Die Woche nach der Alpen-Express-Woche

KW 36 zeigt der Kalender. Genauer 02.09.2009. Noch genauer 21.05 Uhr.
Ich hoffe, das ist genau genug.
Jetzt weiß ich nicht nur, WO ich bin, sondern eben auch ganz genau … WANN.
Raum und Zeit … eben. Der mich umgebende Raum ist mit allerlei Büromobiliar vollgestellt.

Der Teil der Erdkugel auf dem sich dieser Raum befindet dreht sich gerade durch den Weltraum. Das ist wirklich nichts Besonderes, das macht er immer so. Dieses Büro dreht sich schneller um die Erdachse, als jemals ein Motorrad auf diesem Planeten fahren wird. Erstaunlicherweise sitze ich trotz dieses Tempos völlig locker auf meinem Drehstuhl. Ich trage auch keinen Helm oder sonstige Schutzkleidung. Dieses Büro rotiert mit über 1.000 km/h im Weltraum herum und mich merke nichts davon. Das ist Physik.

Wenn ich auf meiner GS zu schnell in eine Kurve fahre, dann trägt es mich heraus. Das ist auch Physik. Wenn dann auf der Gegenspur gerade ein Reisebus um die Ecke biegt, dann ist das Pech. Die Physik kann man nicht überlisten. Einen entgegenkommenden Reisebus auch nicht. Bleibt also nur Glück oder Pech. In der letzten Woche hatte ich immer Glück. Nicht überall, nur in Tirol. Hier etwa 700 km entfernt hatte ich kein Glück. Die sechs Millionen im Samstagslotto hat ein anderer gewonnen. Aus diesem Grunde sitze ich jetzt hier. Einerseits, weil mich mein Pech beim Lottospiel zu weiterer Erwerbsarbeit zwingt, andererseits, weil ich in Tirol viel Glück hatte. Bleiben wir zunächst beim Glück. Das gehört ganz einfach dazu, zum Motorradfahren. Im richtigen Moment am falschen Ort … und das war’s. Die Physik kennt da keine Gnade.

Was kann man machen? Vorsichtig fahren? Hilft auch nicht.

Richtiger Moment … falscher Ort … Pech!

Wir haben unterwegs einige Kollegen gesehen, die ganz offensichtlich weniger Glück hatten als wir. Sie waren wohl einfach nur im richtigen Moment an der falschen Stelle. Wenn man genau darüber nachdenkt, dann müsste man es einfach lassen. Dann hätte man mit tödlicher Sicherheit deutlich größere Chancen einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall, dem Krebs oder vielleicht sogar der Schweinegrippe zum Opfer zu fallen. Irgendwas ist letztlich immer der Grund für den letzten Akt. Warum nicht auch den Reisebussen eine Chance geben?

Keine Angst! Ich habe keine depressiven Anwandlungen. Nur mal eben einen ruhigen Moment. Da darf man doch wohl mal über das Schicksal im Allgemeinen und das persönliche Glück oder Pech im Besonderen, wenigstens mal ganz kurz … nachdenken.

Nach der Tour … ist vor der Tour. Deshalb feiert man am Abend danach gelegentlich etwas exzessiver. Wir sind noch im Rennen … ich trinke, also bin ich. Descartes war kein Motorradfahrer. Aber der ist trotzdem schon lange abgetreten. Der denkt nicht mehr, also isst er auch nicht mehr. Ich fahre noch, also esse ich auch noch.

Philosophie ist eigentlich gar nicht so kompliziert.

Am 19.09.2009 (welch kabbalistisches Datum, fällt mir gerade auf), also an diesem Tag startet die nächste Alpen-Express-Woche.

Ich werde wieder einen Lottoschein abgeben. Falls ich den Jackpot wieder einmal nicht knacken werde, dann wird mein Glückskontingent wohl ausreichen, um auch diesmal dem finalen Reisebus zu entgehen.

Nur um ganz sicher zu gehen, sollten trotzdem alle Interessierten vorher das Buch bestellen. Diese Kabbala-Kiste ist mir nicht geheuer. Jedenfalls weiß ich nun zumindest ganz genau, welche Lottozahlen ich nicht ankreuzen werde.

2 Kommentare zu „Die Woche nach der Alpen-Express-Woche“

  • Uwe:

    Hallo Michael,

    ich habe beide Geschichten mit Begeisterung gelesen – und darum muss ich unbedingt Dein Buch haben. Habs schon bestellt.

    Und hier noch der Verbesserungsvorschlag : Bei der Angabe der Bankverbindung gehört noch dein Name dazu (=Kontoinhaber)

    Die Tante in der Bank wollte “Kuhjote” als Kontoinhaber nicht hinschreiben … :-)

    Gruss aus Franken
    Uwe

    - der Geschichtenschreiber im BFF (www.bikerforum-franken.de) -

  • kuhjote:

    Hallo Uwe,

    sehr schön … einen Kollegen hier zu treffen. Was deinen Verbesserungsvorschlag anbelangt. Du hast natürlich Recht. Der Kontoinhaber fehlt noch auf der Bestätigungsmail. Wird umgehend bearbeitet. “Kuhjote Verlag” habe ich nach längerem Kampf mit meiner Banktante durchsetzten können. Geht eigentlich nicht, aber irgendwie nun doch. Nun bin ich mal gespannt , was die anderen Besteller dort so eintragen.

    M.

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