten Teil der verlorenen Zeit wieder gutmachen wollte. Kann
sein, dass ich einfach nur verspannt war, vielleicht sogar ver-
krampft, jedenfalls einfach nicht mehr frisch und locker genug, um
ihm fröhlich und entspannt zu folgen.
Rolf hängte sich dran. Die fette Harley jagte hinter der davon-
eilenden GS her. Die kannte wenigstens den Weg.
Wir ließen sie ziehen. Dietmar und Charly trabten hinter mir her. In
aller Ruhe … ohne jede Hektik. Wenn man es genau nimmt, war
ab diesem Punkt der Strecke, der Weg wieder ein Teil des Ziels.
Ich hab’s eigentlich nicht so, mit diesen buddhistischen und
hinduistischen Weisheiten und Sinnsprüchen. In Gegenden, in
denen man schon seit Jahrhunderten, Hunde isst und Kühe an-
betet, in diesen Gegenden wächst vielleicht auch noch jede Menge
halluzinogenes Kraut, aber die wahre Quelle der Weisheit und Er-
kenntnis, würde ich ausgerechnet dort, wirklich nicht vermuten und
auch ganz sicher nicht suchen.
Auch wenn wir nicht direkt auf der Suche nach Erleuchtung waren,
auf dem richtigen Weg waren wir schon. Der führte uns dann auch
direkt zum Hotel. Theo und Rolf waren schon da. Allerdings nicht
nur die. Der Platz vor dem Hotel war vollgestellt mit Motorrädern.
Ein Sammelsurium von Zweirädern aller Marken und Modelle.
Das Bikerfest schien eine Menge Leute angelockt zu haben.
Ich vermutete jedenfalls, dass dies der Grund war. Falls das
allerdings, alles Teilnehmer der am Montag beginnenden
Bikerweek wären, dann aber …
Zunächst einmal sollten wir hier den Begriff -Bikerweek- etwas
näher erläutern. Hier haben wir es mal wieder mit einem dieser
inzwischen weitverbreiteten Anglizismen zu tun. Der gewöhnliche
Biker hat ein Bike. Ein Bicycle, um genau zu sein. Ein simples
Zweirad. Das hat er, und er fährt damit herum. Bis vor einigen
Jahren allerdings nur in den englischsprachigen Gebieten.
Inzwischen fährt er damit auch in den deutschsprachigen Gebieten
herum. Mit oder ohne Motor. Bike ist Bike.
Viele Motorradfahrer mögen das nicht, die möchten einfach keine
Biker sein. Ich möchte auch kein Biker sein. Ich möchte aber auch
kein Buddy sein…oder Customer…oder Member…oder sonst
irgendein Anglizismus. Viele möchten das nicht. Völlig egal, die
Modernisierung, die Anpassung, die kontinuierliche Variation der
Umgangssprache nimmt ihren Lauf. Man kann versuchen, das zu
ignorieren, man kann beharrlich auf seinem lieb gewonnen Wort-
schatz hocken bleiben. Das kann man natürlich machen. Das
haben Opa und Oma auch gemacht. Vielleicht liegt es eben nicht
nur am locker sitzenden Gebiss, warum man sie so schwer ver-
steht. Zurück zur Bikerweek und zum Bikerfest.
Das Motto der diesjährigen Bikerweek lautete keck:
-Alpenrundflug auf zwei Rädern…der Wahnsinn nimmt kein Ende-
So, oder so ähnlich. Ich kannte den Texter dieser Slogans. Ich
habe immer gedacht, dass er sich etwas dabei gedacht haben
muss. Hatte er wohl auch, mir war nur nicht ganz klar, was genau.
Wer meldet sich denn zu einem Alpenrundflug auf zwei Rädern an,
bei dem zu allem Überfluss dann noch, der Wahnsinn kein Ende
nimmt? Wer möchte schon an einer solchen Veranstaltung teil-
nehmen? Wer…? Außer uns natürlich!
Die Gestalten, die sich am Rande des Platzes um einen der Tische
gruppiert hatten, die, höchstwahrscheinlich nicht. Mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit hatten wir es hier mit einer dieser
berüchtigten Gruppen, mit einer dieser in den letzten Jahren immer
häufiger an den einschlägigen Treffpunkten auftretenden Gruppen
zu tun, mit einer Gruppe der Kategorie …“Betreutes Fahren“…!
Spätes Mittelalter mit Gattin. Lebenserfahrene und abgeklärte Mit-
menschen, ohne jede Frage. Den bereits überstandenen Vorruhe-
stand fest im Blick und die neuesten Zubehörkataloge der diversen
Anbieter im abschließbaren Topcase.
Betreut werden diese Fahrer dann … von ihren Gattinnen.
Vor, während und nach der Fahrt. Das hat was, natürlich.
Das kann man machen. Das ist auch in Ordnung.
Der eine Rentner fährt auf dem Kreuzfahrtschiff “Josefine“ durch
die Karibik, der andere kauft sich eine BMW LT und fährt damit in
die Toscana. Der allerdings, wird sich sicherlich nicht zum an-
gekündigten“Alpenrundflug auf zwei Rädern“ anmelden.
Möglicherweise aber, will er ja zum Bikerfest!?
Gemeinsam mit der Gattin. Kann ja sein!?
Anstelle eines exotischen Eingeborenentanzes auf Haiti -nur um in
der Karibik zu bleiben, auch wenn die dort gerade mal wieder,
wenig bis gar keinen Grund zum Tanzen haben- anstatt dieser
folkloristischen Erbauung dann eben, ein Bikerfest in Tirol. Geht
auch, liefert sicherlich auch genügend Fotomaterial und vielleicht
sogar noch Schlimmeres. Da werden die Kreuzfahrer im
heimischen Kegelclub aber gucken, richtige Rocker statt ver-
kleideter Slumbewohner.
Karibik kann jeder. Tue ich hier vielleicht jemandem Unrecht?
Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

„Was starrst du denn die Rentner so böse an?“, wollte Dietmar
wissen und schubste mich leicht an, „schnapp dir lieber dein Zeug
und geh‘ rein. Ich will noch in Ruhe ein Bier trinken.“
Dagegen kann man nichts sagen. Nichts wirklich Überzeugendes,
nichts, was Dietmar dann von seinem Vorhaben abbringen könnte.
Ich wüsste da nichts. Noch nicht einmal einen halbwegs ge-
eigneten, fernöstlichen Sinnspruch … obwohl es höchst-
wahrscheinlich einen passenden gibt.
„Auf die Gesundheit…“, kreischte in diesem Moment eine der
Rentnerinnen am Holztisch und hob ihr Glas. Alle ihre Tischnach-
barn lachten daraufhin etwas verklemmt -so kam es mir jedenfalls
vor- und taten es ihr gleich. Vielleicht hatte sie ja Krebs?

