Eine Woche im Bikerhotel (das Buch) – Kapitel 1

(hier kommt die Original-Buchfassung… überarbeitet und besonders schmal gesetzt ;-) )

… Rolf war pünktlich.
Das war natürlich keine besondere Überraschung.
Rolf ist immer pünktlich.
Sein alter grüner Passat bog um die Ecke und zerrte mit
offensichtlicher Mühe einen riesigen Anhänger hinter sich
her.
Der Passat stoppte direkt neben meiner GS und Rolf sprang
heraus.
„Morgen, mein Freund“, begrüßte er mich fröhlich.
„Und ob … wo hast du denn diese Kiste her?“, fragte ich
entsetzt.
„Franky …!“, erwiderte Rolf ungerührt.
Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass er auch noch stolz
darauf war.
„Das ist doch … ein Pferdeanhänger. Ein umlackierter
Pferdeanhänger!“, bemerkte ich ungläubig.
„Du hast mir doch erzählt, dass du den Anhänger vom
letzten Jahr …“
Rolf blieb völlig gelassen: „Der war kaputt. Da bin ich
schnell bei Franky vorbeigefahren und hab mir den ausgeliehen.
Der ist doch super, oder?“
Super … und ob! Ein in glänzendem Dunkelbraun lackierter
Doppelachs-Pferdeanhänger mit riesigen Harley-Davidson-
Emblemen auf den Seitenwänden.
Wenn der nicht super war!

„Pass mal auf, da kommen jetzt noch zweimal 240 kg rein.
Was glaubst du wohl, was das Ding dann wiegt?! Wie viel
darf die Karre hier denn überhaupt ziehen?“, fragte ich
mehr neugierig als ablehnend und beäugte dabei abschätzend
den alten Passat.

Rolf zuckte die Schultern und klappte die hintere Ladewand
des Anhängers herunter.
Die Diskussion war müßig. Rolf ist der geborene Pragmatiker.
Wir mussten bis heute Abend in Tirol sein. Mit zwei BMWs auf
einem Anhänger.
Das war der Plan.
Und hier war der Anhänger.
Was gab es da zu diskutieren?!

Gut, andere Zeitgenossen hätten jetzt im Fahrzeugschein
nachgesehen, ob dieses Gespann überhaupt der StVZO
entspricht. Oder sie hätten sich ernsthaft Gedanken darüber
gemacht, ob man mit einem derart peinlichen Harley-
Anhänger mit zwei BMWs vor einem Bikerhotel vorfahren
könne.
Rolf war das alles völlig egal.
Rolf ist nämlich von Hause aus … Harley-Fahrer.
Mehr durch Zufall als aus Überzeugung, aber dennoch
konsequent. Ansonsten hält er sich an den alten Spruch:
„Papier ist geduldig“. Theorie und Praxis eben.
Rolf ist ein überaus praktisch veranlagter Mensch. Von solch
lächerlichen Kleinigkeiten wie maximaler Anhängelast …
lässt der sich nicht beeindrucken.
In dem Pferdeanhänger waren Schienen montiert. Das
Verzurren meiner GS bereitete uns keinerlei Probleme.
Natürlich hätte ich meinen Krempel in einem Reisekoffer
oder in einer Reisetasche transportieren können. Aber das
kam nicht infrage. Ich hatte alles in meinen beiden Motor-
radkoffern und in der Gepäckrolle untergebracht.
Auch das unterscheidet einen GS-Fahrer von einem Harley-
Treiber. Rolf hatte einen großen Reisekoffer dabei. Immerhin
waren wir eine ganze Woche unterwegs.
Lächerlich! Keine Ahnung, was der alles eingepackt hatte.

Wir machten uns auf den Weg zum BMW-Händler. Zum
vereinbarten Übergabezeitpunkt rollten wir mit unserem
Monsteranhänger auf den Hof der Niederlassung. Der Mit-
arbeiter erwartete uns bereits. Die rote 1200er Leih-GS stand
schon abholbereit im Hof.
Nachdem wir den unvermeidlichen Papierkram erledigt
hatten, holte der Mitarbeiter tief Luft, um Rolf die
technischen Geheimnisse des Fahrzeugs zu offenbaren.
Der Komiker sprach tatsächlich ständig von „… dem Fahrzeug“.
Vermutlich hatte er vorher die weiß-blauen Autos verkauft.
Der Typ legte direkt los und betete sämtliche Katalogangaben
herunter. Dieses seiner Meinung nach überragende
Produkt deutscher Ingenieurskunst versetzte ihn offensichtlich
regelrecht in Ekstase, sein anscheinend frisch erworbenes
Seminarwissen sprudelte nur so aus ihm heraus.

