Maitour (Kapitel 21)

Die Schwestern unterhielten sich angeregt mit Hiltrud. Die warf ge-
legentlich einen kurzen fragenden Blick zu uns herüber, schien
aber gleichzeitig auch irgendwie erzieherisch auf die beiden ein-
wirken zu wollen. Nach kurzer Zeit löste sie sich und arbeitete sich
langsam und unauffällig zu uns vor.
„Na, Jungs. Alles klar bei euch..?“
„Bis jetzt schon. Kommt darauf an …“, erklärte Rolf gelassen.
„Hört mal zu. Ich weiß ja nicht was ihr so vorhabt, aber ich kenne
die beiden schon ziemlich lange. Die sind ziemlich hart drauf.
Passt bloß auf. Vor allem die Conny … wenn die ein bisschen zu
viel getrunken hat …. dann … !?“
Hiltrud sah mich warnend, fast mütterlich besorgt an.
Nun …, es ist ja nicht etwa so, dass ich ernst gemeinte Warnungen
grundsätzlich überhöre. Aber mal ehrlich … was um alles in der
Welt kann denn hier schon passieren? Ich meine, wovor sollten wir
hier Angst haben?
Vampire?
Dietmar erzählte hinter uns Tatjana und Melanie gerade den Witz
von dem angeblich wichtigsten Unterschied zwischen einer Russin
und einer Pizza.
„Versteht ihr ? Bei der Pizza kosten die Pilze extra ….!“
Er lachte aber dann auch mal wieder als Einziger über seinen tol-
len Witz. Tatjana sah ihn böse an. Melanie hingegen, schien die
Pointe nicht verstanden zu haben.
Naja, natürlich. Pilze, Viren, Bakterien und kleine Krabbelkäfer
können einem emsigen Jäger und Sammler überall und jederzeit
begegnen. Da muss man eben ein wenig aufpassen.
Ich sah Rolf fragend an. Der schüttelte den Kopf.
O.k, ich hatte auch nicht daran gedacht. Vielleicht hatten die Da-
men ja …? Ich meine, soviel weise Voraussicht kann man ja wohl
erwarten … im Zeitalter der Emanzipation.
Auf der Gegenseite liefen offenbar ebenfalls die Vorbereitungen.
Conny hielt Ihre ziemlich große Handtasche; eigentlich mehr ein
Turnbeutel als eine Handtasche, auf Augenhöhe hoch und wühlte
darin herum. Ihre Schwester unterstützte sie dabei.
Die Frauen und ihre Handtaschen. Gut, dass es diese Dinger gibt.
Manchmal direkt beneidenswert, diese mobilen Vorratslager für
alle Lebenslagen. Ich konnte nur hoffen, dass sie dort auch die
wirklich wichtigen Dinge mit sich herumschleppte.
Dem war wohl so, denn nach längerem Gewühle schienen die bei-
den Schwestern befriedigt festgestellt zu haben, dass ihre Ausrüs-
tung wohl komplett war. Na denn …
Immerhin war es Rolf, der es hier so eilig hatte. Deshalb war es
nun auch seine Aufgabe die ganze Sache etwas zu forcieren.
Das kann er. Da geht er ran, wie dieser sagenumwobene alte Blü-
cher. Im Prinzip eine klassische Karnevalstechnik. Da darf man
auch nicht zimperlich sein. Wenn man da fünf einigermaßen ange-
wärmte Kandidatinnen fragt, bekommt man im statistischen Mittel
einmal ein eindeutiges ‚Ja‘. Das reicht.
Eine gewisse Korbresistenz ist natürlich eine unabdingbare Vor-
aussetzung bei einer derartigen Vorgehensweise. Die Gaußsche
Verteilungskurve sorgt allerdings dafür, dass diese Korbresistenz
gelegentlich an die jeweiligen individuellen Grenzen stößt.
Mein Ding ist das nicht. Aber da ist Rolf eben anders.
Rolf ignoriert die Normalverteilung hartnäckig und ist vielleicht
auch gerade deshalb, fast immer überdurchschnittlich erfolgreich.
So auch diesmal. Die Band war inzwischen bei den etwas melan-
cholischeren Stücken angekommen. Da regt sich dann auch immer
der Tanzbär in mir. Klammerblues … bis die Schwarte kracht.
Rolf hatte schon eine im Haltegriff. Es war allerdings meine.
