Maitour (Kapitel 20)

Stichwort Abschleppöse! Melanie hatte ein Bauchnabel-Piercing.
Das war mir bisher gar nicht aufgefallen. Dieses andere Piercing
hatte bei mir wohl eine Art Tunnelblick erzeugt. Obwohl Tun-
nelblick in diesem Zusammenhang nun doch etwas sehr zweideu-
tig klingen mag. Melanie hatte sich herausgeputzt. Mit Lederhose
und knapp sitzendem Oberteil. Geschnürt und ein bisschen bauch-
frei. Lockere Mähne, dezent geschminkt … da wird den Dykes das
Wasser … ich meine natürlich die Augen. Feuchte Augen … wer-
den sie bekommen. Klemens bekam scheinbar auch feuchte Au-
gen. Er setzte seine Kamera kurz ab und massierte seine Augen
mit Daumen und Zeigefinger.

Die Lichtverhältnisse waren meiner Meinung nach allerdings mehr
als schlecht. Aber ich habe ja auch keine Ahnung von echter Foto-
kunst. Ein kurzes Shooting im künstlichen kalten Licht einer Hof-
lampe folgte. Klemens steuerte sein Model mit der Kamera … wie
ein Dompteur seinen Löwen mit der Peitsche. Das sah sehr abge-
sprochen aus. Klemens hatte wohl vorgearbeitet. Er hatte seine
Kamera mit einem wirklich großen Objektiv bestückt. Er machte
während seiner Schnappschüsse Verrenkungen wie ein behinder-
ter Bodenturner. Teilweise liegend, fotografierte er sich einen ab.
Zwei Brandenburgerinnen staunten Bauklötze während sie die kur-
ze akrobatische Fotosession beobachteten. Das kannten sie wohl
noch nicht, eine derartig dekadente Zurschaustellung weiblicher
Formen. Im sozialistischen Realismus trugen die Models immer
Kopftücher und geflochtene Bastkörbe. Nicht ausschließlich natür-
lich … sonst hätte die Revolution womöglich doch noch auf den
Westen übergegriffen. Jetzt ist es natürlich zu spät, aber hinterher
ist man eben immer schlauer.
Im Festsaal waren sie wohl so weit. Eine kurze Ansprache wurde
gehalten, und dann begannen die Mädels mit ihrer Session. Sie
spielten wohl eigene Werke. Rau, aber herzlich. Ich schlich mich
kurz hinein um die Lage zu peilen. Zumindest die Frontfrau war
recht ansprechend. Eine leicht heisere und angeraute Stimme.
Die übliche Besetzung. Schlagzeug, Bass, Leadgitarre und eben
die Sängerin. Eine weitere Gitarristin und ein Mädel mit einer Rie-
sentröte agierten im Hintergrund. Die Tontante fummelte am ande-
ren Ende des Raumes an ihrem Mischpult herum. Alles wie man
es so kennt, von ambitionierten Livebands.
Ich kann nun nicht gerade behaupten, dass mich die Darbietung
vom Stuhl gerissen hätte. Aber die Mädels waren ja auch noch
nicht richtig auf Betriebstemperatur. Ich schien allerdings nicht al-
leine zu sein, mit dieser Einschätzung. Draußen, am nun hell lo-
dernden Lagerfeuer, herrschte eindeutig eine bessere Stimmung.
Dietmar war daran nicht ganz unschuldig. Wie so oft, gab er mal
wieder den Pausenclown. Die Brandenburger waren ein dankbares
Publikum. Sie hockten brav am Feuer und beklatschten die ausge-
leierten Gags. Einige Sauerländer schienen ebenfalls kein West-
fernsehen;speziell den Klamauksender aus Köln, empfangen zu
können, und freuten sich mit. Anders kann ich mir die Begeiste-
rung wirklich nicht erklären. Der Rest flüchtete dann aber doch in
den Festsaal.
Völlig fasziniert von der DOB-Truppe, war unser Wastl. Der hatte
sich in einer Ecke des Raumes versteckt und bewegte den unför-
migen Oberkörper im Rhythmus der Musik. Ein wenig wirkte er wie
Dustin Hoffman als Rain Man.
Hiltrud hatte ein Auge auf ihn und verhinderte zuverlässig die Ver-
abreichung von Alkohol.
Fauchend vertrieb sie einen Sauerländer, der dem Wastl wohl wie-
der einen Schluck aus berüchtigten Flasche anbieten wollte.
Der Heinz schien ein wenig die Scheu vor dessen furchterregen-
den Mutter verloren zu haben.
Völlig unbeeindruckt von den Bemühungen der Band, unterhielten
sich die meisten der Anwesenden in einer ziemlich Lautstärke.
Den Musiknerv der Maitourer trafen sie wohl nicht, die Dykes on
bikes. Sie machten aber trotzdem weiter und gaben sich alle
Mühe. Freundlicher, aber eher zurückhaltender Beifall nach jedem
Stück war dann auch die einzige Reaktion des Publikums.
Einige neue Leute fanden sich noch ein. Einige wirklich interessan-
te neue Leute. Rolf hatte sich von Melanie gelöst und schubste
mich an.
„Mmmhhh…!“, bestätigte ich seine Entdeckung.
Wir pirschten uns dann auch sofort ran.
„Je später der Abend …“, eröffnete Rolf den Angriff.
Die beiden Mädels waren wirklich nicht schlecht. Sie schienen
auch keine Vertreterinnen des scheuen Geschlechts zu sein. Wir
kamen sofort und problemlos ins Gespräch.
Zuerst natürlich der Verteilungscheck. Wer nimmt welche? Ich
nahm die Dunkle. Die wollte Rolf zwar auch, aber da hatte er nun
Pech gehabt. Die andere war aber auch nicht schlecht. Kein
Grund um zu schmollen.
Wir schleppten unsere Beute direkt an den Leverkusener Tisch.
Dort hatten sich die Harleytruppe und Werner mit seiner Tatjana
versammelt. Charlys Frau war ebenfalls anwesend.
Die Damen tranken Weißwein. Das machen sie immer.
Üblicherweise so lange, bis sie keinerlei damenhaftes Verhalten
mehr zeigen. Diesen Bewußtseinszustand galt es zu erreichen.
Auch wenn man dann hier nicht direkt von einer höheren Sein-
sebene sprechen kann … die Sensibilität für … sagen wir mal …
tiefer gehende Erfahrungen ist dann aber doch deutlich erhöht.
Tiefschürfende philosophische Gespräche erübrigen sich aller-
dings in der Regel. Der direkte Zugang, zu bis dahin eher ver-
schlossenen Bereichen der Persönlichkeit, ist dann deutlich leich-
ter. Jetzt mal rein psychologisch gesehen.
Wir hatten natürlich die Absicht unsere Eroberungen ebenfalls mit
Weißwein abzufüllen. Das geht erheblich schneller als mit Bier.
Die schienen allerdings das Tempo der rheinischen Vortrinkerin-
nen nicht mithalten zu können. Vielleicht wollten sie auch nicht. Ich
gab meinem mühsam baggernden Kollegen taktische Zeichen.
Da werden wir wohl kurz mal den Turbo zuschalten müsssen.
„Ich hol’ mal was für die Gesundheit“, erklärte Rolf dann wichtig
und verschwand in Richtung des Tisches unserer Sauerländer.
„Das ist gut für die Leber. Schmeckt vielleicht ein bisschen scharf.
Aber dann bekommt man am nächsten Tag keinen dicken Kopf“,
log ich mit einem wirklich fürsorglichen Gesichtsausdruck.
Werner sah mich merkwürdig an. Er wollte gerade den Mund auf-
machen. „Oder …?“, fragte ich ihn. Er stutzte kurz, nickte dann
aber bestätigend. Ich nahm meinen Absatz dann auch sofort wie-
der von seiner Fußspitze herunter.

