Bikerhotel II (Kapitel 6)


Die durchfeuchtete Wiese wies trotz vorausschauender Planung
bereits deutliche Gebrauchsspuren auf. Die am meisten
frequentierten Laufwege hatte man klugerweise mit ausgedienten
Holzpaletten und Bohlen befestigt. Das vorhandene Baumaterial
reichte aber vermutlich nur für die Außenanlagen. Innerhalb des
Hauptzeltes präsentierte sich der natürliche Untergrund in seiner
ursprünglichen Form. Das war nun nicht weiter schlimm, weil
niemand der Anwesenden auf Pfennigabsätzen unterwegs war.
Fast niemand … abgesehen von einigen, doch eher leichter be-
kleideten Damen. Die trugen so etwas ähnliches wie Kimonos und
trieben sich im hinteren Teil des Zeltes herum. Dort, neben einer
improvisierten Bühne, für deren Bau man ebenfalls ausgediente
Holzpaletten verwendet hatte, befand sich ein -Zelt im Zelt- um es
anschaulich zu beschreiben. Dieses Inhouse-Zelt schien Heimat
und Rückzugsgebiet dieser Damen zu sein. Was die dort trieben
blieb mir zwar zunächst unklar, erforderte aber ganz eindeutig eine
genauere Exploration.
Zunächst aber stand die ganz gewöhnliche Bedürfnisbefriedigung
im Vordergrund. Das Catering, mehr noch, der komplette Event-
Service, die gesamte Veranstaltungsorganisation lag in den be-
währten Händen des örtlichen Motorradklubs. Es gab sogar
Fingerfood, nicht etwa, dass die Hellbiker versnobt wären, es lag
eher daran, dass die bewährten Hände das Besteck vergessen
hatten. Zum Glück gab es aber nicht nur Pappteller, auch an ge-
eignete Trinkgefäße hatten sie gedacht.
Bier aus diesen wabbeligen Plastikbechern, wie das hasse!
Die Erfahrung der letzten Jahre aber zeigte, dass Glasgefäße eine
nicht unbeträchtliche Verletzungsgefahr in sich bargen. Völlig un-
abhängig vom sonstigen Inhalt. Diese generelle Verletzungsgefahr
war überhaupt ein wichtiges Thema. Um diese allgegenwärtige
Bedrohung zu minimieren, hatten die Hellbiker auf eine erprobte
Taktik zurückgegriffen. Diese Taktik hieß Keule. Man könnte hier
sogar schon fast von einer Strategie sprechen.
Keule ist so etwas ähnliches wie … eine Einmannarmee.
Hauptberuflich ist Keule der “Sergeant of Arms“ der Hellbiker.
Die dafür unbedingt notwendige Qualifikation hatte er sich bei
mehreren unfreiwilligen Aufenthalten in einschlägigen, staatlichen
Einrichtungen erworben. Learning by doing … ist dort ein gängiges
Ausbildungskonzept. Eher etwas weniger Theorie, dafür eine mehr
praxisbezogenere Ausrichtung.
Man darf aber nun nicht glauben, dass Keule ein unfreundlicher
oder gar grober Zeitgenosse ist. Weit gefehlt. Er ist eine “Seele
von Mensch“, wie es so schön heißt. Er hilft alten Omas über die
Straße, streichelt Katzen und Kinder, er fährt sogar zur jährlichen
Motorradweihe. So ein Mensch kann nicht wirklich schlecht sein.
Nun gut, das äußere Erscheinungsbild täuscht ein wenig darüber
hinweg. Sein weitgehend haarloser und fast quadratisch an-
mutender Schädel, sein gedrungener Körperbau, die mit eher
laienhaften Tattoos bedeckten, baumstammdicken Unterarme,
selbst sein etwas verkniffen wirkendes Dauerlächeln, alles nur
Äußerlichkeiten. Im Inneren ist er ein guter Mensch.
Dies behauptet jedenfalls seine Frau. Wenn die es nicht weiß, wer
denn sonst? Ich mag ihn jedenfalls. Er redet nicht viel, er packt
einfach zu wenn es die Situation erfordert.
Diese Situation schien gerade mal wieder eingetreten zu sein,
wenn ich die Gestik des Bosses richtig deutete. Ein bärtiger und
mental deutlich verlangsamter Besucher blockierte die Essensaus-
gabe. Nein, es war nicht Charly, es war irgendein Kuttenträger, der
hier mit schwerer Zunge und in einer unverständlichen Sprache
seinen Unmut bekundete. Ob er sich nun über die Größe der
Portion beklagte, oder über den Geschmack, oder über was auch
sonst, die entscheidende Tatsache war, dass er sich beklagte.
Der Boss hatte es gekocht, er hatte es portioniert und ausgegeben.
Damit war klar: Der Bärtige beging einen ungeheuerlichen Frevel.