Was blieb mir übrig? Natürlich, die andere. Egal, es blieb ja in der
Familie. Nachts sind alle Katzen grau, und im Zelt wird die
schwächliche Beleuchtung die kleinen Unterschiede schon ver-
schwimmen lassen. Außerdem … es ist völlig egal womit man an-
fängt. Das regelt sich dann schon.
Die Schwester war außerordentlich griffig. Etwas weicher und sehr
geschmeidig. Normalerweise habe ich keinen Schlüsselbund in der
Hosentasche. Das irritiert beim Klammerblues immer die Partnerin.
Mir kam kurz eine Szene aus meiner Jugend aus dem Gedächtnis
hoch. Irgendein Schulfest, bei dem man mit den Klassenkamera-
den und Kameradinnen tanzen musste. Es war so das Alter, wo
die Mädels runder und die nächtlichen Erektionen häufiger werden.
Es war zwar heller Tag, aber meine Tanzpartnerin hat mich trotz-
dem peinlich berührt angelächelt. Ich hatte tatsächlich gedacht,
dass sie das nicht bemerken würde. Falsch gedacht ….
Inzwischen hatte ich eine Menge dazugelernt.
Angela lächelte mich auch an. Allerdings kein bisschen peinlich be-
rührt. Unauffällig überprüfte sie ob ich tatsächlich keinen Schlüs-
selbund in der Tasche hatte. Zustimmend, wie ich fand sogar fast
begeistert, lächelte sie mich kurz an. Beim damaligen Schulfest
wären mir bei solch einer Aktion mit Sicherheit die Knie weich ge-
worden.
Davon war ich nun weit entfernt. Weniger weit entfernt war meine
Hand von ihrem Pulli. Ich hatte keinen Verschluss am Rücken er-
tasten können. Ein vorsichtiger Kontrollgriff bestätigte meine Ver-
mutung. Frei schwebend und trotzdem schön rund. Mit dem Dau-
men ertastete ich das Ventil.
Wie komme ich jetzt auf Ventil? Schön rund, schön fest …aber
trotzdem kein Reifen. Irgendwie war ich wohl in Gedanken etwas
abgeschweift. Da kann man mal sehen, solche Sachen laufen fast
automatisch ab.
Die Sache war klar. Ich war fast ein wenig enttäuscht. Wenn es zu
einfach ist, dann fehlt mir auch wieder etwas.
Meine Hände umfassten ihren weichen Hintern. Weich und rund.
Wie gehabt. Ich stellte mir kurz vor, wie ich ihr gleich im Zelt die
Jeans über die Knie ziehen würde. Sie würde dabei auf dem
Rücken liegen und die Beine anwinkeln. Ihre Füße würden danach
auf meinen Schultern liegen und ich werde mich vorbeugen, ihre
Handgelenke umfassen, und dann ….
„Kannst du mal eben kommen?“, quakte mir plötzlich Ute ins Ohr.
Ute, Charlys Frau. Entschuldigend löste ich mich von meiner hand-
festen Tanzpartnerin. Was sollte ich machen, manchmal ruft eben
die Pflicht. Es ging wohl um Charly und die Sauerländer.
Das Kampftrinken war in die finale Phase gekommen. Charly und
der Heinz, waren wie nicht anders zu erwarten, in der Endrunde.
Einige Mitstreiter waren aber bereits vorzeitig ausgeschieden. Die
galt es nun zu entfernen. Viel Hilfe konnte man von den Finalisten
nicht erwarten. Axel stand ratlos vor einem der bereits ausgeschie-
denen Teilnehmer. Der war nicht nur, sondern hatte auch ausge-
schieden. Allerdings nur oberflächlich. Aber trotzdem eklig.
„Der is‘ hin ..!.“, bemerkte Axel scharfsinnig.
„Wohin?“, fragte Dietmar mit schwerer Zunge.
„Wie? Ach so, keine Ahnung. Weiß ich auch nicht“, musste Axel
zugeben. Mir schwante so langsam, woher die Matratzen auf dem
Heuboden ihre ungewöhnliche Farbenpracht hatten.
„Na hoch. Oben auf seine Matratze“, schlug ich vor.
„Und wenn er kotzt?“, fragte Ute mitleidig.
„Hat er schon. Siehst‘ e doch. Da kommt nicht mehr viel“, analy-
sierte Axel mit Kennerblick die Lage.