Innen drin, im Foyer, in der Lobby … wie auch immer man das
nennen mag, innen drin war keine Menschenseele. Auch die Seele
des Hotels nicht. Also, die menschliche Seele des Hotels. Die hatte
auch einen Namen. Nennen wir sie mal … Simone. Wenn sie nicht
hinter ihrem Tresen in der Lobby lauert, findet man sie gewöhnlich
im Thekenraum. Dort lauert sie zwar auch, schenkt aber auch
gleichzeitig Getränke aus. Natürlich nur dann, wenn sie gerade
nicht kellnert, telefoniert oder ihrem Gatten in der Küche hilft.
Womit klar sein dürfte, warum man sie auch ohne jeden religiösen
Hintergedanken, als die Seele des Hotels bezeichnen darf.

Wie erwartet, fanden wir sie dann auch im Thekenraum. Mir fällt
einfach keine bessere Bezeichnung für diesen Raum ein. Wie man
sich denken kann, gibt es dort eine Theke. Eine schöne, große und
wahrscheinlich sogar handgeschnitzte Theke. Der komplette Raum
hat eine geschätzte Grundfläche von sicherlich mehr als ein-
hundert Quadratmetern. Außer der Theke gibt es dort auch noch
zahlreiche Sitzgruppen. Hölzerne Eckbänke mit folkloristisch an-
mutenden Sitzbezügen. Diese Sitzbezüge findet man sowohl auf
hölzernen Stühlen -sowie in leicht abgewandelter Gardinenform-
auch an den umlaufenden Fensterflächen wieder.
Alles in allem: Ein ganz normales Tiroler Hotelinterieur.
Die Liebhaber von alpinen Bauernschwänken, nein, ich meine
nicht etwa Bauernschränke sondern Bauernschwänke. Diese
lustigen Aufführungen mit mundartlichen Gestalten in Dirndl-
kleidern und Lederhosen. Wem solcherlei Kulturgut vertraut ist, der
weiß jetzt ungefähr wie es im Thekenraum aussieht.
Der kleine aber entscheidende Unterschied : Die Insassen!
Ich meine die Gäste, die Leute, die sich dort für gewöhnlich
tummeln. Die tragen zwar teilweise auch Lederhosen, in der Regel
aber keine -krachledernen- oder wie die genannt werden.
Das Ganze wirkt auf mich immer irgendwie unwirklich. Mobiliar und
Ausstattung passen einfach nicht zu den Gästen.
Wenn man die ganze Sache allerdings tiefenpsychologisch ana-
lysieren würde, käme man möglicherweise zu einem ganz anderen
Ergebnis.
Ich könnte mir vorstellen, dass es lediglich das Outfit, die Auf-
machung, die Kostümierung der Gäste sein könnte, die diesen
Eindruck hervorruft. Tief im Inneren, unterhalb der sichtbaren
Hülle, da lauert er, nicht in allen natürlich, aber in vielen von uns:
Der Tiroler, der Archetypus des naturverbundenen und fröhlich
jodelnden Naturburschen.
Der lederne Ötzi aus dem Ötztal, direkt um die Ecke hier.
Diese Assoziationen kamen spontan in mir hoch; dies allerdings
nicht von ungefähr. Es waren Charly und Dietmar, die mich derart
inspirierten. Im vollen Bikerornat; nur Helm und Handschuhe
hatten sie abgelegt, grölten sie fröhliche Willkommensgrüße in die
Runde und schwenkten dabei ihre Bierkrüge.
Die beiden waren angekommen. Wenn man’s genau nimmt, wäre
es ja die Aufgabe der bereits Anwesenden gewesen, fröhliche
Willkommensgrüße zu entäußern. Deren Begeisterung hielt sich
allerdings in Grenzen. Wie man aber leicht hören konnte, sprachen
die meisten dieser Anwesenden mit schwäbischer Zunge. Das er-
klärt dann wieder … obwohl … es gibt da auch … ich kenne jeden-
falls welche.
Simone zapfte ungerührt hinter der Theke weitere Gläser voll und
strahlte kurz hinüber, als sie mich erkannte.
„Oah Halbe?“ rief sie mir zu und hob ein leeres Glas hoch. Sie hat
ein phänomenales Gedächtnis. Ich trinke immer nur Halbe. Diese
Maßeinheit empfinde ich als absolut angemessen.
Es gibt zwar Halbe, aber keine Ganzen. Die heißen hier einfach
nur: “Ein Bier…!“ Das wären dann fünf Kölsch … in einem Glas.
Ja, ich weiß, der ganz normale Bayer lacht darüber. Soll er doch,
ich nehme trotzdem eine Halbe … ich bin ja kein Bayer.
Zum Glück!

„Zum Wohl!“ Simone war hinter ihrer Theke hervorgekommen und
hielt mir Zimmerschlüssel und Bier hin.
„Ich hab dir ein Doppelzimmer gegeben“, grinste sie. Ich nickte und
blickte mich suchend um.
„Dem auch …!“, verkündete sie, als sie Rolf erblickte.
„Was ist mit mir?“, fragte er und sah uns fragend an.
„Eins sag‘ ich euch …“, begann Simone.
„Ja …?!“
Sie schüttelte aber nur den Kopf und verschwand wieder hinter
ihrer Theke. Rolf sah mich fragend an, ich hob daraufhin nur
ahnungslos die Schultern. Ahnungslos ist natürlich nicht richtig, wir
wussten ganz genau, was sie uns damit sagen wollte.
„Morgen früh, ungefähr um … irgendwann. Genau weiß ich auch
nicht. Werden wir ja sehen“, erklärte er mir.
„Klar. Werden wir ja sehen. Wehe, wenn das wieder…!“
„Was willst du? Ich hab dir die Fotos gezeigt, mehr weiß ich auch
nicht. Du sollst die ja nicht heiraten.“
„Nicht? Da bin ich aber froh. Weißt du wenigstens, ob die
schnarcht?“
„Woher soll ich das denn wissen? Ich weiß auch nicht, ob die
gegen Tollwut, Grippe oder Masern geimpft ist. Keine Ahnung!“
Ich gab es auf. Natürlich wusste er mehr, als er mir erzählte. Er
wusste alles. Er weiß immer alles, er erzählt es mir nur nicht.
Wäre ja auch langweilig. Dann ist die ganze Spannung weg.