Keule waltete seines Amtes. Routiniert, unaufgeregt und effizient.
Man hätte es natürlich auch ausdiskutieren können, möglicher-
weise müssen die Hellbiker auch noch rein konzeptionell ein wenig
an ihrem Beschwerdemanagement feilen, wenn man es aber nur
einmal rein vom Standpunkt der Effektivität aus betrachtet, waren
sie zumindest in diesem Punkt auf dem richtigen Weg.
Dieser Kunde beschwert sich sicherlich nie wieder … mehr kann
man nicht erreichen.
„Und … wie sieht’s aus hier? Viel zu tun?“, fragte ihn Charly. Der
sieht das auch eher pragmatisch. Charly war mal Ordner im Lever-
kusener Fußballstadion, damals, als er sich noch für den Verein
engagiert hat. Mittlerweile hat er eine Jahreskarte.
„Naaa, geht so. Is‘ ruhig…“, entgegnete Keule und exerzierte mit
uns die hier übliche, spezielle Handgriffbegrüßungstechnik durch.
Um der hier ebenfalls üblichen, sehr hohen Nachfrage nach
alkoholischen Getränken gerecht zu werden, hatten die Caterer
noch eine zweite Ausschankstation eingerichtet. Unmittelbar vor
dem Eingang des Hauptzeltes hatten sie einen Bierwagen platziert.
Dort drängelten sich ebenfalls zahlreiche Besucher der Ver-
anstaltung. Die Oberaufsicht über diesen Bierwagen hatte man
Keules Gemahlin anvertraut. Ein weiser Entschluss.
Der Umgang mit schwierigen, teilweise sogar etwas rabiaten
Persönlichkeiten, bereitet ihr naturgemäß wenig Probleme. Das lag
möglicherweise daran, dass sie auch im wahren Leben ihre beruf-
liche Erfüllung hinter der Theke eines einschlägigen Lokals ge-
funden hatte. Zu einem anderen, sicherlich ebenso großen Teil, lag
es eben genau daran, dass sie schon seit vielen Jahren, Tisch und
sehr wahrscheinlich auch Bett, mit Keule teilen durfte.
Böse Zungen behaupten sogar: Musste!
Nur, damit wir (Keule eingeschlossen) uns hier jetzt nicht falsch verstehen:
Sie ist keinesfalls unattraktiv. Überhaupt nicht!
Ich meine … gut, das ist natürlich auch Geschmacksache, ich
möchte es einmal so formulieren: “Sexiest Woman alive“ … dazu
reicht es sicherlich nicht mehr, früher vielleicht, aber das muss
dann schon sehr viel früher gewesen sein. Ausgeschlossen ist es
aber nicht.
Ihre Kollegin auf dem Bierwagen hatte da eindeutig bessere
Chancen. An der hatte ich mir allerdings schon im Vorjahr die
Zähne ausgebissen. Zugegeben, es war nicht unbedingt die
optimale Gelegenheit, aber ich fasste spontan den Entschluss,
einen erneuten Anlauf zu riskieren.
„Hey, damit hätte ich aber wirklich nicht gerechnet. Du … hier!?“
Eine offene Frage, irgendeine Antwort kann man da erwarten.
„Ja … !“, kam eher knapp zurück. Immerhin, sie spricht noch mit
mir. Dummerweise hatte ich ihren Namen vergessen, das passiert
mir öfters, ich kann mir einfach keine Namen merken.
„Da kommst ja gerade rechtzeitig, gleich geht’s wieder los …“!“
Mein verständnisloser Gesichtsausdruck veranlasste sie wohl zu
einer ergänzenden Bemerkung.
„Die große Tittenshow …!“, erklärte sie, während sie gleichzeitig
mit einem alten Handtuch auf der schmalen Theke des Bierwagens
herumwischte. Ich muss wohl eher begeistert als verständnislos
auf ihre halb geöffnete Bluse gestarrt haben, was sie dann auch
sofort zu einer weiteren Erklärung veranlasste.
„Naaa … drinnen, im Zelt. Striptease …!“
Ach so, jetzt war der Groschen gefallen. Wie zur Bestätigung, er-
tönte in diesem Moment auch die Stimme des … Conférenciers,
wenn man ihn so nennen darf. Der kündigte in einfachen und des-
halb auch vielleicht eindeutigen Worten, die Hauptattraktion des
Abends an.
„Geile Weiber … traut euch ruhig näher ran. Hier, nur für euch!“
Übertriebene Zurückhaltung abzumahnen wäre vielleicht nicht un-
bedingt nötig gewesen, die spontan einsetzende Drängelei be-
stätigte diese Vermutung dann auch.
Mit einem kurzen,entschuldigenden Lächeln verabschiedete ich
mich dann von der Bierwagenschönheit und versuchte wie alle
anderen auch, irgendwie in die Nähe der Holzbühne zu gelangen.