Der Heinz erklärte uns umständlich die Position der Matratze des
Delinquenten. Irgendeine von denen auf der linken Seite, kristalli-
sierte sich heraus. Es war dann eine ziemlich mühevolle Aktion.
Aber der Wastl half auch mit, und deshalb gelang es uns dann
auch den komatösen Sauerländer auf eine, vielleicht sogar seine
eigene, bereits deutlich vorgeschädigte Matratze zu verbringen.
Er roch zwar ziemlich exotisch, atmete aber noch.Das ist immer
ein gutes Zeichen. Diese Sauerländer sind ziemlich robust. Der
würde die Nacht schon überleben.

„Hör mal. Die Mädels wollen noch ’ne Flasche mitnehmen. Am
besten krallst du dir da hinten ’ne Pulle Dosenöffner oder so ….“,
empfing mich Rolf.
Mit ‚da hinten‘ war wohl der Weißweintisch gemeint. Da standen in
der Tat einige Sektflaschen herum. Die Meute am Tisch würde
aber mit Sicherheit ihre Vorräte verteidigen. Denen eine oder gar
mehrere Flaschen zu entwenden, dürfte nicht einfach werden.
Zu fortgeschrittener Stunde ist das immer das Getränk der Wahl.
Damit geben sich die Mädels dann ultimativ die Kante. Danach
kann man nur noch weglaufen. Die kennen dann kein Halten mehr.
Ein Aphrodisiakum auch für langjährige Beziehungen. Zumindest
was den weiblichen Part anbelangt. Rette sich wer kann.
Ich musste mir also etwas einfallen lassen.
„Da hat doch gleich noch jemand Geburtstag. Da stellen wir doch
am besten schnell noch ein paar Flaschen ins Tiefkühlfach“,flüster-
te ich Hiltrud zu.
„Geburtstag? Wer denn?“, fragte sie ganz überrascht.
„Na, der Jerome. Das soll aber ‚ ne Überraschung werden“, flüster-
te ich ihr heimtückisch ins Ohr. Ich warf kurz einen demonstrativen
Blick zu ihm herüber. Jerome hockte ahnungslos mit Udo an der
Theke und ertrug dessen Dauervortrag mit Gleichmut. Der wird
sich bestimmt über ein kleines persönliches Geburtstagsständchen
freuen. Hiltrud schaffte schnell einige Sektflaschen in den Kühl-
schrank um dann sofort zur Band zu rennen. Wahrscheinlich um
vorsorglich ein verrocktes „Happy Birthday“ zu bestellen.
Ich eilte in den Küchenraum und klaute zwei Sektflaschen aus dem
Kühlschrank. Die stellte ich dann auf das äußere Fensterbrett.
So konnte ich mit leeren Händen an der argwöhnisch lauernden
Hiltrud vorbei schlendern.
„Finger weg vom Frühstücksvorrat“, fauchte sie auch sofort.
„Jaja, klar. Ich guck mal ob noch was am Grill herumliegt“, erwider-
te ich kleinlaut und verließ den Festsaal. Die Flaschen bunkerte ich
dann schnell in einem Holzstapel. Das war also zunächst die Akti-
on Eichhörnchen. Zwei Pullen Dosenöffner, wie Rolf sagen würde.
Das wird wohl reichen.
Als ich zurück kam winkte mich Rolf zur Seite.
„Hast du schon mal Bonntätsch gemacht?“, fragte er mich mit rat-loser Miene.
„Was soll ich gemacht haben?“
„Na … Bonntätsch oder so ähnlich. Irgendwas mit Handschellen …
oder so. Hab‘ ich jedenfalls so verstanden.“
„Ach so. Du meinst Bondage. Diesen Fesselkram. Gummi, Leder
und so. Wie kommst du denn jetzt darauf?, wollte ich wissen.
„Scheiße … das ist doch dann auch mit Peitschen und Knebel. So
Hannibal Lekter mäßig. Also, darauf hab‘ ich wirklich keinen Bock“,
stöhnte Rolf enttäuscht und ein wenig ratlos.
„Mal langsam. Da gibt’ s schon ein paar Unterschiede. Dieser
Sado-Maso-Kram ist ziemlich kompliziert. Da kenn‘ ich mich aber
auch nicht aus. Sind die etwa so drauf?“
Rolf nickte. Ich sah ihn nachdenklich an. Eine völlig neue Situation.