Rolf kehrte mit der Flasche und einigen Gläsern zurück.
„Auf die Gesundheit..“, log er, nachdem er die Gläser gut gefüllt
und geschickt verteilt hatte. Arglos leerten die Damen ihre Gläser.
Der Dunklen quollen die Augen aus dem Kopf wie einem sehbehin-
derten Chamäleon, welches gerade ein Insekt mit einer Chilischote
verwechselt hat. Auch die Zunge hing ihr leicht aus dem Mund.
Leise röchelnd versuchte sie einen Hustenanfall zu unterdrücken.
Ihre Freundin atmete pfeifend ein und legte den Kopf dabei in den
Nacken. Ich wusste in etwa, was mich erwartete und hatte deshalb
nur genippt. Trotzdem tränten mir kurz die Augen. Rolf reagierte
schnell und reichte den beiden zwei gut gefüllte Weißweingläser.
Rein rechnerisch hatten wir nun in gut einer Minute etwa 0,5 Pro-
mille gutgemacht. Auf eine Wiederholung konnten wir nicht hoffen.
Diese Waffe war nun stumpf. Aber immerhin … der Gegner war
nun angeschlagen. Nun galt es mit konventionellen Waffen den
Sieg zu erringen. Weißwein und Likör … immerhin bewährte Mittel.
Die Strategie war erprobt und taktisch waren wir auch nicht
schlecht. Nun hieß es …immer dranbleiben und nicht nachlassen.

Die Band war inzwischen warm gespielt und wechselte die Rich-
tung. Jazziger Rock war nun angesagt. Taximann von M.M.W.
In der DOB Variante. Mit Saxophon und viel Gefühl. Saxophon fin-
de ich persönlich äußerst passend. Wenn man es richtig be-
herrscht. Die Ledermaus auf der improvisierten Bühne hatte es voll
drauf. Genial … und mitreißend. So langsam kam Stimmung in die
Bude. Die Mädels spielten sich in Rage.

..fahr etwas schneller und halt nicht dauernd an…….