„Was is‘ nu? In ‘ner halben Stunde kommt der Shuttlebus. Macht
hin, einräumen, umziehen und dann los!“ Bernie hielt mir seine
Armbanduhr vor die Nase. Der Bernie, das war seine Art, alte Be-
kannte zu begrüßen. Bernie ist der Mann für alle Fälle. Tourguide,
Kellner, Männchen für alles. Seit diesem Jahr ist er auch Member
im örtlichen Motorradklub. Member … nicht mehr Hangaround!
Hangaround ist ein ziemlich ätzender Job. So ein Hangaround
muss fast sklavisch den anderen Klubmitgliedern, also den
normalen Membern und den Funktionären, zu Willen sein. Dazu
braucht es schon eine gehörige Portion Masochismus.
Hangaround ist wirklich kein Traumjob, Member ist viel besser.
Als Member ist man Vollmitglied mit sämtlichen Rechten und
Pflichten, wie absurd die auch immer sein mögen. Außerdem trägt
der Member einen viel schöneren Aufnäher auf der Kutte.
Das mag einem unbedarften Normalbürger jetzt vielleicht ein wenig
befremdlich vorkommen, aber so sind die Sitten eben, in diesen
MCs. Was mich am meisten erstaunt, an dieser ganzen Sache:
Die Jungs nehmen das ernst. Das ist kein Hobby, das ist schon
fast ein Vollzeitjob mit sektenähnlichen Regeln und Ritualen.
Der Bernie war also jetzt Member. Ich klopfte ihm anerkennend auf
die Schulter und bewunderte seinen schönen, neuen Aufnäher.
Er bemühte sich, cool zu bleiben. Aber man merkte ihm schon an,
dass er stolz darauf war. Stolz und cool. Bernie der Rocker!
Meine Güte, was ist schon dabei. Wenn ich da an die heimischen
Bräuche denke. Da stolzieren brave Buchhalter alljährlich in
prächtigen Schützen- oder Karnevalsuniformen durch die Gegend.
Tausende hängen sich jede Woche irgendwelche Fußballvereins-
schals um den Hals, da sagt auch keiner was.
Gut, all diese Kameraden sind bei diesen Gelegenheiten meist an-
getrunken … aber das macht die ganze Sache auch nicht besser.
Der Bernie tobte weiter durch den Thekenraum und klatschte dabei
in die Hände wie ein Hauptschullehrer beim Klassenausflug.
Als Animateur war er eher mittelmäßig. Er hatte scheinbar den Auf-
trag erhalten, möglichst alle Anwesenden in den hauseigenen
Shuttlebus zu treiben. Ein ganz spezieller Service für die hier ein-
gebuchten Hotelbiker.
O.K, die Sache mit dem Shuttlebus. Wer mit dem Bus … obwohl
es gar kein richtiger Bus sondern ein Großraumvan ist … wer
also mit einem Van zum Bikerfest fährt, der isst auch Brathähn-
chen mit Messer und Gabel. Außerdem ist er schlau. Der muss
dann nämlich nicht auf einer durchgematschten Wiese pennen,
weil der Shuttlevan ja auch wieder zurück fährt. Irgendwann …!
Das ist dann auch der einzige Nachteil an der Sache. Der Fahrer
ist dann meistens schon sturzbetrunken, was dann aber fast
niemandem so richtig auffällt, weil die Mehrheit der Fahrgäste
damit beschäftigt ist, den ganz persönlichen Brechreiz zu unter-
drücken.
Das klappt aber nicht immer und in allen Fällen, wie man dann am
nächsten Tag … im Innenraum aber auch außen am Shuttlebus,
mühelos erkennen kann.
Dietmar hatte anscheinend keine Lust, sich treiben zu lassen wie
ein japanischer Pauschaltourist auf einer Europatournee.
„Gemach Kollege, ganz ruhig bleiben. Der pendelt, der Bus. Immer
hin und wieder zurück. Is‘ doch so! War doch letzes Jahr auch so,
warum soll ich denn jetzt hier … mach doch nicht so’n Stress!“
„Quatsch nicht rum, mach voran. In zwanzig Minuten müsst ihr
fertig sein. Der Bus steht dann vor der Tür.“
Bernie ist einfach so. Der hat das nicht so drauf, das mit dem
Gästestatus. Der macht das, was man ihm aufträgt.
Wenn der Boss sagt: „Sieh zu, das alle pünktlich hier sind!“
Dann macht er das, dann sieht er zu, dass alle pünktlich da sind.
So führt er auch als Tourguide seine Gruppen.
Der Bernie ist zuverlässig wie …? Ja, wie denn nun?
Früher konnte man hier “die Bundesbahn“ oder “ein Toyota“ ein-
setzen. Mittlerweile weiß ich auch nicht mehr …?

Bikerhotel II ( Kapitel 3)


Es zog sich. Es zieht sich immer, wenn man lange Strecken auf
der Autobahn zurücklegen muss. Mir war auch überhaupt nicht
kalt. Bei ungefähr 30°C friert man eben nicht. Ich hatte die Be-
lüftungsschlitze an meinem Textilanzug geöffnet, was es der
warmen Außenluft ermöglichte, mich heimelig zu umströmen.
Dieser heimelige Fahrtwind bläht dann die Kluft zwar ein wenig
auf -was einen Textilanzugträger dann auch aussehen lässt wie
dieses berühmte Michelinmännchen- sorgt aber auch für ein er-
trägliches Klima.
Auch Rolf bot keinen besonders erfreulichen Anblick. Er hatte
seine langen Beine von sich gestreckt und irgendwie in den aus-
klappbaren Zusatzfußstützen seiner Harley verkeilt. Die Hosen-
beine seiner alten Lederjeans waren nach oben gerutscht und
gaben den Blick auf seine ungewöhnlich weißen Waden frei. An
den Füßen trug er alte Turnschuhe. Für mich waren es jedenfalls
alte Turnschuhe. Er hingegen behauptete, es wären echte Harley
Davidson-Sportschuhe.
Das kann man aber mit Fug und Recht anzweifeln, nicht zuletzt
deshalb, weil er die Dinger für zwanzig Euro in einem dieser
türkischen Outletshops in Antalya geschossen hatte.
In diesem Laden hatte er sich vor einigen Jahren eingedeckt. Jede
Menge echter Harleyklamotten hatte er dort angeblich gefunden.
So ein Glückspilz. Das Prunkstück seiner Sammlung war eine
Ledermütze. Das Ding war derartig dicht mit den unterschied-
lichsten Harley Davidson-Aufnähern bedeckt, dass man die Grund-
farbe kaum noch erkennen konnte. Ich nenne das Ding nur
Narrenkappe. Rolf reagiert darauf immer beleidigt, zieht sie aber
trotzdem immer wieder an. Da kann man dann nichts machen.
Inzwischen war ihm wohl wieder eingefallen, dass er eigentlich
seine Reifen schonen wollte. Er ließ es etwas ruhiger angehen.
Das wiederum veranlasste Theo, seinerseits das Tempo zu er-
höhen. So kommt man voran. Der Letzte überholt jeweils den
Ersten. Dann schläft man auch nicht ein.
Kurz nach Mittag erreichten wir Baden-Würtemberg. Mag sein,
dass es da noch feinere regionale Unterteilungen gibt, für mich als
Rheinländer ist das aber eher -persönlich uninteressant- würde
einer unserer bekannteren heimischen Philosophen sagen.
Ober- oder Unterfranken, Nieder- oder Oberösterreich…das macht
für uns kaum einen Unterschied. Fremdartige Sitten und Ge-
bräuche und eine nur sehr schwer verständliche Sprache…damit
kommen wir schon zurecht.
Das haben wir auch in den diversen Stammesgebieten unserer
Großstädte. In Köln-Mülheim, Düsseldorf-Eller, Duisburg-Marxloh
und anderen Revieren. Wer dort klarkommt…schafft das überall.
Furchtlos rollten wir also weiter gen Süden, vom Prinzip her
…eigentlich der Sonne entgegen. Die allerdings, bewegte sich
gemächlich gen Westen. Wenn man’s genau nimmt, stimmt das ja
auch nicht. Die Erde dreht sich gen Osten. Die Sonne bewegt sich
überhaupt nicht. Die bleibt da wo sie ist und leuchtet vor sich hin.
Es ist die Erde, die sich dreht. Mit einem Affenzahn sogar.
Mal kurz gerechnet…einmal um die eigene Achse in 24 Stunden.
Das heißt: Durchmesser der Erde in Kilometern mal Pi geteilt
durch vierundzwanzig…das ist die Geschwindigkeit, mit der sich
die Erde dreht.
„Wären wir am Äquator und führen in Richtung Osten, dann wären
wir ungefähr 1.700 Stundenkilometer schnell. Mit mehr als
anderthalbfacher Schallgeschwindigkeit wären wir unterwegs..!“,
verkündete ich mein Kopfrechenergebnis beim nächsten Halt.
Theo sah mich misstrauisch an. Rolf schaute erst auf seine Uhr
und sah mich dann ebenfalls schweigend an.
„Das stimmt … !“, behauptete ich selbstsicher.