Auf so eine Sado-Maso-Nummer war ich nun auch nicht scharf.
Andererseits … öfter mal was Neues. Versuch macht klug.
„Pass auf. Ist doch scheißegal. Dann pflock‘ ich die Alte eben am
Boden fest und versohl‘ der ordentlich den Arsch. Wenn die das braucht.
Hinterher Reinsteckefuchs und fertig.“
Rolf flüsterte mittlerweile ziemlich erregt und hatte noch ein paar
andere gute Ideen. Einige davon klangen ziemlich abgefahren.
Ich kratzte mich am Kopf und versuchte mir die Show vorzustellen.
„Das willst du alles in dem Zelt veranstalten?“, fragte ich ihn ziem-
lich ratlos. Er sah mich geil aber auch ein wenig grübelnd an.
„Wenn du eine bessere Idee hast … raus damit?“
„Hab‘ ich. Warum gehen wir nicht in die Scheune hier nebenan. Die
Tür kann man verriegeln. Da ist Licht drin, ein paar Strohballen und
jede Menge Holzpfähle. So ein Ständerwerk eben. Man kann sich
nur nicht auf den Boden legen. Sonst …!“
„Wer will sich denn auf den Boden legen? Hört sich doch gut an …
komm zeig mal … die Hütte“ Rolf war schon ganz aufgeregt.
Ich zeigte ihm die Hütte. Ich hatte herausgefunden, wie man die
hintere Tür öffnen konnte. Das war so eine alte Stalltür. Die konnte
man problemlos aus dem Schloss heben und sogar von innen ver-
riegeln. Es lagen zwar einige Pflüge und anderes landwirtschaftli-
ches Arbeitsgerät herum, aber mit ein wenig Improvisationstalent
konnte man aus der Bude ganz schnell ein bäuerliches Domina-
studio machen.
Es war zwar staubig und schmutzig, aber das passte ja auch.
Eine einsame Neonröhre schuf eine leicht gespenstische Atmo-
sphäre. Eine Umgebung wie im Folterkeller der letzten Folge die-
ser berüchtigten Kettensägen-Saga.
„Auf dem Boden anpflocken wird wohl nicht klappen, aber ein paar
andere Sachen schon“, erinnerte ich Rolf an seine Hirngespinste.
Der nickte und sein Gesichtsausdruck wirkte bei dieser Beleuch-
tung wie der eines entlaufenen Triebtäters, der sich in einem
Schrank im Sammelumkleideraum eines Mädchengymnasiums
versteckt hatte.
Wir waren uns einig. Zunächst ins Zelt, dort ein wenig den klassi-
schen Stil pflegen, und wenn sie dann unbedingt geknebelt und
gefesselt werden wollen …dann eben ab in die Scheune.
Die beiden schien schon auf uns zu gewartet zu haben. Klemens
und ein Brandenburger versuchten gerade ihr Glück. Schnell gin-
gen wir dazwischen. Das fehlte noch … wir kümmern uns hier um
den Nestbau und all diese Dinge, und diese beiden Parasiten wol-
len hier mal eben auf die Schnelle abräumen … von wegen.

Im Zelt war es richtig gemütlich. Ein wenig eng zwar, aber gemüt-
lich. Jedes Paar bekam eine Flasche und die Dinge nahmen den
üblichen Verlauf. Rolf hatte sich ja nun kurzfristig umentschieden.
Das war jetzt Pech. Er war wohl an den sadistischen Teil des Duos
geraten.
„Aua … bist du verrückt. He, guck mal hier. Die beißt wie ein Schä-
ferhund“, jammerte er herum und fasste sich an den verheirateten
Hals. Conny knurrte und biss wieder zu.
„Jetzt hör doch mal auf, sonst muss ich dich leider knebeln“, fiel
ihm dann zum Glück doch noch ein. Conny knurrte wieder.
Angela biss nicht. Da war auch gut so. Denn in dem Bereich, in-
dem sie sich gerade betätigte, ist bei der Verwendung der Beiß-
werkzeuge äußerste Vorsicht angeraten.
„Boahh, ne“, stöhnte Rolf wieder ‚rum,“ die reißt mir hier fast die
Eier ab. Das geht doch auch ein bisschen netter. Verflucht … jetzt
hab‘ ich aber die Schnauze voll. Wo ist dieser verdammte Strick?“
Er hatte scheinbar kleinere Handlingprobleme.