Ich sah zu Rolf hinüber. Der fuhr zwar schon etwas schneller, hielt
dann aber doch immer wieder an. Klemens fuhr ebenfalls schneller
und hatte sich todesmutig an die Tigersozia herangepirscht.
Die lächelte wie die Sphinx und ließ die Band nicht aus den Augen.
Klemens hatte sich ganz nah herangerobbt und kaute ihr fast ein
Ohr ab. Er quatschte sie auf seine unnachahmliche Art voll, und
entwickelte dabei einen beachtlichen Ehrgeiz. Die Tigerin verzog
keine Miene und blickte nur hin und wieder kurz zur Seite.
Das Stück war durch und das Publikum raste vor Begeisterung.
Die Mädels legten eine kurze Pause ein. Klemens nutzte die plötz-
liche Ruhe und legte bei der Tigerin noch ordentlich nach.
Die griff plötzlich zu einem Rucksack und zog einen riesigen blau-
en Dildo hervor. Die packte das ziemlich naturgetreu geformte
Ding und schlug damit hart auf die Tischplatte. Klemens zuckte er-
schrocken zurück.
„Das ist ein Ding. Kannst du da mithalten?“, fragte sie energisch
und blickte den verblüfften Klemens lauernd an. Vera und die
Zahnarztfrau reckten die Hälse. Vera kicherte begeistert. Die bei-
den hatten bereits glänzende Augen und leichte Artikulationspro-
bleme. Das war nun ganz nach ihrem Geschmack. Hans-Jürgen
starrte entsetzt auf seine Frau und sah sich unauffällig um. Er ahn-
te wohl schon, was als nächstes kommen würde.
Rolf sah mich kurz und fragend an. Entweder wir lassen es darauf
ankommen, oder aber wir bringen unsere Eroberungen schnell aus
der Schusslinie. In Anbetracht der eindeutigen Zielrichtung eigent-
lich ein netter Versuch. Ohne das wir uns aus der Deckung wagen
mussten, konnten wir hier in Ruhe deren Reaktion beobachten.
Ich nickte ihm ebenso kurz zu und machte ein entsprechendes
Handzeichen. Abwarten und bereithalten. Teilnahmslos lehnten wir
uns freundlich lächelnd zurück.
Vera war inzwischen aufgesprungen und zu der Tigerin geeilt. Die
schien in ihrem Rucksack noch weitere Kostbarkeiten gebunkert zu
haben. Warum nun jemand eine Dildo-Kollektion in seinem Ruck-
sack herumschleppt? Ich weiß es nicht. Vielleicht für den Eigenbe-
darf, vielleicht auch weil sie mit den Dingern handelte, Warum
auch immer, sie hatte jedenfalls mehrere Exemplare dabei.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich nie mit diesen Apparaten
beschäftigt. Ich weiß, dass es die unterschiedlichsten Modelle gibt,
aber ich habe so ein Teil auch noch nie in der Hand gehabt.
Warum auch? Als halbwegs gesunder Hetero interessiert man sich
für derartige Gerätschaften genau so wenig, wie ein GS-Fahrer für
die aktuellen Testergebnisse der neuesten Kettensprays.
Obwohl der Zahnriemen ihrer Harley ebenfalls.kein Kettenspray
benötigte schien Vera dennoch sehr interessiert zu sein.
Sie kehrte mit einem grünen Riesenexemplar zum Tisch zurück.
Hans-Jürgen verzog sich schnell. Die Damen rückten zusammen
und ließen das Plastikteil herumgehen.
„Schön … sieht richtig echt aus. Oder?“, fragte die Zahnarztfrau in
die Runde. Der Zahnarzt grinste gelassen. Dieser Angeber.
„Ziemlich groß … aber echt schön“, kicherte Vera.
Tatjana wiegte ihren Kopf hin und her, schwieg aber.
„Hat der auch ‘ne Batterie?“, wollte Ute, Charlys Frau, neugierig
wissen.
„Das ist ein Dildo, kein Vibrator“, erklärte meine Dunkle plötzlich
und rückte interessiert näher. Rolf sah mich fragend an.
Ich wusste in diesem Moment nicht so genau, was ich davon hal-
ten sollte. Conny, so hieß die Dunkle, nahm das Ding in die Hand
und wog es abschätzend. Ich muss zugeben, das hatte schon
einen gewissen Reiz. Obwohl …
„Schätze … da musst du dich aber ordentlich anstrengen“, flüsterte
Rolf und beäugte vorsichtig und abwartend seine Kandidatin.
Die war auch näher an den Ort des Geschehens gerückt und betei-
ligte sich ebenfalls an der Begutachtung der Prothese.