„Sieht ganz gut aus“, behauptete dann Dietmar.
„Wer oder was … sieht ganz gut aus?“, wollte Rolf wissen.
„Na, die Uhrzeit. Wir liegen gut in der Zeit“, meinte Dietmar.
„Geht so“, nörgelte Theo leise und folgte Charly ans Gebüsch
neben dem Parkstreifen.
„Wie lange isses denn noch“, wollte Rolf dann wissen und wühlte
in seinen riesigen Harleykoffern herum.
„Ungefähr….drei Stunden…wenn wir ordentlich Gas geben“,
murmelte ich und betrachtete nachdenklich das aufgedruckte Ver-
fallsdatum auf der blauen Plastikflasche aus meinem Tankruck-
sack. Rolf summte leise vor sich und fummelte andächtig mit
einem kleinen Schraubenschlüssel an einigen verdächtigen
Schraubverbindungen seiner Harley herum.
„Warum nimmste denn kein Loctite“, wollte Dietmar wissen.
„Nehm‘ ich doch. Trotzdem…“, erklärte Rolf und schraubte in-
brünstig weiter herum.
„Noch einmal tanken, dann kommen wir hin“, rechnete ich kurz.
„In Österreich ist es aber billiger, viel billiger“, wusste Dietmar.
„Fünfzehn Cent pro Liter, deswegen halten wir doch nicht noch mal
extra an“, wunderte sich Rolf.
„Du hast es ja…ich verschenke doch nicht…?“
„Zwei Euro?“, fragte ich. Dietmar nickte entschlossen.
„Ich geb‘ dir dafür ein Bier aus“, sagte Rolf. Dietmar überlegte.
„Mir auch?“, wollte Charly wissen. Rolf sah mich entnervt an.
„Hier geht‘s ums Prinzip“, nervte Dietmar weiter.
„Hier geht es um Zeit“, korrigierte ihn Theo.
„Anderthalbfache Schallgeschwindigkeit…das muss man sich mal
vorstellen..“, fiel mir wieder ein.
„Du hast sie doch nicht alle“, murmelte Rolf und tippte sich an die
Stirn. Enttäuscht trank ich meine blaue Plastikflasche leer. Das
isotonische Zeug schmeckte scheußlich. Vermutlich hätte es aber
genau so scheußlich geschmeckt, wenn es nicht schon zwei Jahre
über dem Verfallsdatum gewesen wäre. Man muss eben sparen
wo man kann.
Nach einer weiteren Stunde überholte ich, blinkte eifrig und fuhr
kurz entschlossen von der Autobahn ab. Tanken an einem dieser
Autohöfe. Dort ist es meistens leer und der Benzinpreis ist auch
etwas niedriger. Gehorsam folgte mir die Gruppe.
Nachdem wir getankt hatten..wurde geraucht. Abseits der Tank-
säulen natürlich. Irgendwo am Rand des Autohofes.
„Bratwurst wäre nicht schlecht“, behauptete Dietmar und schielte
zu einem Imbisswagen rüber.
„Bratwurst? Davon kannst du nachher noch genug kriegen. Wenn
wir rechtzeitig ankommen, packen wir unseren Krempel ins
Zimmer und dann geht’s zum Bikerfest. Da hast du dann Bratwurst
bis der Arzt kommt“, erklärte ihm Rolf.
„Was ist das denn für ein Bikerfest, was ist denn da los?“, wollte
Theo neugierig wissen. Theo war das erste Mal dabei.
„Wirst du schon sehen. Besser, du nimmst deinen Helm mit. Wenn
die ordentlich abgefüllt sind, geht’s da immer rund“, erklärte ihm
Charly. Rolf nickte bestätigend. Theo sah mich fragend an.
„Naja, das ist eben kein Pfadfindertreffen“, erklärte ich ihm,“ die
sind da manchmal ein bisschen … naja …sagen wir mal: Handfest!
Das trifft es wohl ganz gut.“
„Könnte man sagen“, grinste Rolf.
Theo nickte zwar verstehend, man konnte aber deutlich erkennen,
dass er noch Fragen hatte. Charly erbarmte sich.
„Kommt immer drauf an, wer da alles kommt. Wenn die Banditen
kommen … wird’s ziemlich eng. Bisher sind die aber erst einmal
gekommen.“ Charly zog kurz die Brauen hoch und schwieg dann.
„Da brauchten die aber am nächsten Tag wenigstens das Zelt nicht
mehr abzubauen“, fuhr Dietmar fort und stöhnte altklug.
„War ja auch keiner mehr übrig, der das noch hätte machen
können“, ergänzte Rolf. Dietmar nickte bestätigend.
„Alles nur Räuberpistolen. Hörensagen. Das ist ein ganz normales
Bikerfest. Aufgemotzte Kisten, laute Musik, scharfe Weiber, viel
Alkohol … das Übliche eben“, versuchte ich, die ganze Sache
wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubiegen.
„Wir werden’s ja erleben“, murmelte Theo nachdenklich.
Der Theo, auch ein echter Bergischer Junge. Aus dem alpinen Teil
des Rheinlandes. Wir haben da Erhebungen, die sind teilweise bis
zu 500 Meter hoch…ungefähr. Vielleicht sind es auch nur 400
Meter. Jedenfalls, wenn’s in Köln und Düsseldorf regnet, schneit
es bei uns schon. Also … im Winter natürlich. Wenn man es ein-
mal geografisch und historisch betrachtet, bildet das Bergische
Land ein natürliches Bollwerk gegen die wilden Stämme des
Ostens. Damals … also früher, meine ich.
Diese Hunnen, Mongolen, Sachsen, Westfalen …alle diese
Völkerstämme hätten das Bergische Land durchqueren müssen
um an den Rhein zu gelangen. Hätten…haben sie aber nicht.
Die Bergischen haben dafür gesorgt, dass die Kölner in Ruhe ihren
Dom bauen und ihr allseits beliebtes Bier brauen konnten.
So sieht’s nämlich aus, liebe Kölner.
Man sagt den Bergischen auch einen gewissen Starrsinn nach.
Es fehle ihnen ein wenig an der lockeren Fröhlichkeit der Kölner.
Kunststück … unsere Vorfahren hatten eben keine Zeit für
Karneval. Die mussten sich mit den Mongolen und Westfalen
herumschlagen. Heute haben wir nur noch mongolische
Restaurants … zum Glück können die Westfalen nicht kochen.
O.K, vielleicht doch, aber selbst wenn, da würde niemand hin-
gehen.
Der Bergische Motorradfahrer an sich, ist relativ furchtlos. Das liegt
möglicherweise an der erwähnten Historie, wäre demnach also
genetisch bedingt, oder aber, was auch nicht gänzlich auszu-
schließen ist, es liegt an den Straßen im Bergischen Land.
Wenn man da, von frühester Jugend an, auf diversen Zweirädern
unterwegs war, dann formt das in gewisser Weise den Charakter.
Heraus kommt dann am Ende … so ein Typ wie Theo.