… Telelever mit mechanisch einstellbarem Zentralfederbein
vorne … Aluminiumguss-Einarmschwinge mit Paralever
und hydraulisch stufenlos einstellbarer Federvorspannung
hinten … Abschaltbares Integral-ABS … und überhaupt die
Bremsanlage …

„Schon klar, wir haben noch eine lange Fahrt vor uns“, un-
terbrach ihn Rolf. Ich erklärte dem eifrigen Verkäufer noch,
dass ich den technisch desinteressierten Harley-Jockey
höchstpersönlich in sämtliche Geheimnisse des „Fahrzeugs“
einweihen würde. Dann verabschiedeten wir uns schnell.
Die rote GS wurde hurtig neben ihrer gelben Schwester ver-
zurrt und wir rumpelten schleunigst vom Hof.

7 Kommentare zu „Eine Woche im Bikerhotel (das Buch) – Kapitel 1“

  • kuhjote:

    Es muss doch auch ein wenig “Fleisch” auf diese Seite. Die meisten Besucher werden die Geschichte zwar schon kennen, aber es könnte ja auch mal ein paar Unwissende hierhin verschlagen.Deshalb, und nur deshalb … ein paar Kapitel.
    Das wirklich echte Buch … erscheint ab dem 23.August. Dann wird hier auch ein Bestellformular erscheinen … so ist zumindest der Plan.
    Einige technische Daten vorab.
    (damit kann der normale Mopedfahrer wenigstens etwas anfangen, mit technischen Daten)

    Gewicht: ca.340g
    Seitenzahl: 256
    Format: 200 X 130 X 21 mm
    Papier: 90g -1,75- Werkdruckqualität
    Umschlag: 250g Karton -4-farbig/matt/veredelt-
    ISBN: noch geheim
    Preis: 12€ (wg.handgeschnitzt und Made in Germany)

    so…noch mehr Spannung kann ich nicht erzeugen…aber vieleicht fällt mir bis zum 23.08.09 doch noch etwas ein…

    kuhjote

  • Sarah:

    Lieber kuhjote,
    für ein Erstlingswerk wirklich beindruckend!Selbst für mich ohne gültige Fahrerlaubnis oder Motorraderfahrung ein wirklich unterhaltsames Lesevergnügen.Bitte meht davon…

    Grüße vom Bodensee

  • Bernd Philipp:

    Mein Gott,Kuhjote!
    Da bekomm ich von nem Freund dein Buch in die Hand gedrückt.
    Mit den Worten:”Mußt du gelesen haben.”
    Und ich Depp schnapp es mir gestern.
    Draußen blauer Himmel und fast 20 Grad.
    Und ich sitze in meiner Küche und…… lese.

    Ich sag einfach mal :D anke.
    Und….ich wär gern dabei gewesen,auch wenn ich nicht zur Schnellfahrer-Fraktion gehöre.Ist auch nicht ganz die Welt meiner Seven-Fifty.

    Ich werde mal bei Walter nach den Cruiser-Wochen fragen.;-)

    Ich hoffe,dass du uns noch mehr gibst.
    Dann wird es aber eingeschweißt und erst bei Minus-Temperaturen geöffnet.

    Ich wünsche dir allzeit knitterfreie Fahrt
    Bernd

    PS: Und falls du mal ne Druckerei suchst ;-)

  • kuhjote:

    @Bernd

    Schön, dass das Buch scheinbar genügend Potential hat, um selbst Hondafahrer von der Straße zu holen. Schönen Gruß an “Walter” und keine Bange…es gibt für jedes Temperament die passenden Touren. Die AEW ist auch nicht ganz so schlimm, wie es hier den Anschein hat. Dieses Jahr soll sogar der “braune Elefant” mitfahren. Munkelt man…***

  • Björn:

    Hallo kuhjote !!

    Auch von mir: Herzlichen Glückwunsch für das absolut gelungene Erstlingswerk.
    Habe ja schon im GS Forum sehnsüchtig auf jede Fortsetzung gewartet.
    Wenn das mal kein Bestseller wird, dann weiß ich auch nicht.
    Habe den Flyer vom Hotel auch gleich meinen Kumpels gezeigt und es wird ernsthaft über ne Woche im Bikerhotel nachgedacht.
    Also alles Gute für die Zukunft,

    wünscht dir Björn! (Streetfighter Oberlausitz/Sachsen)

    P.s. so krass wie die beschriebenen SF´s aus Thüringen sind wir nicht ;-)

  • kuhjote:

    Einen schönen Gruß nach Sachsen. Mit ein wenig Glück, könnte sich das “echte Bikerhotel” zu einem Kulttreff entwickeln. Sollen doch diese Blümchenpflücker und Bedenkenträger hinfahren, wohin auch immer sie wollen.
    Es gibt eben nur diese eine -wahre Bikerhotel-. ;-)

  • Björn:

    Genau !!!!
    Aber nur mit dir,”Rolf” und den anderen! ;-) ;-)

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