Jetzt mal ganz unter uns. Diese Monsterdinger. Wie genau die
auch der Natur nachgebildet sein mögen. Das hat ja nun mit der
Realität, oder besser gesagt mit der traurigen Wirklichkeit, nicht
viel zu tun. Ist doch so!
Die Damen vollführten kichernd irgendwelche Bewegungen mit
dem grünen Unding. Dazu flüsterten sie sich scheinbar geheime
Informationen zu. Glücklicherweise begann die Band dann wieder
zu spielen. Jetzt wussten wir zumindest, dass wir es nicht mit Klos-
terschülerinnen zu tun hatten. Das heißt, vielleicht ja doch, was
dann auch eine durchaus nachvollziehbare Erklärung wäre.
Die DOBs coverten nun lustig drauflos.
„Like a virgin … touched for the very first time …“, stöhnte die Sän-
gerin melodisch und mit rauchiger Stimme. Sie hob beide Hände
mit dem Mikrophon und beugte sich dabei nach hinten. Ihr Becken
vollführte zeitgleich kreisende Bewegungen. Die beiden Tigerinnen
tanzten dazu, eng umschlungen und mit verzücktem Gesichtern.
Melanie kannte das Lied wohl auch und gab ebenfalls alles.
Zur Hölle mit diesen Textilklamotten. Hier wurde auf und vor der
Bühne demonstriert, warum schwarzes Leder sich so lange halten
konnte. Jep, das waren Argumente. Zur Hölle mit diesen Teflon-
und Goretex-Klamotten. Darin hätten die Mädels ausgesehen wie
lieblos ausgestopfte Käthe-Kruse-Puppen. Das hier … war dage-
gen ein Fest für die Sinne.
Unsere beiden Eroberungen hielt es auch nicht mehr auf ihren
Plätzen. Gezwungenermaßen mussten Rolf und ich nun ebenfalls
das Tanzbein schwingen. Eigentlich gehe ich lieber zum Zahnarzt
als zum Tanzen. Aber manchmal hat man eben keine Wahl. Conny
hatte sich zwar keine Lederhose angezogen sondern nur eine
Jeans, aber die saß ebenfalls perfekt. Die Tigerinnen gaben den
Tanzstil vor. Das kam meinen Absichten, aber auch meinen tänze-
rischen Fähigkeiten deutlich entgegen. Eine Hand auf die Hüfte,
die andere dann etwas tiefer … und dann schütteln. Also nicht rich-
tig schütteln, sondern mehr hin und her drücken. Bei dieser Gele-
genheit kann man dann auch direkt austesten, wie sie auf Druck
reagieren. Conny mochte es etwas fester. Kein Problem, immer
gerne. Rolf ging auch direkt in den Infight.
Das Ding werden wir ja nun wohl gekonnt nach Hause schaukeln.
Gesprochen wurde nicht. War auch nicht nötig. Endlich mal wieder
eine klassische Vorbereitung. Früher hatte man das deutlich öfter
als heutzutage. Kann aber natürlich auch sein, dass es daran liegt,
dass ich so ungern tanze.
Wer f…. will, muss freundlich sein. Oder eben gut tanzen können.
Wenn ich mich richtig anstrenge, dann kann ich sogar unheimlich
freundlich sein. So gut … werde ich niemals tanzen können.
Das nächste Stück war etwas rockiger. Beim Freistiltanz würde ich
zweifellos eine Menge Punkte einbüßen. Deshalb …zunächst ein-
mal die alte Frischluftnummer. Bloß den Griff nicht lockern. Immer
schön auf Tuchfühlung bleiben. Und dann ab, ans nur noch glim-
mende Lagerfeuer.
Rolf blieb auf der Tanzfläche. Der wusste schon warum. Der steht
mehr auf die Macho-Nummer. Praktische Freundlichkeit ist nicht so
unbedingt sein Ding. Auch eine Methode, eine ziemlich erfolgrei-
che sogar.
Alles zu seiner Zeit. Etwas grober werden, kann man später immer
noch. Lagerfeuer … ein bisschen Gesülze … und dann die Zunge
in den Hals. Entweder oder nicht!
Entweder …na also!
Bei dieser Gelegenheit dann noch bisschen die Anatomie abtasten
und dann erst mal wieder einen Gang zurückschalten. Der Abend
ist noch lang. Außerdem musste ich mir noch Gedanken über den
weiteren praktischen Ablauf machen. Vor allen Dingen über den
Ort der Veranstaltung. So ein gemischtes Doppel hat seinen ganz
eigenen Reiz. Aber man braucht dann auch ein wenig Platz. Der
Heuboden kam nun wirklich nicht infrage. Aber uns würde schon
noch etwas einfallen.
Wo ein Wille ist ….
Die Sache mit dem Vierer hatten Rolf und ich im Vorfeld ins Auge