Ich hingegen konnte mich nicht beklagen. Meine war mit viel Ein-
satz bei der Sache. Nicht nur mit viel Einsatz, sondern auch mit
viel Talent. Mit sehr viel Talent sogar. Grundsätzlich muss man da
ja zwischen Einsatz und Talent unterscheiden. Die Sache ist prinzi-
piell schwieriger als die meisten Frauen glauben. Technisch relativ
anspruchsvoll. Einsatz alleine … genügt da nicht.
„Also ich weiß gar nicht was du hast“, ärgerte ich Rolf. Der mühte
sich inzwischen mit einem langen weißen Strick ab. Der stammte
aus der Handtasche seines Opfers. .
„Ja, los komm. Fester … noch fester“, stöhnte sein Opfer.
Das Stöhnen ihrer Schwester schien Angela zu Höchstleistungen
anzuspornen. Normalerweise kann ich mich ziemlich gut zurück-
halten. Aber hier spürte ich das Ende bereits deutlich herannahen
… als sie plötzlich ihre wirklich sehr intensiven Bemühungen un-
verhofft einstellte.
Das Gefühl ähnelt dem, das dabei aufkommt wenn einem bei Voll-
gas der Sprit ausgeht. Nur das man hier eben keine Kupplung zie-
hen kann. Man hoppelt so bis zum Stillstand und hofft, dass im
letzten Moment nicht doch noch das Hinterrad blockiert.
Aber wem erzähle ich das?
Böse ausgebremst, aber das dicke Ende kommt dann eben später.
„Was ist denn mit mir?“, säuselte sie. Wie ich das hasse. Was soll
denn schon mit ihr sein? Natürlich … immer schön die Reihenfolge
einhalten. Zug um Zug … gewissermaßen. Das haben die mit Si-
cherheit aus diesen neumodischen Frauenzeitschriften. In man-
chen Dingen bin ich eben eher konservativ. Einiges war früher
wirklich besser.
„Die hier, ist schon ganz unruhig, lasst uns in die Scheune gehen“,
schlug Rolf ein wenig ratlos vor. Der hatte auch zu kämpfen.
„Die Tasche, vergiss die Tasche bloß nicht“, ermahnte Conny ihre
Schwester. Die Zunge war zwar schon ein wenig schwer, aber sie
schien trotzdem die Situation noch voll unter Kontrolle zu haben.
Da meine Batterie noch die volle Spannung hatte, war ich dann
auch schnell raus aus dem Zelt. Rolf ging es nicht anders.
Wir pirschten uns über den Hof vorsichtig in Richtung Scheune,
wobei die Mädels unkontrolliert vor sich hin kicherten. Dietmar ent-
deckte uns prompt und wunderte sich zuerst, machte dann aber
ein paar typische Handzeichen. Typisch, wenn man mal normale
Maßstäbe anlegt.
Rolf hatte den weißen Strick zusammengelegt und schlug seiner
Conny damit kräftig auf die dargebotenen Backen. Dietmar war be-
geistert. Angela legte den Zeigefinger auf ihren Mund und bedeute-
te ihm somit … die Klappe zu halten. Bei Dietmar sicherlich ein
sinnloser Versuch, aber immerhin ein Versuch. Vielleicht konnte er
sich ja ausnahmsweise mal zusammenreißen. Wenn es darauf an-
kommt, kann er das tatsächlich. Im Moment kam es darauf an.
Neugierig verfolgte er uns ein Stück, blieb dann aber vornehm zu-
rück. Wir zeigten den Mädels stolz unsere Scheune. Die Begeiste-
rung hielt sich in Grenzen.
„Mach bloß die Tür richtig zu, sonst haben wir nachher noch den
Spanner hier drin“, befahl Conny und zog sich die Klamotten aus.
Ihre Schwester hatte es auch ziemlich eilig.
„Die Hose lass‘ ich aber an“, erklärte Rolf.
„Legt das ganze Zeug hier auf die Strohballen“, kommandierte
Conny und legte sich dann bäuchlings auf die Kleidungsstücke.
Die Mädels waren splitternackt und hatten nur ihre Schuhe anbe-
halten. Das Licht war wirklich ein wenig kalt. Eher blau als rot und
überhaupt … ziemlich unerotisch. So bei Lichte betrachtet, hatten
wir hier vielleicht nicht unbedingt den Hauptgewinn gezogen. Aber
man muss ja auch irgendwo realistisch bleiben. Mit den Chippen-
dales konnten wir nun auch nicht konkurrieren.