Dietmar und Charly hatten sich sogar Sitzplätze erobert. Eine
kaum zu überschätzende Leistung, wenn man sich die direkte
Konkurrenz näher ansah. Da waren dann doch schon einige Ge-
stalten dabei, denen man nicht nur nicht im Dunklen … denen
möchte man eigentlich auch nicht im Hellen begegnen.
Natürlich, da ist auch immer viel Show im Spiel. Selbstverständlich,
gar keine Frage. Die sind gar nicht so, die tun nur so. Der Typ vor
mir, der tat dann auch einfach mal so. Vielmehr, er trat dann ein-
fach mal so … seinem Vordermann vors Bein. Warum?
Ich weiß es nicht. Vielleicht aus Spaß, vielleicht aus anderen
Gründen. Warum auch immer, der Getretene jedenfalls tat dann
auch nur mal so, als ob er sich umdrehen … und dann … eigent-
lich habe ich auch immer gedacht, die täten nur so. Tun sie auch.
Der Holztisch, es war einer von diesen Bierzelttischen, der kippte
dann einfach um. So ganz einfach auch wieder nicht, der kippte
mitsamt der dazugehörigen Holzbank um. Wie schon erwähnt, die
Sitzplätze waren begehrt. Dementsprechend kippten die, dort in
erwartungsvoller Vorfreude hockenden Besucher ebenfalls … es
wurde dann doch ein wenig unübersichtlich. Da ich nicht unmittel-
bar betroffen war, beteiligte ich mich auch nicht an der dann
folgenden nonverbalen Diskussion. Keule hingegen, obwohl er
auch nicht unmittelbar betroffen war, diskutierte leidenschaftlich
mit. Man kann jetzt auch nicht sagen, dass er eindeutig Partei er-
griff, er griff natürlich schon … aber ziemlich ausgewogen. Seine
Argumente überzeugten die Diskutanten dann relativ schnell, man
konnte aber auch wirklich nicht behaupten, dass er sich irgendwie
missverständlich oder gar unnötig kompliziert ausdrückte. Ein
klassisch geschulter Sozialpädagoge hätte sicherlich mehr Zeit
benötigt.
„Blöder Pisskopf …!“, fluchte Charly und wischte sich die letzten
Bierreste von der etwas feucht gewordenen Hose. Sein unmittel-
barer Nachbar fühlte sich offenbar angesprochen, was auch
durchaus verständlich war, es handelte sich nämlich um dessen
Bier, auf Charlys Hose. Man kann es sich denken, das entsprach
nicht unbedingt seinem Selbstbild. Ganz im Gegenteil, es wider-
sprach ihm sogar deutlich erkennbar. Der Typ trug nämlich keinen
blöden Pisskopf auf seiner Kutte, sondern einen, zwar ebenfalls
blöden, aber gleichzeitig auch ziemlich böse aussehenden Toten-
kopf. Mit zwei gekreuzten Knochen sogar!
„Meinst‘ mich..!?“, fragte der dann auch prompt nach. Ich blickte
mich unauffällig um und musste dabei leider feststellen, dass eine
ganze Menge Leute im unmittelbaren Umfeld ebenfalls Totenköpfe
mit gekreuzten Knochen auf ihren Kutten trugen. Charly schien das
fahrlässigerweise, obwohl oder gerade weil die etwas kompakte
Beurteilung seines Nebenmannes mit großer Wahrscheinlickeit
zutreffend war, nicht ausreichend berücksichtigt zu haben.
„Quatsch, er meint den Typen da … diesen … den da!“, versuchte
ich eine erneute Diskussion zu vermeiden und deutete dann un-
genau in eine zufällige Richtung.
„Das is einer von uns“, behauptete der mutmaßliche Pisskopf und
erhob sich. Ich vermute mal, dass er sicherlich nicht die Absicht
hatte mir seinen Sitzplatz anzubieten.
„Ach was, ich meine den daneben“, versuchte ich es erneut.
Der Typ sah mich merkwürdig an, setzte sich dann aber schnell
wieder hin. Entweder hatte er es eingesehen, oder aber es hat
daran gelegen, dass Keule neugierig näher gekommen war um die
Lage zu sondieren. Ich drehte zunächst einmal meine BMW-Kappe
herum, das Enblem nach hinten. Vielleicht …? Hätte ja sein
können.
Keule gab mir ein Zeichen, ich folgte ihm zur Theke.
„Passts a bisschen auf, mit die Death-Heads … die san ein biss-
chen …“, erklärte er nuschelnd und versetzte mir neckisch einen
kleinen Leberhaken. Ansatzlos und total freundschaftlich.
„Pffhhh … ist mir …auch schon aufgefallen“, ächzte ich mühsam
und versuchte krampfhaft Haltung zu bewahren. Keule zwinkerte
mir zu und nickte kurz. In der Tat, er verfügte über diese seltene
Fähigkeit -diese Fähigkeit, sich auch ohne viele Worte erschöpfend mitzuteilen.