gefasst. Das klappt aber fast nie. Wir hatten das erst einmal hin-
bekommen. Bei dieser Gelegenheit haben wir dann aber auch or-
dentliche Zugeständnisse an den guten Geschmack machen müs-
sen. Man kann eben nicht alles haben. Die Auswahl war damals
sehr begrenzt … da muss man eben auch mal echte Ladenhüter in
Kauf nehmen. Bei einer Misswahl hätten sie die beiden Grazien mit
Sicherheit nicht auf die Bühne gelassen. Aber das Licht war dann
auch nicht so besonders gut … trotzdem haben wir zwischendurch
noch beide Augen zudrücken müssen. Es war aber trotzdem lus-
tig. Es ist übrigens ein Irrglaube … wenn immer behauptet wird,
dass sich die Unattraktiven besonders anstrengen würden. Wahr-
scheinlich liegt das an der fehlenden Übung. Egal … beim nächs-
ten Mal sind die bestimmt wesentlich besser abgegangen. Es ist
eben alles Übungssache.
Im Festsaal hatte Dietmar inzwischen den grünen Jungfrauen-
schreck in die Hände bekommen. Ein Worst-Case-Szenario droh-
te. Momentan bedrohte er lediglich den peinlich berührten Jerome
mit dem Teil. Als Nächstes würde er sich das Ding wahrscheinlich
umbinden und dann die Bühne stürmen. Die Tigerin schlich sich
aber bereits an den Frevler heran. Als er sie kommen sah, streckte
er das Ding wie einen Degen von sich. Mit geöffnetem Mund nä-
herte sie sich ihrem Besitz. Dietmar starrte sie verwundert an.
Auch wenn er immer ein wenig an den Grenzen des guten Ge-
schmacks operiert, er weiß dann doch noch wo Schluss ist.
Eine orale Übernahme des Geräts fand dann auch nicht statt.
Die Tigerin griff sich ihr Spielzeug und verstaute es dann wieder in
ihrem Rucksack. Ende der Show.
„Meine Güte … das ist aber mal ‘ne echte Granate. Die ist mir ‘ne
Nummer zu hart“, stellte Dietmar beeindruckt fest. Hans-Jürgen
hatte sich an der Theke festgetrunken und lallte bestätigend:„Da
kann ich nichts mit anfangen … mit solchen Weibern.“ Das hätte
man auch durchaus so stehen lassen können, aber Hans-Jürgen
musste natürlich noch nachlegen.
„Nicht mal mit ‘ner Kneifzange würde ich da drangehen“, erklärte er
dem verzückt auf Melanie starrenden Klemens. Der blickte ihn ver-
ständnislos an. Das konnte der nun wirklich nicht nachvollziehen.
Am Weißweintisch drehten sich die Gespräche inzwischen um
Swingerclubs und Partnertausch, Das Zahnarztpaar hatte sich mit
dieser Thematik wohl schon intensiv beschäftigt. Vera schien
ebenfalls sehr interessiert. Die biedere Ute lauschte erstaunt den
detaillierten Ausführungen. Barbara war inzwischen auch auf
Weißwein umgestiegen und schüttelte nur verständnislos den
Kopf. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Glücklicherweise.
Auf der Bühne knutschte die Bassistin inzwischen mit der Drum-
merin. Die Tontechnikerin drehte, möglicherweise eifersüchtig, an
ihren Knöpfen herum bis es piepte.
Der Wastl stand immer noch in seiner Ecke herum und hatte in der
Zwischenzeit wohl den Überblick verloren.
Die Brandenburger und die Nordlichter zeigten sich gegenseitig
Fotos von ihren Kindern, Hunden und Autos.
Charly und die Sauerländer, waren nach kurzer Aufwärmphase
nun doch endgültig zum ultimativen Kampftrinken übergegangen.
Der Abend entwickelte sich ganz normal.
„Hör mal..“, zog mich Rolf zur Seite,“das sind Schwestern. Hast du
das gewusst?“.
„Wer … ?“, fragte ich erstaunt.
„Na … deine Conny und meine Angela.“
„Echt …? Das ist ja ein Ding. Das hatten wir ja noch nie.“
Rolf nickte und schien ebenfalls erfreut zu sein. Wir hatten aller-
dings keine Ahnung, ob wir nun unsere Taktik umstellen mussten.
Richtige Schwestern … das war tatsächlich etwas Besonderes.
„Und nu?“
„Attacke … wir gehen in mein Zelt “, schlug Rolf vor.
„Jetzt schon?“
„Worauf willst du denn warten, auf den Weihnachtsmann?“
Wo er recht hat, hat er recht. Also ran … an die Schwestern.