„Los mach … fessel mich“, wurde Rolf aufgefordert. Der ließ sich
nicht lange bitten, und begann sofort damit, die nun ungesund
blass-bläuliche Conny mit dem weißen Strick zu verschnüren
In der Tasche fanden sich dann noch weitere Utensilien. Angela
drückte Rolf einen Knebel in die Hand. Ein Gummiband mit einer
Kugel in der Mitte. Rolf starrte zunächst das Teil, und danach mich
ratlos an. Ich zuckte mit den Schultern.
Ich durfte ein Paar Handschellen benutzen, um Angela damit an ei-
nem Holzbalken zu befestigen. Sie hob ihre Arme und ich fesselte
sie mit den Dingern oben an einem diagonalen Querbalken. Da
stand sie nun mit erhobenen Armen und nur mit Turnschuhen an
den Füßen. Obwohl sie sich damit ja nun in einer eher gestreckten
Position befand, zeigten sich trotzdem einige ringförmige weiche
Hautfalten an ihren Hüften. Die ganze Erscheinung wirkte eher bir-
nenförmig. Das Licht war wirklich ätzend.
Rolf hatte sein Werk inzwischen vollendet. Sein Opfer sah aus wie
ein riesiger bläulich-blasser Rollbraten. Er blickte zu uns herüber
und schien vom Anblick der plötzlich birnenförmigen Schwester
ebenfalls überrascht zu sein.
„Los … mach schon … mach endlich“, keuchte Conny.
Rolf drückte ihr den Knebel in den Mund und schloss das Gummi-
band an ihrem Hinterkopf. Und schon war Ruhe im Dorf.
„Und nu? Das ist doch Scheiße …!“, flüsterte er mir zu.
„Keine Ahnung … aber so richtig Bock habe ich auch nicht, auf
den Quatsch“ , flüsterte ich zurück. Wir sahen uns entnervt an.
„Jetzt kriegst du was du brauchst“, zischte Rolf entschlossen und
machte sich an seinem Rollbraten zu schaffen. Ich trat neugierig
etwas näher um zu erfahren was sie wohl brauchen könnte.
Rolf wusste es aber offenkundig auch nicht. Er fingerte und
klatschte einfach nur an ihr herum. Sie zappelte und zischte dabei
aus ihrem Knebel.
So ein Scheiß!
„Komm endlich … mach’s mir“, wurde ich gerufen.
„Ja was denn … was soll ich denn hier machen?“, fragte ich ah-
nungslos, aber mit fester Stimme.
„Mal sanft … mal hart. Heiß und kalt. Verstehst du?“
Eigentlich nicht, aber ich nickte und machte mich an ihr zu schaf-
fen. Rolf linste neugierig herüber. Mein Opfer stöhnte inzwischen
unangemessen heftig vor sich hin. Sie hielt dabei die Augen ge-
schlossen. Ich schloss ebenfalls meine Augen, und die ganze Sa-
che wurde auch sofort etwas reizvoller.
„Ich mag es wenn sie betteln“, grunzte Rolf großspurig.
„Oh ja … fester“, bettelte meine. Ich machte es ein wenig fester.
„Weißt du was?“, hörte ich plötzlich Rolfs Stimme ganz nah.
Ich öffnete meine Augen und sah wie er seine Hose öffnete und
sich von hinten meiner Gespielin näherte.
„Hau bloß ab … so läuft das nicht“, kreischte die aber sofort los,
als sie die Situation erfasste.
„Ich zeig dir jetzt mal wie das läuft“, erklärte Rolf entschlossen.
Der Rollbraten zappelte plötzlich los und warf sich wild hin und her.
„Warum verdrückst du denn deiner keinen? Die kann es doch gar
nicht mehr erwarten“, versuchte ich seine Bemühungen zu stop-
pen. Irgendwie fühlte ich mich verantwortlich.
„Mmmppfffhhh…“, grunzte er nur und versuchte angestrengt das
Ziel zu treffen.
„Hör auf . Hör auf … nimm ihr den Knebel raus. Schnell! Schnell!
Die hat Asthma!“, kreischte Angela. Rolf sah mich mit verzerrtem
Gesicht an.