Burlesque-Musik ertönte aus den Boxen neben der Holztribüne.
Einige bezopfte Gestalten sprangen dort herum und versuchten
anscheinend, eine Art -Lightshow- zu improvisieren.
Andächtiges Schweigen erfüllte das Zelt. Nur vom Eingang her
-draußen vom Bierwagen kommend- drangen störende Geräusche
herein. Die Lichtkünstler hatten mit ihren Scheinwerfern inzwischen
eine auffällig gekleidete Dame in ein unnatürlich helles Licht ge-
taucht. Die trug eine weiß-blonde Perücke, einen roten Kimono,
Netzstrümpfe und hochhackige Schuhe.
„Wie Doris Day im Swingerclub“, flüsterte ich Rolf zu, der neben
mir aufgetaucht war und schweigend das Schauspiel betrachtete.
„Nataaaliiiiiiihhhh …!“, kreischte plötzlich -mit einer sich mehrfach über-
schlagenden Stimme- ein unsichtbarer Showmaster und drehte
gleichzeitig die merkwürdige Musik bis zum Anschlag auf.
Nataaaliiiiiihhh kletterte mehr oder weniger elegant auf die im-
provisierte Palettentribüne und drehte sich dort im Kreis.
Eine Mischung aus aufziehbarer Porzellan-Ballerina und be-
trunkener Flamenco-Tänzerin. Den Gürtel ihres Kimonos fummelte
sie währenddessen ab und fuchtelte damit herum.
Punktgenau, exakt auf die Musik abgestimmt, erstarrte sie plötzlich
und warf ihren Kimono ab, choreografisch perfekt.
Ein anerkennendes Raunen ging durch das Zelt.
„Sagenhaft..“, flüsterte Theo ergriffen und drängelte sich mit er-
hobener Kamera durch die Menge nach vorne. Rolf zischte leise.
Jetzt mal abgesehen von der weiß-blonden Perücke … was da im
Scheinwerferlicht stand … das war aber nun wirklich … ganz un-
voreingenommen und ehrlich … mir fehlen die Worte.
Die Musik wechselte, genau in diesem Rhythmus bewegte sie sich
jetzt auch, deutlich eleganter als vorher. Sie beugte sich herunter
und mit einer fließenden Bewegung entledigte sie sich ihrer
Perücke. Eine dunkle Mähne kam zum Vorschein. Perfekt …!
Völlig unbewusst war ich inzwischen in die Nähe der Bühne ge-
langt. Fasziniert, kein bisschen anders als alle anderen Zuschauer
auch, starrte ich auf die Erscheinung. Aus der Nähe konnte man
dann erkennen, dass sich ein kleiner Anflug von Orangenhaut
-aber wirklich nur ein Hauch- auf den sonst makellosen, prächtigen
Oberschenkeln abzeichnete. Der ganze Rest war nahezu fehler-
frei.
Natalie, so nannte sie sich wohl, hatte inzwischen das Oberteil ent-
fernt -also diesen BH- was darunter zum Vorschein kam … konnte
unmöglich echt sein. Echt oder nicht echt, es war grandios. Kaum
hatte sich die Menge von ihrer Überraschung erholt, präsentierte
sie auch schon ihr Unterteil. Ich fand, dass sie ein ordentliches
Tempo vorlegte, war deshalb aber keinesfalls enttäuscht. Einer der
bezopften Helfer hatte inzwischen einen Stuhl auf die Bühne ge-
schleppt. In einer ganz normalen Stripshow wäre es das nun ge-