5 Kommentare zu „Maitour (Kapitel 20)“

  • kuhjote:

    Ääähhmm … also, das hier ist die Rohfassung. Da wird noch die eine oder andere Kleinigkeit geändert. Vielleicht fliegen auch ganze Kapitel raus und werden komplett neu geschrieben. In der Anfangsphase ist mir die Geschichte ein wenig aus der Spur geraten. Das fällt mir jetzt erst richtig auf. Das dazu.
    Ich brauche ganz eindeutig mehr Feedback … aus diesem Grund poste ich den ganzen Kram schließlich. Also … nehmt kein Blatt vor den Mund und teilt mir bitte mit, was euch hier nicht gefällt.Immer frisch und frei von der Leber weg.
    Wir leben schließlich in einer Demokratie. Da hat die Mehrheit immer recht.***

  • Dieter:

    Hi Michael,

    das Problem tritt auf, wenn man einfach draulosschreibt oder wenn man Einzelteile schreibt und nachher versucht, Überleitungen zu schreiben … das wird immer schwierig. So ein grober roter Faden gleich zu Beginn und dann entlanghangeln ist meist besser für den Gesamteindruck.
    Und, so schön manches Detail auch sein mag und so gut bestimmte Details auch bei vielen ankommen mögen – wenn es nichts zur Gesamtgeschichte beiträgt, muss es leider raus, so weh das im Einzelfall auch tun mag.
    Aber Hauptsache, der Stil bleibt wie er ist und Du lässt Dich nicht zu sehr und dauerhaft auf Mopedgeschichten festmachen. So wie ich manche Kommentare verstehe, sind Deine Ansichten über zwischenmenschliche Konfliktsituationen auch sehr interessant ;-)