„Wie Asthma? Wieso hat die denn Asthma? Was soll denn nun der
Scheiß wieder?“, fragte er wütend.
„Ist doch egal. Wieso? Woher? Nimm ihr den Knebel raus. Aber
schnell und dann den Puster. Der ist da irgendwo in der Tasche“.
schrie Angela völlig aufgelöst und zappelte an ihren Handschellen
herum.
„Mach mir die Dinger ab. Los … beeil dich“, kreischte sie weiter.
„Ich hab‘ keine Schlüssel … ich meine?“
„Die sind auch in der Tasche … los schnell …!“
Rolf hatte inzwischen wieder eingepackt und schüttete den gesam-
ten Inhalt der besagten Tasche auf den schmutzigen Scheunenbo-
den. Eher hektisch als besonnen, wühlte er in dem Inhalt herum.
Das Licht war wirklich schlecht.
Ich beschäftigte mich inzwischen mit dem Knebel und schaffte es
auch tatsächlich das Ding zu entfernen. Conny röchelte und mach-
te Geräusche wie eine defekte Espressomaschine.
Angela drehte an ihren Handschellen fast durch. Sie kreischte und
schrie wie eine Irre.
„So ein verdammter Mist. Die brüllt hier das ganze Dorf zusam-
men. Wo ist bloß dieser blöde Puster?“, stöhnte Rolf und wühlte
hektisch in dem Zeug am Boden herum. Irgendjemand hämmerte
an die Stalltür.
„Hiilfeee … Hiiilfeee …. meine Schwester“, schrie Angela wie von
Sinnen. Draußen waren aufgeregte Stimmen zu hören und es bol-
lerte gewaltig an der Stalltür.
„Weißt du wie das aussieht?“, fragte mich Rolf fast verzweifelt.
„Drei Jahre ohne Bewährung. So sieht das aus. Da ist das Scheiß-
ding ja endlich“, stöhnte ich und rannte mit dem Asthmaspray zu
der inzwischen noch bläulicheren Conny.
„ Anders herum …!“, kreischte Angela. Sie meinte damit die
Sprayflasche. Ich drückte einige Male auf das Ding und verpasste
der pfeifenden Conny eine ordentliche Portion. Im Prinzip nicht
schlecht … nur nicht ganz so … wie ursprünglich geplant.
Während Rolf weiter in der Tasche herumwühlte um den Schlüssel
für die Handschellen zu finden, und während ich meiner Patientin
hingebungsvoll den Puster in den Mund steckte, flog plötzlich die
Stalltür aus ihren Angeln.

Tja, was soll man da noch großartig erklären. Es sah eben so aus,
wie es aussah. Zwei nackte Frauen. Eine aufgehängt an Hand-
schellen und die andere zusammengebunden wie ein frisch erwor-
bener Weihnachtsbaum. Beide völlig außer sich … zappelnd,
schreiend, kreischend und röchelnd.
Daneben zwei Typen mit nackten Oberkörpern. Einer durchwühlt
eine Handtasche und der andere betäubt gerade sein hilfloses Op-
fer mit Giftgas.
In Texas zögert ein Cop in solchen Situationen keine Sekunde.
Der lässt den 38er sprechen. Die Rechte verliest er dann später.
Zum Glück waren wir nicht in Texas, und unser Highway-Trooper
trug auch keine Dienstwaffe.
Es waren dann doch einige Leute … die schweigend das Szenario
bewunderten. Angela wimmerte leise und drehte den Zuschauern
schnell ihre Rückseite zu. Die sah bei dieser Beleuchtung aller-
dings auch nicht besser aus als die Vorderseite.
Rolf grinste verlegen in die Menge und schwenkte die Handschel-
lenschlüssel vorsichtig und langsam hin und her.
„Hat mal jemand ein Messer?“, fragte ich kleinlaut. Rolf hatte den
Strick derart verknotet, da konnte man wirklich nur noch ….
„Was läuft denn hier für ein Film?“, fragte Barbara entsetzt.
Der Wastl legte die Stalltür vorsichtig auf dem Boden ab und stierte
ungläubig auf die birnenförmige nackte Gestalt in seiner Scheune.
„Pffhhh … naja … wir haben nur … ich meine …wir wollten eigent-
lich …aber..“, versuchte ich es.
„Scharf … echt scharf“, lallte Dietmar.