wesen. Die Künstlerin hätte schnell ihre Utensilien zusammen-
gerafft und wäre von der Bühne verschwunden. Der Stuhl ließ aber
vermuten, dass es hier wohl anders war. Natalie legte jetzt erst
richtig los. Mir fiel auf, dass die anwesenden Damen -auch wenn
sie einen durchaus abgeklärten Eindruck machten- einen schein-
bar kritischen Meinungsaustausch untereinander führten. Natalie
präsentierte den interessierten männlichen Zuschauern in-
zwischen Teile ihrer Anatomie, die, zumindest in den handelsüb-
lichen Stripshows, den neugierigen Blicken der Zuschauer weithin
verborgen bleiben. Es schien ihr aber sichtlich Spaß zu machen.
Theo, ausgestattet mit einem Zoom-Objektiv, aber auch andere
Fotofreunde, schienen durch ihre intensiven Bemühungen, die
Freude der Künstlerin bei ihrer Arbeit noch zu steigern. Inzwischen
konnten sich einige der begeisterten Zuschauer nicht mehr
zurückhalten, sie versuchten die Tribüne zu erklimmen, ich ver-
mute, um der Künstlerin zur Hand zu gehen.
Keule, unterstützt durch einige Bekannte der Darstellerin, musste
diese Zuschauer dann wieder auf den Boden der Tatsachen
zurückholen. Was ihnen, auch ohne viele Worte zu machen, ganz
problemlos zwar nicht, aber trotzdem gelang.
Angesichts der ausufernden Begeisterung der Zuschauer musste
die Künstlerin dann ihre Vorführung abbrechen. Die Bühnen-
konstruktion war dem Andrang einfach nicht mehr gewachsen und
geriet sichtbar ins Wanken. Fluchtartig, wenn auch völlig hüllenlos,
dank ihrer hochhackigen Schuhe aber trotzdem elegant, entfernte
sich Natalie dann. Nachdem sie in ihrem Privatzelt verschwunden
war ebbte die allgemeine Begeisterung langsam wieder ab.
Getrieben vom Beifall seiner Freunde -vermutlich aber auch vom Alkohol
und wohl in größeren Mengen freigesetzten Hormonen- versuchte ein
relativ unattraktiver Tätowierter die Show eigenmächtig fortzu-
setzen. Eigenmächtig trifft es durchaus, die anwesenden Damen
klatschten jedenfalls begeistert. Einige pfiffen sogar auf den
Fingern. Abgesehen von dem demonstrativ aber ungeschickt
präsentierten –sagen wir mal: Gemächt- bot der Bursche einen
eher bemitleidenswerten Anblick. Keule musste wieder eingreifen.
Um seiner Aufforderung den entsprechenden Nachdruck zu ver-
leihen, nutzte er die dargebotenen Körperteile des Unglücklichen
als -Griffstück- würde ich sagen. Das männliche Publikum
stöhnte solidarisch auf, die anwesenden Damen buhten. Keule zog
den Stripper an seinem improvisierten Griffstück zügig von der
Bühne. Weitere Bühnenkandidaten traten danach nicht mehr in
Erscheinung.
„War nicht schlecht, oder?“, sagte Rolf.
„Echt? Den fand ich aber überhaupt nicht … die Maus war aber
ganz gut“, erwiderte ich und sah ihn überrascht an. Rolf strafte
mich durch Schweigen.