Der übernahm auch wieder die Führung.
Wir waren inzwischen in der Nähe von Ulm. Also nicht direkt in
Ulm, sondern um Ulm herum. Irgendwo … da.
Jetzt ging es praktisch nur noch geradeaus. Am Horizont
schimmerten bereits die ersten Ausläufer der Alpen durch den
Dunst. Dunst ist nicht so gut, das hat immer etwas mit Wasser zu
tun. Hatte es diesmal auch … kaum realisierte ich das erste Hin-
weisschild auf dem Österreich erwähnt war, schon zog es sich zu,
wie man so schön sagt. Es zieht sich immer erst zu … danach
kübelt es dann wie aus Eimern. In den Alpen jedenfalls. Bei uns zu
Hause zieht es sich öfter mal zu. Danach dann auch wieder auf …
in den Alpen macht es das nicht.
Wenn da die dunklen Wolken kommen … dann kommen da die
dunklen Wolken. Und dann geht’s los. Aber richtig.
Dann empfiehlt es sich, wasserdichte Kleidung zu tragen. Eine
türkische Designer-Harleyjacke ist da im Regelfall weniger ge-
eignet. Im Regenfall … oder gar im Wasserfall … überhaupt nicht.
Eine Textilkombi mit geöffneten Belüftungsschlitzen … auch nur
bedingt. Ein technischer Halt war also von Nöten.
Mangels geeigneter Alternativen stoppten wir unter einer Auto-
bahnbrücke. Das kann man machen, darf man aber eigentlich
nicht. Unter einer Brücke bekommt man allerdings deutlich weniger
von der Gischt ab, die von den im Trocknen sitzenden Autofahrern
aufgewirbelt wird. Vor allen Dingen dann, wenn die bei Starkregen
mit hundertachtzig Sachen und in zwei Metern Abstand an einem
strippenden Moppedfahrer vorbeihuschen.
„Von Sintflut war aber nicht die Rede“, nörgelte Rolf und suchte
nach seinen Regenklamotten. Seine Harleyjacke hatte zwar
schöne Aufnäher, aber dafür etwas wenig Imprägnierung.
Man kann eben nicht alles haben.
„Ich hab‘ ja Wasserbüffel“, gab Charly an, „ und dieses Dingens…
dieses Hydrotexfutter. Da geht nichts durch. Testsieger…!“
Zufrieden mit sich und seiner Jacke grinste er Rolf an. Der hatte
sich inzwischen eine Regenkombi übergezogen. Im klassischen
Müllmann-Orange. In Kombination mit dem Policehelm und der
Sonnenbrille … ein sehr individuelles Outfit.
Mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll röhrte ein Porsche an uns
vorbei. Die Akustik unter dieser Brücke war fantastisch.
„Weißt du eigentlich, wie du aussiehst?“, schrie Dietmar, der das
eigentlich gar nicht wissen sondern nur verkünden wollte.
„Ich weiß, aber bei mir ist das nur die Regenkombi. Die kann ich
wieder ausziehen. Du müsstest dich aber operieren lassen.“
„Ich finde die alle beide hässlich“, verriet mir Charly.
„Auch wenn ich die Regenkombi nicht anhabe?“, schwulte Rolf.
„Je mehr du ausziehst, um so schlimmer wird’s“, brüllte ich, denn
ein tiefergelegter BMW schoss gerade auf der Überholspur vorbei.

Draußen, also weit hinter der Brücke, zog es sich langsam wieder
auf. Wir hatten nun genug Zeit verloren.
Nach einer halben Stunde erreichten wir das Territorium der Alpen-
republik Österreich. Eigentlich ja Tirol … aber die Regierung in
Wien behauptet hartnäckig …noch undurchsichtiger ist allerdings
diese Sache mit Südtirol. Luis Trenker war eigentlich ein Italiener.
Verrückt oder ?
Luis Trenker…das muss man sich mal vorstellen.
Das ist ungefähr so, als wäre Willy Millowitsch im Düsseldorfer
Kommödchen aufgetreten…oder die Toten Hosen im
Müngersdorfer Stadion. Kulturelles Chaos … weltweit.