„Hier..“, murmelte Klemens und reichte mir ein Klappmesser.
„Hab ich’s nicht gesagt … ich hab’s gewusst“, schüttelte Hiltrud
den Kopf.
„Kommt mal schnell her … das müsst ihr euch ansehen“, lallte
Charly laut und klammerte sich an der Türöffnung fest.
Rolf fummelte inzwischen mit dem Schlüssel an den Handschellen
herum. Als er sich umdrehte konnte man erkennen, dass der
Reißverschluss seiner Hose immer noch offen war.
Ich tastete schnell nach meinem. Der war aber zu.
Nochmal Glück gehabt.

3 Kommentare zu „Maitour (Kapitel 21)“

  • Petra Klöckner:

    wow, hätte ich nie gedacht, was man in alten und staubigen Scheunen so alles veranstalten kann ….. grins

    wirklich klasse diese Phantasie und dein Schreibstil ….

    bin begeistert … weiter so …

  • Pjiotre:

    Hallo Michael,
    nachdem ich mir jetzt auch Kapitel 21 angetan habe, bin ich wirklich gespannt wo die Geschichte endet und wie Du noch die Kurve bekommst. Die Anregung von Dieter zu Kapitel 20 bzgl. dem roten Faden ist sicher keine schlechte Idee. Zeigt er doch die grobe Richtung an und Du weißt wohin die Reise gehen soll. Eine kleine Anmerkung noch zu Deiner Antwort an Dieter. Die Verlags(welt) will das, was alle wollen. Geldverdienen! Krimis, Thriller und Schmachtfetzen gibt es wie Sand am Meer, nicht zuletzt aufgrund der breiten Masse die angesprochen wird. Aber nur die wenigsten davon haben das Zeug zu einem echten Bestseller. Gute Moppedgeschichten sind ebenfalls rar, doch hierfür gibt es sicher auch eine nicht zu verachtende Leserschaft. Woher sonst kommen die alljährlichen Neuerscheinungen an Reiseerzählungen zu dem Thema: „Mit dem Motorrad von – nach, um,. in,….“. Leser dieser Bücher reisen im Gedanken mit und sehen sich im Traum mit von der Partie, oder sie wollen das erlebte mit anderen teilen, dh. sich selbst in der Geschichte wiederfinden, bzw. die eigenen Erfahrungen bestätigt bekommen. Also mach Dir klar, wen Du mit Deiner Geschichte erreichen willst und dann weiter so oder volle Schräglage und Richtungswechsel.

  • kuhjote:

    Natürlich ist mir nicht entgangen, dass meine ausführlichen Exkursionen in den zwischenmenschlichen Bereich … nicht unbedingt bei allen Lesern helle Begeisterung hervorrufen. Die vorgestellten Typen und deren Sicht der Dinge … bestimmen den Verlauf der Geschichte. Das ist der rote Faden. Die sind nun zufällig noch mit Motorrädern unterwegs … das erlaubt zusätzliche, für den „Normalbürger“ ungewöhnliche Ereignisse. Natürlich könnte man auch ausgiebig und detailliert schildern, wie sich die Protagonisten gegenseitig durch die Landschaft hetzen. Wahrscheinlich käme das bei der eingeschworenen „Bikergemeinde“ besser an. Sehr wahrscheinlich sogar. Aber das ist eben der wesentliche Unterschied zu den zahlreichen “ Mit dem Motorrad … nach … durch … in “ Geschichten.
    Vielleicht ist meine „Schreibe“ tatsächlich nicht marktgerecht. Aber ich werde auch in Zukunft keine „klassischen“ Motorradstorys produzieren. Das können und sollen ANDERE machen. Die einschlägigen Verlage werfen da teilweise ein unglaubliches Zeug auf den Markt. Deren Spiel … spiele ich nicht mit. Ich habe mir einige der „Topseller“ sehr genau angesehen. Das ist nicht mein Ding. Nicht für „Geld und gute Worte“ werde ich jemals so ein „Zeug“ verfassen. Mein „Zeug“ ist anders … und wird auch immer anders bleiben. Aus diesem Grund wird auch kein „richtiger“ Verlag jemals den Mut aufbringen und meine „Werke“ verlegen. Das ist der eben Preis, den ich für meine ganz persönliche -Sicht der Dinge- zahlen muss. So ist es eben …
    Amen.***

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