10 Kommentare zu „Bikerhotel II (Kapitel 6)“

  • Bavarian:

    Na endlich!

    Hoffentlich war das nicht ein vorgezogenes ‚Osterei‘ sondern es folgt noch mehr in nächster Zeit… 😉

    Gruß,
    Wolfgang

  • Streetster:

    Wirklich schön, mal wieder ein Stück weiter lesen zu können :))

    Wünsche fröhliche Ostern und sende eine Portion Motivation
    für den weiteren kreativen Schaffensprozess.

    Freue mich auf das nächste (die nächsten) Kapitel.
    Streetster

  • Ja … tatsächlich, schon wieder Ostern. Wie man leicht feststellen kann, war ich in letzter Zeit ein wenig zurückhaltend. Ich verspreche Besserung und werde mich in den nächsten Wochen wieder mit neuem Elan ans Werk machen. Meine Zurückhaltung beruhte nicht zuletzt auf der irrigen Annahme, dass ein renommierter Verlag eventuell die Rechte an der einen oder anderen Vorlage erwerben würde. Keine Antwort ist allerdings auch eine Antwort, deshalb … weiter wie gehabt. Wer mich nicht will, der bekommt mich auch nicht. Sollen die doch weiterhin ihren langweiligen Kram verlegen.

  • Norbert:

    Ich warte wieder einmal sehnsüchtig auf die Fortsetzung!
    Wann gibt´s denn was neues?
    Aus lauter Verzweuflung werde ich im August selber mal die beschriebenen Örtlichkeiten besuchen (wenn´s klappt).
    Bitte bitte weiterschreiben!

    Norbert

  • Sabine:

    Du spannst uns aber ganz schön auf die Folter…………………..
    Schaue immer wieder mal in der Woche, aber leider leider nichts Neues. Bist Du unterwegs, sammelst Du neue Eindrücke und Erfahrungen um dein Buch weiter lesenswert u machen ??????????

    LG
    Sabine

  • Chris:

    Jetzt habe ich das Buch bereits mehrmals gelesen, ich freue mich auf ein weiteres Buch. Auch hoffe ich darauf, hier ein neus Kapitel zu lesen!!!

  • kuhjote:

    Tjaaa, eigentlich wollte ich am nächsten Wochenende, bei genau diesem hier beschriebenen (oder einem ganz ähnlichen)Bikerfest, weitere Impressionen sammeln. Das scheint jetzt nicht zu klappen, weil das (oder ein ganz ähnliches) Bikerhotel wohl ausgebucht ist. Da werde ich mir nun wohl etwas ausdenken müssen. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass im weiteren Verlauf der Geschichte dieses Bikerhotel abbrennt, von einem Erdrutsch verschüttet wird oder wegen Ungezieferbefall(oder so …)dauerhaft geschlossen werden muss. Auch das Bikerfest … da können ja noch wirklich unglaubliche Dinge passieren.
    Aber … man weiß ja nie, was die Zukunft noch so bringt.

    Ach so, wann kommt ein weiteres Buch? Ich werde versuchen, die „Maitour“ druckreif umzuschreiben. Das braucht noch etwas Zeit. Da muss noch eine ganze Menge verändert werden. Das werde ich aber nicht „öffentlich“ machen. Vielleicht klappt’s bis Weihnachten.

  • Uwe E:

    Hi

    Deine Kunstpause erzeugt ein ziehen in der Leistengegend.
    Egal was du machst aber mach!!!
    Sieh zu das es wieder eine schöne runde Geschichte wird und du weiter
    Zeit zum Mopedfahren hast sonst bleibt die Kreativität auf der Strecke!!
    Erst alle anfixen und dann nichts mehr ist aber auch doof.

    Gruß Uwe

  • Dieter:

    Freue mich auch auf weitere Kapitel und denke, da wird es schon die eine oder andere Vorlage geben, die man als Grundlage nutzen kann. Musst sicher nicht bis zum Ende der Saison warten, um Inspirationen zu sammeln.
    Da gibt es doch dieses Forum, da sollten genügend „Typen“ zur Anregung vorhanden sein …

  • Streetster:

    Hey,

    8. April -> 24. September, zwei Fortsetzungsversprechen weiter, viele, viele Besuche meinerseits hier, mal nachschauen, ob nicht doch mal wieder was kommt — nix.

    Schade, dass die schöpferische Pause derart von Dauer ist. Warum probierst Du es nicht im Eigenverlag? Aber ich glaub fast, das hier leider nix mehr kommt.

    Streetster

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