Wir waren jedenfalls in Tirol…in Nordtirol, nicht in Italien.
Theo hatte angehalten und eine Landkarte entfaltet.
Auf einer Landkarte wirkt dieses Tirol ziemlich überschaubar. Es ist
aber deutlich größer, als es auf den ersten Blick erscheint.
Verglichen mit Holland … den Niederlanden, die ja ziemlich flach
sind, ist Tirol mit relativ vielen und relativ hohen Berge übersät.
Man stelle sich nun vor…rein theoretisch, man würde diese Berge
flach drücken! Nicht verstanden? O.K…noch anders. Wir basteln
uns eine dreidimensionale Karte von Tirol und drücken die dann
platt. Dann wäre sie nur noch annähernd zweidimensional, hätte
aber deutlich mehr Grundfläche als vorher. Jetzt verstanden?

Theo nickte nachdenklich und sah mich an. Er konnte anscheinend
folgen. Aber er kannte die Pointe noch nicht. Die erklärte ihm dann
Rolf: „Pass auf! Wenn man einen Berg hochfährt und dann an der
anderen Seite wieder herunter, dann fährt man ja zweimal die
Hypotenuse…wenn man jetzt mal zwei Dreiecke aneinanderlegen
würde. Die rechten Winkel jeweils innen und unten. Auf dieser
zweidimensionalen Karte hier, sieht man dann aber nur die zwei
Katheten, verstehst du. Die tatsächliche Strecke ist also deutlich
länger als man auf der Karte erkennen kann. Weil die eben nur
zweidimensional ist, die Karte. Ist doch ganz einfach.“
„O.K …Tirol ist also größer als Holland und die Straßen sind länger
als auf der Karte. Was sagt uns das jetzt?“
„Eigentlich ist es egal. Wir wollten dir eben nur die Besonderheiten
hier klarmachen. Traue den Karten nicht…die täuschen.“
„Ihr kennt euch doch hier aus, warum fahrt ihr denn nicht vor? Am
besten immer an den Katheten entlang. Dann müsste es doch
schneller gehen … oder nicht?“, fragte er dann kopfschüttelnd und
faltete seine Karte wieder zusammen. Offensichtlich hatte er es
kapiert. Erstaunlich schnell, Rolf hatte damals länger gebraucht.
„Auf geht’s!“, rief Rolf und startete seine Harley. Den Müllmann-
Overall hatte er wieder in seinen Koffern verstaut. Wenn auch
die Straßen noch leicht feucht waren, ein wenig Optik …
Es waren noch ungefähr 50 Kilometer … bis zum Hotel.

Bikerhotel II (Kapitel 2)


Samstagmorgen … ungefähr acht Uhr.

„Was hab ich gesagt?“, nörgelte Charly.
„Was hast du denn gesagt?“, erkundigte ich mich, nicht wirklich
neugierig. Ich drückte Rolf meinen Helm in die Hand und schob die
Gelbe zur nächsten Tanksäule. Mühsam hebelte ich das schwere
Teil auf den Hauptständer. Ich öffnete den Reißverschluss des
Tankrucksacks und klappte ihn hoch. Für den Tankverschluss
braucht man aber den Schlüssel. Ich klappte den Tankrucksack
also wieder herunter. Immer schön zuerst den Schlüssel vom
Zündschloss abziehen. Dann stellte ich fest, dass ich von dieser
Seite nicht an die Zapfpistole herankam.
Die anderen beobachteten meine Bemühungen mit offensicht-
lichem Interesse. Als ich die Zapfpistole dann von der anderen
Seite in die Tanköffnung einführen wollte … kam mir der Rüssel
ein wenig groß vor.
DIESEL … entzifferte ich.
Kann vorkommen … dann eben die andere. Endlich summte die
Pumpe und ich fummelte an diesem Feststeller herum. Das Ding
funktionierte nicht. Bei mir funktionieren die nie. Keine Ahnung
warum. Beim Einfüllen des allerletzten Liters spritzte mir das teure
Super wieder einmal auf die Brille. Macht nichts, die musste ich
sowieso noch putzen.
Ich bezahlte und schob mühsam die beladene Gelbe wieder
zurück zu den wartenden Kollegen.
„So ganz wach … bist du aber auch noch nicht“, behauptete Rolf.
„Ich bin topfit!“, log ich und suchte im Tankrucksack nach einem
Brillenputztuch. Dieser verdammte Tankrucksack! Da packe ich
immer alles hinein, was ich irgendwann einmal brauchen könnte.
Oder…von dem ich glaube, dass ich es irgendwann einmal
brauchen könnte. Alles dabei…Taschenlampe, Kombizange,
Karamellbonbons, Ersatzhandschuhe, diverse kleinere Behälter
mit isotonen Getränken und Motoröl, Landkarten…alles dabei.
Allerdings auch einige merkwürdige Dinge, von denen ich beim
besten Willen nicht mehr wusste, warum ich die jemals dort hinein-
gepackt hatte. Wer sich schon immer über den absonderlich er-
scheinenden Inhalt von Damenhandtaschen gewundert hat, mein
Tankrucksack kann da locker mithalten. Aber ganz locker!
Wütend verteilte ich den unübersichtlichen Krempel auf der Sitz-
bank und den Koffern. Charly und Dietmar näherten sich vorsichtig
und beobachteten neugierig meine Aktivitäten.
Theo schlich sich mit seiner Kamera an.
„Was‘n das?“, fragte Charly und hielt mir eine zerdrückte, kleine
Pappschachtel vor die Nase.
„Wonach sieht’s denn aus?“, giftete ich und wühlte weiter.
„BIL..LI..B…O…?“, buchstabierte Charly mühsam.
Dietmar hatte scheinbar auch etwas Interessantes entdeckt.
„Ist das Gleitcreme?“, fragte er verwundert und hielt eine Tube mit
kaum noch lesbarer Aufschrift hoch.
„Nein verdammt, das ist Handwaschpaste. Die kannst du aber
auch gerne als Gleitcreme verwenden. Vielleicht gefällt’s dir ja, da
ist Quarzsand drin“, versuchte ich, ihn abzuschrecken.
Charly hatte inzwischen einen Billyboy aus der Verpackung befreit.
„Was’n das für ‘ne komische Farbe? Das ist bestimmt mit
Himbeergeschmack“, rätselte er mit angeekelter Miene und
schnupperte an dem Ding herum.
„Meine Güte! Warum lasst ihr nicht eure unegalen Finger weg?
Himbeer, Erdbeer…was weiß ich? Ich hab‘ die Dinger noch nie
probiert. Keine Ahnung wonach die schmecken. Frag‘ doch mal
Dietmar!“ Dietmar erklärte sofort und total empört, überhaupt keine
Ahnung zu haben, wonach Billyboys mit Himbeeraroma nun genau
schmecken könnten.
„Ihr könnt euch doch auch noch später verabreden. Dann könnt ihr
in aller Ruhe die Himbeergummis und die Gleitwaschpaste aus-
probieren. Mir ist das total egal. Ich will nur langsam los“, meckerte
Rolf und stülpte meinen Helm über den rechten Spiegel der
Gelben.
„Mach wenigstens das Visier hoch“, beschwerte ich mich, während
ich meinen ganzen Kram wieder in den unendlichen Tiefen des
Tankrucksacks verstaute. Brillenputztücher hatte ich zwar keine
gefunden, dafür aber- ein schon etwas älteres Schreiben vom
Finanzamt. Dem Poststempel nach- älter als sechs Wochen.
Dann kann man sowieso nichts mehr machen.
Ich stopfte den ungeöffneten Umschlag wieder ganz tief nach
unten, noch unter die Tüte mit den Reservesocken.
„Wie kommt denn ein Brief vom Finanzamt in den Tankrucksack?“,
fragte ich Rolf verwundert und kramte in meinem Gedächtnis.
„Ich hab‘ ihn da nicht reingesteckt. Wahrscheinlich Hexerei …
oder beginnender Alzheimer. Können wir jetzt endlich los?“
Rolf drängelte nicht ganz grundlos. Er fährt eine Harley, alle
anderen fahren BMW. Man sitzt ganz gut … auf einer BMW.
Auf einer Harley sitzt man allerdings noch besser. Speziell auf
einer E-Glide.
Allerdings, Sitzen ist die eine Sache…Fahren die andere.
Erschwerend kam hinzu, dass er seine Reifen etwas schonen
wollte. Wollte, kann man eigentlich nicht sagen, er musste.
„Wer fährt denn vor?“, fragte Dietmar vorsichtig. Charly hatte wohl
nicht hingehört und fummelte an seinem Hinterrad herum.
„Mir egal … ?!“, sagte Rolf und blickte kurz und entschlossen in die
Runde. Genau genommen hätte er eigentlich sagen müssen:
„Wenn niemand etwas dagegen hat, dann fahre ich vor.“
Mir war es aber wirklich egal, den anderen Kollegen anscheinend
auch. Na dann also los, immer hinter der Harley her.