    Gruß Dieter

  • kuhjote:

    Danke Dieter,

    ein Problem liegt sicherlich in der Entwicklungsgeschichte der Story. Die einzelnen Kapitel müssen; jedes für sich betrachtet, auf irgend eine Art abgerundet sein.
    Die Übergänge wirken dann hinterher manchmal ein wenig holprig. Das wird noch einmal überarbeitet. Ganz am Schluß.
    Die Anfangskapitel haben tatsächlich kaum einen Bezug zur restlichen Story. Der Grund dafür … ist hier schwer vermittelbar. Es hat sicherlich etwas mit deiner Schlußbemerkung zu tun. Hier bin ich ganz eindeutig aus dem Mopedmilieu herausgerutscht. Nicht ganz ohne Absicht. Aber im weiteren Verlauf habe ich diesen Faden dann nicht mehr aufgenommen. Im Moment bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob das diese Geschichte hier weiterbringt. Wenn es eine Buchfassung geben sollte, dann bekommt diese Frage eine ganz spezielle Bedeutung.
    Die (Verlags)Welt will Krimis … oder Thriller … aber scheinbar keine Mopedstorys. Ob man das verbinden kann? Keine Ahnung. Wenn ja … wird das nicht einfach.
    In meiner Freizeit :-) , bastle ich bereits an einem marktgerechten Produkt. Da kommen aber bisher noch keine Motorräder vor … bisher!

  • Dieter:

    Hi Michael,
    es gab ja sogar mal eine Fernsehserie, “Die Motorradcops” oder so. War nix anderes als Cobra11 auf 2 Rädern, also eigentlich grottenschlecht – aber man ist ja nicht verwöhnt und schaut sich 90 Minuten Schrott an, nur um mal 2-3 Szenen mit Mopeds zu sehen ;-)
    Aber warum nicht: ein Krimi, der im Motorradmilieu spielt oder ein Detektiv, der Motorrad fährt oder auch ein Thriller, bei dem die Hauptfiguren auf 2 Rädern unterwegs sind. Muss ja nicht zum Hauptthema gemacht werden.
    Wünsche auf jeden Fall viel Erfolg dabei.

    Gruß Dieter

  • kuhjote:

    Apropos Motorradkrimi,

    ich habe zwischenzeitlich Kontakt aufgenommen. Mit dem derzeit einzigen Nischenverlag für Motorradromane und neuerdings auch Motorradkrimis.
    Der hat mir freundlich aber eindeutig eine Absage erteilt. Er habe genug Autoren.
    Außerdem passen meine bisherigen Werke nicht in das Programm des Verlags.
    Im Klartext: Wir machen nur das, was wir immer gemacht haben. Irgendwelche Experimente oder einen anderen Stil … bloß nicht!
    Na gut, dann eben nicht. Ich muss allerdings zugeben, dass er irgendwo Recht hat.
    In dieses Programm passen meine Sachen wirklich nicht. Von dem Vorschlag, eine neue Sparte einzurichten wollte er auch nichts wissen. So wie es aussieht, scheint der lesende Teil der Motorradgemeinde mit seinem Angebot zufrieden zu sein.
    Vom Küchentisch auf den Motorradsitz…oder…Mit dem Motorrad dreimal um den Bodensee…solche Sachen sind wohl gefragt.
    Das kann ich nicht! Das will ich auch nicht. Wenn ich denn vielleicht tatsächlich einen Motorradkrimi basteln sollte, dann wird das eher ein Thriller. Ein völlig abgedrehter Thriller … möglicherweise.
    Der würde dann natürlich auch nicht in sein Programm passen.
    Ach, es ist schon ein Kreuz … aber was soll’s. Soll er doch seinen Kram weitermachen. Ich mache meinen Kram weiter … und am Ende schauen wir mal …!

    kuhjote

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