Immer hinter der Harley her. Klar, kein Problem…denkt man.
Das denkt man aber nur so lange, bis man hinter Rolf herfährt.
Natürlich ist seine Harley kein Rennhobel. Die Kiste läuft bei gutem
Wetter und mit viel Glück …vielleicht so um die hundertsiebzig
Sachen…ungefähr. Dann hat er aber auch schon das absolute
Limit überschritten. Das kann man dann auch an mehreren Details
erkennen. Nicht nur einfach erkennen, sondern gesamtsinnlich
erleben…also visuell, akustisch und sogar mit Hilfe der Haut-
rezeptoren. Der unförmige Eimer schlingert dann wirklich furcht-
erregend über die Straße. Die Furcht wird aber nur beim Hinterher-
fahrenden erregt. Rolf selbst, beeindruckt das überhaupt nicht.
Nicht die Bohne. Wer nicht genau weiß, wie ein schlingerndes
Motorrad aussieht, bei dieser Gelegenheit kann man es schul-
buchmäßig beobachten. Die bei dieser Gelegenheit; also Vollgas
bis an die Belastungsgrenze der Pleuel, die also dabei erklingende
akustische Begleitmusik, kann man ohne jede Übertreibung, als
wahrhaft ohrenbetäubend bezeichnen. Das liegt sicherlich auch
daran, dass Rolf entschieden hat, sämtliche Innereien seiner Aus-
pufftöpfe zu entfernen. Das spart Gewicht und sorgt für einen
freien Gasfluss. Das hat er mal irgendwo in einem Buch gelesen.
Vermutlich in einem dieser Bastelbücher vom Flohmarkt.
Charly hat ihm dann assistiert, bei der großen Operation:
-Wie entkernt man einen Endschalldämpfer?-
Nun, wie wohl? Mit einem Kernbohrer natürlich. Die gute, alte Hilti
genommen, einen entsprechenden Bohraufsatz eingedübelt … und
dann so lange reingehalten, bis keinerlei metallische Geräusche
mehr zu hören waren. So würden sie es auch in Amerika machen,
hat Charly behauptet. Der muss es ja wissen.
Rolf schwört Stein und Bein, dass sie nach dieser Operation deut-
lich spürbar mehr Leistung habe, seine Harley. Ich halte das zwar
eher für eine akustische Täuschung, aber ist doch egal, des
Menschen Glaube ist sein Himmelreich.
Wie auch immer, das Ding dröhnt dermaßen, dass jedem Hinter-
mann nicht nur die Ohren klingeln, sondern schon nach wenigen
Minuten der gesamte Schädel vibriert. Selbst mit Ohrstöpseln ver-
sehen, muss man mindestens fünfzig Meter Abstand halten.
Und damit nicht genug. Wenn der gequälte 1.600 Kubikzentimeter
V2-Motor an seine Drehzahlgrenzen gebracht wird, versprüht er
immer einen feinen Ölnebel. Den zieht Rolf dann wie einen
Kondensstreifen hinter sich her. Wehe dem Ahnungslosen, der
dann nicht genug Abstand hält.
Das also zum Thema: Immer hinter der Harley her…!

Sei’s drum, Rolf gab seiner Harley die Sporen. So wie er es eigent-
lich immer macht. Fehlende Motorleistung wird einfach durch
Furchtlosigkeit kompensiert. Wahnsinn, sagen einige Leute, die
kennen Rolf aber nicht gut genug. Er pflügte uns also einen Pfad
durch den mäßig starken Autobahnverkehr. Um Köln herum und
dann in Richtung Frankfurt ist immer Verkehr. Am Tag, in der
Nacht, selbst an Sonn- und Feiertagen drängeln sich hier die
Autos. Die A3 schläft nie.
Schlingernd, dröhnend und Öl sprühend schlängelte sich die
Harley durch die Autokolonnen. Mal links, mal rechts, wo eben
gerade Platz war. Das Tempo, dass er dabei vorlegte, zeigte mir,
dass er wohl unbedingt pünktlich zum Abendessen im Hotel an-
kommen wollte. Cruisen geht anders.
Mir war’s egal, diese nervtötende Autobahnfahrerei hasse ich
sowieso. Je schneller wir diese endlos erscheinenden 700 Kilo-
meter hinter uns brachten, um so besser.
Der Plan ist immer: Jede Stunde eine kurze Pause. Ein Schluck
aus der Mineralwasserflasche, ein bis zwei Zigaretten… und dann
weiter. Halbzeit gegen Mittag, irgendwo eine Asischale…also
Currywurst mit Pommes oder eine ähnlich nahrhafte, ballaststoff-
und vitaminreiche Zwischenmahlzeit…und dann wieder los.
Der Weg ist hier auf gar keinen Fall das Ziel. Aber überhaupt nicht.
Kein einziger Millimeter davon. Der Weg ist ätzend. Das Ziel ist
das Ziel. Ankommen, einfach nur ankommen.
Natürlich hätten wir auch gemütlich über die Dörfer fahren können,
auf halber Strecke dann irgendwo übernachten und dann ganz
gemütlich am nächsten Tag ankommen. Das hätten wir natürlich
auch machen können. Andere Leute machen das so. Wir nicht!
Warum nicht? Nö, machen wir nicht. Haben wir noch nie gemacht.
Losfahren …durchfahren …ankommen. So machen wir das. So
haben wir das schon immer gemacht, so werden wir das auch
weiterhin machen. Ganz einfache Kiste …
Dann darf man sich natürlich auch nicht beschweren.
Wer beschwert sich denn hier? Niemand beschwert sich… aber
behaupten, dass es ätzend ist, wenn man stundenlang über die
Autobahn fahren muss, das muss ja wohl erlaubt sein.
Rolf musste seine Reifen schonen. Das wusste er, das wusste ich,
ob die Anderen das wussten…weiß ich jetzt auch nicht. Ist ja auch
egal. Die Reifen schont man, wenn man nicht allzu schnell fährt.
Wie schnell man fahren darf um nun effektiv seine Reifen zu
schonen, hängt davon ab … kommt immer darauf an… weiß
eigentlich keiner so genau. Manche behaupten, das hundert-
sechzig Stundenkilometer die magische Grenze seien.
Ich habe keine Ahnung. Rolf auch nicht. Ich könnte mir allerdings
vorstellen, dass originale amerikanische Harley-Davidson Weiß-
wandreifen, dass diese Dinger also schon bei weitaus geringerer
Durchschnittsgeschwindigkeit an Substanz verlieren. Der
amerikanische Harleyfahrer, fährt nämlich nur sehr selten schneller
als hundertsechzig Stundenkilometer; wie schnell auch immer das
in Meilen sein mag. Da bin ich mir ziemlich sicher.
Rolf fährt nur dann langsamer, wenn er unnatürliche Geräusche
aus dem Motorraum vernimmt. Das er die überhaupt wahrnehmen
kann, kommt für mich einem Wunder gleich. Das er überhaupt
noch etwas hören kann, nach spätestens zehn Minuten auf seiner
Kiste, ist mir ohnehin völlig unverständlich. Ob ich das nun ver-
stehe oder nicht … es ist aber wohl so. Sagt er jedenfalls.
Unnatürliche Geräusche, was kann er damit meinen? Für mich
sind sämtliche Geräusche, die seine Harley so von sich gibt …
Aber er hat ein Gespür dafür entwickelt. Er kann sogar heraus-
hören, ob und wann sein Ölvorrat zur Neige geht. Dann klappern
die Stößelstangen anders…hat er mir mal erklärt.
Dieser Beethoven unter den Harleyflüsterern.
Ich höre bei meiner Gelben jedenfalls nichts derartiges. Es wäre
natürlich äußerst hilfreich, wenn man bei dem Boxermotor meiner
Gelben hören könnte, wann Öl nachgefüllt werden muss. Sehen
kann man es nämlich auch nicht so richtig. Früher gab es
Ölpeilstäbe, heute gibt es dafür äußerst raffiniert angebrachte
Schaugläser. Nach einer nur für Eingeweihte halbwegs verständ-
lichen Prozedur; der exakte Ritus ist nach wie vor heftig umstritten,
muss man sich dann bei warmem Motor und in exakt
waagerechter Position des Motorrads, dann natürlich noch im
richtigen Winkel, mehr oder weniger ehrfurchtsvoll niederknien und
dann versuchen, den aktuellen Ölinhalt am raffiniert unter dem
Auspuff versteckten Schauglas abzulesen.
Der genaue Ablauf des Opferkults der alten Azteken bei der
Sommersondenwende, die kultischen Handlungen bei der In-
thronisierung der altägyptischen Pharaonen…Pillepalle gegen die
prozessualen Abläufe einer genauen Ölmengenbestimmung bei
einem modernen Boxermotor von BMW.
Tradition verpflichtet eben…nicht direkt getrieben von Ehrfurcht,
mehr von Neugier, trotzdem kniend vor dem Meisterwerk, erkennt
man erst den wahren Geist in der Maschine. Vielleicht war es ja
auch das, was die Ingenieure dazu veranlasst hat, den guten, alten
Peilstab abzuschaffen und durch dieses magische Auge zu er-
setzen. Irgendwas muss man sich doch dabei gedacht haben.
Vielleicht liege ich aber auch voll daneben, mit meiner Theorie.
Teutonischer Aberglaube … womöglich.
Der schnöde Harleyfahrer jedenfalls, amerikanisch frei und völlig
unbelastet von jeglicher tieferen Einsicht in die konstruktiven Be-
sonderheiten und Notwendigkeiten moderner Motorenbautechnik,
dieser besagte Harleyfahrer zieht einfach nur seinen Ölpeilstab
heraus und weiß dann ganz genau, was die Stunde geschlagen
hat. So macht man das!
Rolf machte es jedenfalls so.
„Kannst du erkennen, wie viel da fehlt?“, fragte er Dietmar und hielt
dem den Metallstengel vor die Nase. Rolf hat zwar auch eine Brille,
zieht die aber nur an, wenn er etwas lesen muss.
„Kipp‘ ordentlich rein. Ich seh da nix. Das Ding ist trocken, kipp‘
einfach rein … die Plörre. Was zu viel ist, haut der Bock sowieso
wieder raus.“ Dietmar ist da eher großzügig.
Öl kann nie genug drin sein, behauptet er immer. So ähnlich hält er
es auch mit den Getränken.
Obwohl es sich dann da, eher um den Geist des Weines, als um
den Geist des Motors dreht. Hauptsache, es dreht sich alles.
Rolf kippte zwei Liter rein und wir fuhren weiter.

Und nun auch noch…Silvester und Neujahr!

Traditionell feiern wir nun also den Jahreswechsel.
-Same procedure as every year-.
Traditionell verlautbaren wir bei dieser Gelegenheit auch unsere guten Vorsätze für das kommende Jahr. Ich habe keine Idee, was ich im neuen Jahr anders oder besser machen werde, als in diesem. Ich werde auf alle Fälle weiterrauchen und weiterschreiben.
Allen Lesern und Besuchern dieser Webseite wünsche ich, dass sie ihre Wünsche und guten Vorsätze im kommenden Jahr irgendwie realisieren können.
In diesem Sinne…Kopf hoch und weitermachen.